Borussia: Bradleys Anspruch
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 21.10.2009Der Amerikaner will den größtmöglichen Erfolg. Mit den USA hat er sich für die WM qualifiziert, in Wolfsburg schoss er sein erstes Saisontor. Nun kommt Köln. "Ein großes Spiel", weiß der Borusse. Im letzten Derby traf er doppelt.
Fussball Michael Bradley würde auch einen guten Pokerspieler abgeben. Der junge Borusse aus Amerika verzieht kaum mal eine Miene, und es ist zu vermuten, dass selbst ein Royal Flush und die Aussicht auf den Gewinn eines gigantischen Jackpot den 22-Jährigen nicht zu einer verräterischen Gemütsäußerung verführen würde.
Nun ist Michael Bradley, das Pokerface, aber von Beruf Fußballspieler, und als solcher ganz sicher kein Zocker auf dem Rasen. Er ist einer, der rackert und kämpft um seiner Mannschaft zu helfen.
In Wolfsburg, beim 1:2, tat er das als zweiter "Sechser" an der Seite von Thorben Marx. Trainer Michael Frontzeck hatte ihn Marcel Meeuwis vorgezogen, weil der sechs Jahre ältere Niederländer "im Moment etwas unruhig wirkt". Bradley und Marx machten ihre Sache gut, Wolfsburgs Spielmacher Zvjezdan Misimovic kam am Sonntag nur selten zur Geltung.
Daems wohl fit für Köln
Filip Daems Borussias Kapitän trainierte gestern nicht. Er soll aber heute wieder einsteigen. Er kann voraussichtlich Samstag gegen den 1. FC Köln spielen.
Paul Stalteri Der Kanadier hat noch Adduktoren-Probleme. Er wird für das Derby wohl ausfallen.
Frederic Löhe Der Bänderriss im Ellenbogen ist auskuriert, der Torhüter trainiert wieder.
Training Heute, 10 Uhr.
"Bundesliga ist eine andere Sache"
Bradley war mit dem guten Gefühl in das Spiel gegangen, sich zuvor mit den USA für die Weltmeisterschaft in Südafrika im nächsten Jahr qualifiziert zu haben und beim 2:2 gegen Costa Rica Torschütze und "Mann des Spiels" gewesen zu sein. Doch einer wie er, dessen Anspruch der größtmögliche Erfolg ist, mag darüber nicht in Euphorie verfallen.
"Es ist eine Ehre für die USA zu spielen und fantastisch, das bei einer WM zu tun. Aber es ist eine andere Sache als die Bundesliga", sagt Bradley und schaut dabei wie es einst der Schauspieler Buster Keaton tat: ohne Mimik.
Ganz cool geht Bradley auch an das Derby gegen den 1. FC Köln heran. Es ist ein Spiel ganz nach seinem Geschmack, eines das er als "großes Spiel" bezeichnet, eines, in dem es auf den Kampfgeist ankommt, auf den "Fighting-Spirit", wie er sagt. "Es ist eine gute Zeit für ein solches Spiel. Wir sind bereit dafür, die Fans sind bereit dafür. Mit einem Sieg kann man alles vergessen machen, was zuletzt passiert ist", weiß Bradley.
Die fünf Niederlagen und das Pokal-Aus nämlich, und den Sturz auf den 17. Tabellenplatz. "Es ist eine Periode, die schlecht für uns läuft", sagt Bradley. Weswegen er sich auch nicht so recht freuen kann über sein erstes Saisontor, dass er in Wolfsburg in der dritten Minute der Nachspielzeit erzielte.
Es war Borussias erster Auswärtstreffer nach 410 offiziellen Minuten. "Es ist gut, dass ich mein erstes Tor gemacht habe. Aber es ist enttäuschend, dass wir trotz einer guten Leistung verloren haben", sagt Bradley.
Vor Wolfsburg hatte Bradley zuletzt im März getroffen – in Köln. Sogar doppelt damals, beim 4:2-Erfolg: zunächst zum 1:0, später dann, per Elfmeter, zum Endstand. Damals war er der Anführer, der er sein will, er war präsent, bestimmte das Tempo mit und schoss Tore. Eine solche Leistung konnte er zu Beginn dieser Saison nicht abrufen. In Wolfsburg jedoch zeigte der Sohn des US-Nationaltrainers Bob Bradley, dass er sich gefangen hat. Gegen Köln, so er wieder in der Startelf steht, will er sich der nächsten Herausforderung stellen. Mit einem Pokerface und viel Leidenschaft.
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