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Borussia Mönchengladbach: Broich und die Bürde der Rolle

VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 30.03.2011

Der Filmemacher Aljoscha Pause hat einen Film über den Ex-Borussen gedreht. Über neun Jahre hat er den Fußballer begleitet. Heraus kam ein Werk, das Broichs Sehnsüchte, seine Leidenschaft, aber auch seine Arroganz zeigt.

Thomas Broich will in Lautern Regie führen.  Foto: rpo, Falk Janning
Thomas Broich will in Lautern Regie führen. Foto: rpo, Falk Janning

Fussball Zwei Männer streifen durch die endlosen Wälder eines australischen Nationalparks, sie sind glücklich, als das erfrischende Nass eines Wasserfalls auf sie hinunter stürzt. Das ist der Anfang eines Fußballfilms, den der Bonner Filmemacher Aljoscha Pause gedreht hat. "Tom meets Zizou" hat er die 130 Minuten genannt, die viel erzählen über das Spiel, seine Schönheit, aber auch die Abgründe der Welt des Balles. Es ist die bisherige Biografie des Fußballprofis Thomas Broich.

Zweieinhalb Jahre spielte Broich, heute 30 und gerade mit Brisbane Roar australischer Meister geworden, für Borussia, dann ging er zum 1. FC Köln. Das haben nur wenige gemacht, zum Beispiel Bonhof und Rupp, zwei aus der großen Gladbacher Zeit. Doch Broich hat sich immer ein bisschen was rausgenommen. Vor allem, anders zu sein unter Gleichen, ein Fußballer mit Horizont, das war die Rolle, die Broich sich ausgesucht hat.

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Er hat sie gern angenommen, das gibt er zu, auch wenn diese Rolle eine Bürde war. Pauses Bildnis zeigt Thomas Broich in all seiner Sehnsucht, seiner Leidenschaft, aber auch in seiner naiven Arroganz. Das Fußballgeschäft hat auch dunkle Spuren auf seiner Seele hinterlassen.

Sie nannten ihn "Mozart"

"Mozart" und "der andere Profi" war Broich, als er sein Talent gewinnbringend auf den Platz brachte, ein Zweifler und Revoluzzer, der sich wie Che Guevara kleidete, Töpferkurse besuchte und Philosophie studierte, war er, wenn es nicht lief. Broich war dann ein Alltagsflüchtling, der "an einer Art Fußballdepression" litt.

Pause zeigt einen Mann, der seinen Traum lebt und spürt, dass es für ihn ein Albtraum sein kann. Broich gehörte zu den Hoffnungsträgern in Gladbach, ja in ganz Deutschland. "Ein toller Fußballer", sagt Berti Vogts in dem Film. Broich sagt: "Ich habe keinen Bock, ein Hoffnungsträger zu sein."

Wenn ein Mann sein Leben verfilmen lässt (Pause begleitete Broich neun Jahre), dann möchte er der Welt etwas mitteilen. Als Fußballer war Broich der Bundesliga gewachsen, nicht aber als Profi. Pauses Film regt zum Nachdenken an. Vor allem, weil Broich dauernd nachdenkt. Über sich, über seine Rolle, über sein Leben. Ein paar Längen sind darin, zumal der Eindruck entsteht, dass sich Broich in der Rolle des Reflektierenden gefällt. So, wie er sich in der Rolle des andersartigen Genius gefallen hat: Camus statt Kicker – Broich kokettierte stets mit seinem Interesse am Schöngeistigen statt es einfach zu leben.

So entstand der Eindruck, er nehme es nicht so ernst mit dem Job. Broich kommt als Mensch daher, ganz offen und ehrlich. Das macht den noch immer jungen Mann aus. Ein Profi sagt normalerweise nicht, dass er kein Profi sein will. Das passt nicht zur Leistungsgesellschaft, zum "Haifischbecken" Bundesliga. Broich traut sich das, und manche, die Trainer Dick Advocaat und auch Christoph Daum zum Beispiel, kommen nicht sonderlich gut weg.

Wenn einer mit 30 in die australische Liga wechselt, stellt sich die Frage: Warum? Auf gewisse Weise ist Broich als Profi gescheitert. Sein Talent hätte für eine größere Karriere gereicht, vielleicht für eine ganz große. Sein Geist aber war zu schwach. Oder besser: zu abgelenkt. In Australien kann er nun sein Anderssein leben: Als Mensch, der "auch gern den Verlockungen des Lebens unterliegt", und als Fußballer, der es liebt "poetische Pässe" zu spielen. "Extrem viel ist extrem scheiße gelaufen. Aber wenn ich mir ein Leben aussuchen könnte, dann könnte es auch dieses sein", sagt Broich. Es hat bislang für einen guten Fußballfilm gereicht.

Quelle: RP

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