Borussia Mönchengladbach: Brouwers spielt um seine Chance
VON ANDRÉ SCHAHIDI - zuletzt aktualisiert: 23.07.2011Borussia Mönchengladbach (RP). Der niederländische Verteidiger ist aktuell nur zweite Wahl in der Innenverteidigung. Noch vor zwei Jahren erzielte der 29-Jährige acht Treffer in einer Saison. Nun will er sich im letzten Testspiel der Borussia noch einmal zeigen.
Er wird ein paar Minuten bekommen, um sich zu zeigen. Wahrscheinlich etwa 25, so wie im Testspiel gegen Porto. In diesen Minuten, heute (15.30 Uhr) gegen den FC Sunderland will Roel Brouwers zeigen, dass er Borussia helfen kann. Denn wenn es nicht so gut läuft, wird es erst einmal sein letzter Einsatz. Denn Trainer Lucien Favre setzt auf andere.
Aktuell stehen Martin Stranzl und Dante in der Innenverteidiger-Hackordnung vor Brouwers. Der noch im Jahr zuvor acht Tore für Borussia erzielte – als Verteidiger. In der verrückten Schlussphase der vergangenen Saison durfte Brouwers noch zweimal ran. "Das war das verrückteste und schwierigste Jahr meiner Karriere", sagt er. "Ich war ewig verletzt, und dann haben wir – mit mir – gegen Dortmund und Hannover zu Null gespielt. Da hoffst du natürlich, dass du drin bleibst." Doch der Trainer entschied sich wieder für den Brasilianer, der zuvor verletzt war. "Dann weißt du, dass du erst einmal auf der Bank sitzt."
Großer Holland-Fan
Vor rund zwei Jahren war Roel Brouwers einmal in den Fokus der holländischen Nationalmannschaft gerückt. Zu einer Nominierung kam es jedoch nie. "Ich glaube nicht mehr, dass das noch mal was wird", sagt er. Doch ein Fan von Oranje ist er trotzdem. "Bei der EM 2008 war ich in Bern", sagt er. "Natürlich komplett orange."
"Du hoffst, dass du drin bleibst"
Auf Beistand des Transfermarktes hofft er indes nicht: "Vielleicht geht Dante noch. Doch von mir aus muss er nicht weg. Er ist ein sehr guter Spieler. Ich beschäftige mich lieber mit meiner eigenen Leistung." Also kämpft, ackert und arbeitet der Niederländer im Training. Er will seinem Trainer die Entscheidung gegen ihn so schwer wie möglich machen. "Ich arbeite hart, ich will mich hier zeigen", sagt Brouwers. "Auch, weil ich mich in Gladbach einfach wohl fühle" Ein Familienmensch.
Brouwers wohnt in Voerendaal, nahe seiner Heimat Heerlen. Die Verwandtschaft wohnt um die Ecke. "Das ist optimal für mich", sagt Brouwers. Zuvor in Paderborn fühlte sich der Profi manchmal ein wenig einsam. "Das war zunächst ein Schritt zurück für mich", sagt der 29-Jährige. "Schließlich kam ich aus der Ehrendivision zu einem Zweitliga-Aufsteiger." Doch irgendwie mochte er Ostwestfalen trotzdem. "Ich habe direkt in der Nähe vom Stadion gewohnt. Die Mannschaft war super, ich habe heute noch Kontakte. Und letztlich war Paderborn das Sprungbrett zu Borussia für mich."
Am Niederrhein merkt man dem langen Abwehrspieler auch gar nicht so wirklich an, dass er eigentlich gar kein Deutscher ist. "Auch wenn ich manchmal kleinere Probleme damit habe, wann ich jetzt ,mir' oder ,mich' sagen muss." Trotzdem will der Niederländer mit Fachabitur nach seiner Karriere vielleicht etwas mit seinen guten Deutschkenntnissen anfangen. "Ich könnte Lehrer werden", sagt er. Und muss dann selber ein wenig lachen.
"Normalerweise bleiben Fußballspieler ja eher im Fußball", sagt Brouwers. Also Trainer? "Eher Assistent. Ich weiß nicht, ob ich nicht ein wenig zu weich für den Beruf bin. Aber das sage ich heute. Vielleicht sehe ich das in fünf Jahren ganz anders." Vorläufig denkt Brouwers jedoch nur an seine Spielerkarriere.
Bei Borussia. Filip Daems ist, obwohl Belgier, der beste Freund in der Mannschaft: "Wir verstehen uns super." Gleiches gilt auch für sein Verhältnis zu den Fans. "Natürlich liebe ich es, wenn sie ,Roooeeeel' schreien, wenn ich am Ball bin. Daraus spricht Wertschätzung und Respekt für meine Arbeit. Das macht mich stolz."
Brouwers Vertrag läuft am Saisonende aus. Doch wenn es nach ihm geht, bleibt er noch einige Jahre in Deutschland. "Das ist mein Ziel", sagt der Niederländer. "Und ganz ehrlich: am Liebsten bleibe ich in Mönchengladbach." Roel Brouwers nimmt man sofort ab, dass das keine lose Phrase ist.
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