Borussia: Bündnis gegen Gewalt
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 21.10.2009 - 12:35Thorben Marx hat schon 164 Bundesligaspiele gemacht. Doch am Samstag gibt es für den 28-jährigen Fußballprofi, angestellt bei Borussia Mönchengladbach, ein erstes Mal. „Ich habe noch nie ein Derby gespielt. In Berlin und Bielefeld gibt es so etwas nicht, nur in Dortmund, Schalke, Köln und Gladbach”, sagt Marx.
Nun kommt der 1. FC Köln, Borussias Erzrivale. „Es wird ein Highlight in meiner Karriere”, sagt Marx. Längst hat er mitgekriegt, welch immense Bedeutung das Treffen mit den Kölnern hat. Aber auch, dass „es zuletzt Ausmaße bekommen hat, die nicht gesund sind”.
Bei den letzten Vergleichen der Traditionsklubs eskalierte die Gewalt: eine Fan-Fahne wurde geklaut, bengalische Feuer gezündet, Fans beschossen sich mit Feuerwerkskörpern, es gab Verletzte. Solche Exzesse wollen beide Klubs nun verhindern.
Und gaben daher gestern im Borussia-Park eine gemeinsame Pressekonferenz ein in der Bundesliga einmaliger Vorgang. Borussias Geschäftsführer Stephan Schippers und sein Kölner Kollege Michael Meier appellierten an die Fans, dazu beizutragen, dass es „ein Derby ohne Provokation, Hass und Gewalt wird”. Die normalen Fußballfreunde solle sich nicht von der kleinen Gruppe Gewaltbereiter anstecken lassen.
„Mit der Aktion wollen wir dazu beitragen, dass das Derby den Rahmen bekommt, den es verdient. Der sportliche Wettkampf hat Tradition, es gab legendäre Spiele. Leider gab es am Rande in den letzten Jahren von beiden Fanlagern Aktionen, wo es erforderlich ist, etwas zurechtzurücken. Wir wollen Schaden von diesem Derby abwenden”, erklärte Meier.
Er hatte schon vor dem Heimspiel gegen Mainz (1:0) die FC-Fans aufgefordert, in Gladbach die Ruhe zu wahren. Meier wird mit Ex-Kapitän Ümit Özat im Fanzug anreisen wie er es schon beim letzten Auswärts-Derby tat. „Im Grundsatz sind beide Fan-Gruppen friedlich, und das wollen wir auch am Samstag hinbekommen”, sagte Stephan Schippers.
Die Partie ist von der Polizei als Risikospiel eingestuft, die Zahl der Ordnungshüter wird im Vergleich zu „normalen” Bundesligaeinsätzen deutlich größer sein. Beim vergleichbaren Derby Dortmund - Schalke waren 1500 Polizisten im Einsatz. Es gibt intensivere Sicherheitskontrollen und keinen Alkohol im Stadion. „Das müssen 99 Prozent der Fans mittragen, weil einige wenige das Derby missbraucht haben”, sagte Schippers.
Die Gladbacher haben nach den Ausschreitungen beim zurückliegenden Derby in Köln einen Arbeitskreis gegründet, um mit Polizei und Fans die Problemsituationen zu besprechen. Beide Klubs rufen auf ihren Internetseiten zur Besonnenheit auf. „Wichtig ist, einen kühlen Kopf zu bewahren. Man sollte sich auf das Spiel konzentrieren, es genießen”, erklärte Thorben Marx. Sein erstes Derby soll friedlich bleiben. Und Borussia nach zuletzt fünf Niederlagen drei Punkte bringen.
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