Borussia: Colautti, Cacau, Tore und auslaufende Verträge
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 23.02.2010 - 08:29Fussball Stürmer müssen Egoisten sein. Im mannschaftsdienlichen Maß natürlich, doch vor dem Tor, da gibt es eigentlich nur: rein oder nicht rein. Roberto Colautti ist dieser Egoismus zuweilen abgegangen während seiner Zeit bei Borussia. Die Eiseskälte kurz vor dem Ziel, der unbedingte Wille, das Tor zu machen, all das lebte er oft nicht aus. Und jetzt das: Raúl Bobadillas Flugkopfball, das kann man nach reichlicher Betrachtung der Fernsehbilder wohl sagen, der wäre zum 2:0 für Borussia ins Hoffenheimer Tor geflogen. Doch Colautti, 27, stubste den Ball nochmal an und bugsierte ihn über die Linie. Aus, geschätzt, 80 Zentimetern.
Bobadilla war nicht erfreut darüber, dass der Kollege ihm das sichere Tor wegnahm. Dem 22-Jährigen hätte sein vierter Treffer gut getan, zumal in einem Spiel, das nicht wirklich das seine war. Darum herrscht derzeit Funkstille zwischen den Argentiniern: zwei Torjäger-Egoismen prallen aufeinander. "Ich bin Stürmer. Da muss ich den Ball ins Tor schieben, wenn ich so nah dran bin", verteidigt Colautti seinen dritten Einschuss in den letzten vier Spielen. Macht fünf Tore bei 15 Einsätzen – damit ist er Borussias effektivster Stürmer.
Diese Quote rundet den guten Eindruck ab, den Michael Frontzeck von seinem "Laufstürmer" hat, der, ob der "flachen MittelfeldVier" mit zwei Außen, als hängende Spitze Mittelfeld und Angriff verbindet. "Ich versuche immer auch defensiv zu arbeiten und meine taktischen Aufgaben zu erfüllen", sagt Colautti. Er spürt das Vertrauen seines Trainers, "das ist für einen Spieler wichtig". Mit "vollem Einsatz" und Toren zahlt er es zurück – zumindest bis Ende Juni. Dann endet Colauttis Vertrag, und noch gab es keine Gespräche über eine weitere gemeinsame Zukunft. "Ich warte ab, bis Borussia auf mich zukommt", sagt Colautti, dem auch Anfragen anderer Klubs vorliegen. Er könnte beispielsweise zurück nach Israel gehen, dort hätte er wohl eine Stammplatz-Garantie.
Eberl und Frontzeck wissen, was sie an Colautti haben. Er ist ein kompletter Stürmer, spiel- und kopfballstark. Und nun auch noch einer, der trifft. "Tore sind für einen Stürmer das beste Argument. Wir entscheiden aber erst im März, ob wir den Vertrag verlängern", sagt Sportdirektor Max Eberl. Generell prüft er, ob das vorhandene Personal das Projekt Borussia nach vorn bringen kann – oder eher Spieler, die geholt werden. So soll sich Borussia beim VfB Stuttgart nach Angreifer Cacau (28) erkundigt haben. Der deutsche Nationalspieler ist tortechnisch wie Colautti im Aufwärtstrend, er machte zuletzt fünf Tore in drei Spielen, vier davon indes beim 5:1 des VfB in Köln. Noch etwas hat er mit dem Borussen gemeinsam: Sein Vertrag in Stuttgart läuft im Sommer aus.
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