Borussia Mönchengladbach: Dante – Vorbild und Mahner
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 06.12.2011Borussia Mönchengladbach (RP). Borussias brasilianischer Verteidiger machte beim 1:1 gegen Meister Dortmund ein ganz starkes Spiel. Er gewann 79 Prozent seiner Zweikämpfe. Nur vor dem Tor hatte er kein Glück. Der 28-Jährige ist ehrgeizig, aber auch realistisch, was Gladbachs Möglichkeiten angeht.
Fussball Es gibt Spiele, in denen Dante das Klischee vom brasilianischen Verteidiger erfüllt. Diesen wird eine gewisse Flapsigkeit im defensiven Tun nachgesagt. In diesen Spielen also tänzelt Dante tief in der eigenen Hälfte mit dem Ball herum, und während die Gegenspieler näher und näher kommen, möchte man ihm zurufen: "Spiel doch endlich den Ball ab!"
Beim 1:1 gegen Dortmund gab es solche Laissez-Fair-Einlagen nicht. Dante spielte konsequent und konzentriert, resolut und robust. Er war der Chef auf dem Platz, die Zusammenarbeit mit Martin Stranzl (67 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 96 Prozent angekommene Pässe) klappte bestens. 79 Prozent seiner Zweikämpfe gewann der 28-Jährige und brachte 88 Prozent seiner Pässe an den Mann. Er verteidigte also gekonnt und trug passsischer zum Spielaufbau bei. Nicht wie früher vor allem mit langen Bällen, sondern mit klugen Flachpässen. Einer davon brachte Borussias 1:1 auf den Weg: Dante passte zu Juan Arango, der zu Raúl Bobadilla, der dann den Torschützen Mike Hanke bediente.
Training: Heute, 15 Uhr
Training Gestern hatten die Borussen frei. Heute um 15 Uhr steigen sie in die Trainingswoche ein.
Personalien Marco Reus fehlt weiter wegen seines gebrochenen Zehs. Yuki Otsu hat seine Erkältung auskuriert. Ob Igor de Camargo und Joshua King, die gegen den BVB verletzt fehlten, wieder bereit sind, entscheidet sich heute.
Dante war zufrieden mit sich und der Welt nach dem Spitzenspiel, in dem er auch die eine oder andere spektakuläre Grätsche ansetzte. Nur eines ärgerte den Ehrgeizigen: "Ich hatte zwei, drei gute Chancen, aber ich habe leider nicht getroffen, daher bin ich ein bisschen enttäuscht", sagte er. Vor allem ob der Gelegenheit in der ersten Halbzeit, als sein Kopfballversuch knapp das Ziel verfehlte. Ein Tor wäre die Krönung der vorbildlichen Leistung gewesen, die Dante gegen den Meister brachte.
Er braucht solche Herausforderungen. Im Sommer, als keiner absehen konnte, dass Borussia, der Fast-Absteiger, oben mitspielen würde, dachte Dante trotz des gerade verlängerten Vertrages über einen Wechsel nach. Es hat sich nichts ergeben. So verkündete Dante beim Familientag, dass er bleibt. Man kann wohl sagen: zum Glück. Für Borussia. Aber auch für ihn. Dante gefiel es nicht, immer gegen den Abstieg zu kämpfen. Er wollte nach oben, möglichst in den Europapokal. Aktuell wäre Borussia als Tabellendritter dabei. Schafft es Dante mit Gladbach nach Europa? "Warum nicht...", sagt er. Und grinst dieses typische breite Dante-Grinsen. Dann sagt er: "Aber..." Dante ist auch ein Mahner. Er verweist stets und ständig darauf, dass er natürlich Erfolg haben wolle, dass dieser in Gladbach aber nicht selbstverständlich sei. "Wir sind froh darüber, was wir bis jetzt erreicht haben, aber ich möchte auch am Ende der Saison zufrieden sein – und die Saison ist noch lang. Wir wollen erst mal so schnell wie möglich die 40 Punkte holen", so Dante.
Angesichts der 30 Punkte, die Borussia schon beisammenhat, klingt das zwangsläufig nach Understatement. Aber es ist "die Realität", wie Trainer Lucien Favre sagt. Auch das hat er in die Köpfe der Spieler "implantiert", wie Rainer Bonhof, der Vize-Präsident, sagt. Dante fühlt sich total wohl im Überraschungsteam dieser Saison. Er ist einer der Anführer und für die gute Laune zuständig, nicht nur, weil er Vortänzer ist bei den brasilianischen Hüftschwüngen zur Feier eines Tores. Die Fans lieben ihn. Und für Lucien Favre ist er die Konstante im Abwehrzentrum: Dante hat kein Spiel verpasst in dieser Saison. Das in Augsburg wird, inklusive Pokal, sein 18. sein. "Wir müssen voll konzentriert sein", sagt er. Was er damit meint, zeigte er gegen den BVB.
Jetzt weiterlesen und die Rheinische Post testen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum









