Borussia: Darum schafft Borussia die Rettung
VON THOMAS GRULKE - zuletzt aktualisiert: 25.05.2011 - 13:34Die Eruption nach 92 Minuten und 15 Sekunden war gewaltig. Als der Ball wenige Augenblicke vor dem Ende zur Flipperkugel im Bochumer Strafraum mutierte und bei Igor de Camargo auf dem Spann des rechten Fußes landete, nahm Borussias erstes Relegationsspiel gegen den VfL Bochum noch ein gutes Ende.
Der späte 1:0-Siegtreffer im Borussia-Park brachte den Bundesligisten vor dem Rückspiel am Mittwoch (20.30 Uhr/Live-Ticker) in Führung. Und derzeit spricht viel dafür, dass Borussia diesen Vorteil in Bochum auch zur Rettung nutzt.
KONZENTRATION Unmittelbar nach dem Tor feierten Spieler wie Fans den Sieg in letzter Sekunde wie einen Titelgewinn. Beim Gang in die Kabine war bei den Profis davon schon nichts mehr zu spüren. „Ich kann die Euphorie verstehen, aber wir müssen konzentriert bleiben und in Bochum höllisch aufpassen“, sagte Mike Hanke. Die Gladbacher haben in den letzten Wochen gelernt, nach jedem gewonnenen Spiel gleich den Fokus wieder auf das nächste „Endspiel“ zu lenken. „Wir sind zufrieden, aber nicht erleichtert. Es war nur eine Etappe, nur ein Schritt“, sagte Trainer Lucien Favre.
Geldstrafe
Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat den Bundesligisten Borussia Mönchengladbach wegen unsportlichen Verhaltens in drei Fällen zu einer Geldstrafe von 8000 Euro verurteilt.
Am 15. April hatten Zuschauer kurz vor Beginn des Bundesligaspiels der Mönchengladbacher beim FSV Mainz im Gästeblock bengalische Feuer gezündet.Ebenso am 14. Mai während des Auswärtsspiels gegen den Hamburger SV. Im Meisterschaftsspiel bei Hannover 96 brannten Borussia-Fans am 30. April zudem eine Rauchbombe ab.
Der Verein hat dem Urteil zugestimmt, das Urteil ist damit rechtskräftig.
ABWEHRSTÄRKE In wenigen Monaten von der Schießbude zum Bollwerk: Auf Borussias Defensive ist derzeit Verlass. Unter Trainer Lucien Favre gab es in nun 13 Pflichtspielen nur neun Gegentreffer, in den letzten fünf Partien gar nur einen. Torwart Marc-André ter Stegen verblüfft mit seiner Souveränität, während die Viererkette immer mehr an Sicherheit gewinnt. Und
GEDULD In Hannover war es die 76. Minute, gegen Freiburg die 80., und nun fiel das 1:0 gar erst in der Nachspielzeit. Die Borussen erzielen ihre Siegtreffer spät. Neben der dafür nötigen Kraft hat die Mannschaft die Nervenstärke, um auf den richtigen Moment zu warten. Sie schlägt in der Schussphase den Ball nicht planlos nach vorne, sondern sucht die spielerische Lösung, ohne die Abwehr zu vernachlässigen. „Intelligent Fußball spielen“, nennt dies Favre.
Trainer Lucien Favre ist der Regisseur der Gladbacher Aufholjagd, die am Mittwoch erfolgreich enden soll. Die Ruhe und Souveränität des Schweizers an der Seitenlinie hat sich längst auf die Mannschaft übertragen. Zudem stellt der 53-Jährige das Team immer akribisch auf den Gegner ein, kann taktisch variieren. Sein Rezept für Mittwoch: „Wir versuchen immer, auswärts genauso zu spielen wie zu Hause. Aber wenn wir in Bochum verteidigen müssen, werden wir auch das tun.“
JOKER Besonders produktiv waren sie bislang nicht, die Einwechselspieler der Gladbacher. In der regulären Saison gab es nur ein Jokertor für Borussia – beim 3:3 daheim gegen die Bayern traf Igor de Camargo, der nun erneut vom Bankdrücker zum Torschützen wurde. Der Brasilianer mit belgischem Pass, der monatelang verletzt ausgefallen war, ist rechtzeitig zum Finale wieder da und eine wichtige Alternative im Angriff.
FANS Mike Hanke fand nur lobende Worte. „Das war unglaublich, das Beste, was ich seit langem erlebt habe“, bedankte sich der Borussen- Stürmer beim Publikum, das die Mannschaft am Donnerstag zum 1:0-Sieg gepeitscht hatte. Gerade, als das Angriffsspiel stockte, bewiesen die Fans ihr feines Gespür und standen wie eine Wand hinter dem Team. Auch in Bochum können sich die Profis dieser lautstarken Unterstützung sicher sein.
BILANZ Es gibt derzeit einige Serien, die für die Fohlen-Elf sprechen. In den letzten 13 Spielen hat Gladbach nur ein Mal zwei Gegentore kassiert, eine Niederlage mit zwei Toren Unterschied gab es in dieser Zeit überhaupt noch nicht. Dagegen hat Borussia in den letzten fünf Spielen immer mindestens ein Tor erzielt. Bleiben diese Serien auch am Mittwoch bestehen, kann nichts mehr schief gehen beim Unternehmen Klassenverbleib.
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