Borussia Mönchengladbach: "Das ist eine gute Basis"
zuletzt aktualisiert: 24.08.2011Borussia Mönchengladbach (RP). Borussias Sportdirektor Max Eberl über den Erfolg der Borussen, seine Bewertung der Tabellenführung, die Entwicklung des Teams, die Arbeit von Trainer Lucien Favre und den tatsächlichen Status quo der Mannschaft.
Borussia ist nach drei Spieltagen Tabellenführer. Wie werten Sie das?
Eberl Natürlich ist das für den Moment ein schöner Erfolg. Viel wichtiger sind aber die sieben Punkte, die wir geholt haben. Das ist eine gute Ausbeute bei dem schweren Auftaktprogramm. Es ist ein gelungener Start, auf den wir aufbauen können. Wir haben gezeigt, dass wir die positive Energie, die wir uns in der Rückrunde der vergangenen Saison erarbeitet haben, in die neue Runde mitgenommen haben. Da müssen wir jetzt weitermachen.
Trainer Lucien Favre erhebt jedes Spiel zu einem eigenen Projekt. Hilft das der Mannschaft, Woche für Woche voll konzentriert zu sein?
Pokalspiel ausverkauft
Pokal Borussias DFB-Pokalspiel in Heidenheim ist ausverkauft. Die Zweitrunden-Begegnung wird am 25. Oktober um 19 Uhr im Voith-Stadion des 1. FC angepfiffen.
Personal Martin Stranzl und Igor de Camargo trainieren wieder – aber nicht voll. Roman Neustädter hat eine Knieprellung.
Training Heute 10 und 16 Uhr.
Eberl Wir haben gezeigt, dass wir in jedem Spiel in der Lage sind, ein positives Ergebnis zu erzielen. Es hat sich als sinnvoll erwiesen, von Spiel zu Spiel zu denken. Man sagt ja, der Fußball sei ein Tagesgeschäft, das wird bestätigt. Unser Vorteil ist, dass wir eine eingespielte Mannschaft haben, die den Ansatz von Lucien Favre verinnerlicht hat.
Borussia hat in den vergangenen Monaten gegen alle Topteams der Liga gespielt und nicht verloren...
Eberl Wir haben in den vergangenen Jahren gegen die vermeintlich stärkeren Mannschaften immer gut ausgesehen. Wichtig wird nun sein, dass wir auch gegen Mannschaften wie den 1. FC Kaiserslautern, unseren nächsten Gegner im Borussia-Park, unsere Qualitäten zeigen. Da gilt es, Geduld zu haben und die Zweikämpfe zu gewinnen. Aber erst mal ist das Spiel bei Schalke 04, dem gilt der ganze Fokus. Wir wollen am Sonntag in der Arena eine gute Leistung bringen und möglichst etwas mitnehmen.
Auffällig ist, dass sich das Team auch im Vergleich zur Hinrunde der vergangenen Saison, als es gar nicht lief, kaum verändert hat. Macht ein Trainer so viel aus?
Eberl Wir betonen immer, wie wichtig die Teamarbeit ist. Das gilt auch für die Arbeit zwischen Trainer und Mannschaft. Lucien Favre hat ein Team vorgefunden, das in der Rückrunde schon angefangen hatte zu punkten. Zuvor wurden immer wieder kleine, aber entscheidende Fehler gemacht. Das hatte unsere Analyse der Hinrunde ergeben. Lucien hat genau da angesetzt und die Fehler weitestgehend abgestellt. So haben wir den Klassenerhalt geschafft. Nun soll Lucien das Team entwickeln, darum haben wir ihn und nicht einen reinen Feuerwehrmann geholt. Lucien ist ein wichtiger Baustein in unserem Konzept, er passt zu uns.
In der Hinrunde der vergangenen Saison fehlten einige wichtige Spieler, das wurde als einer der wesentlichen Gründe für den Misserfolg ausgemacht. Nun waren gegen Wolfsburg Martin Stranzl, Roel Brouwers und Igor de Camargo nicht dabei, es stand die dritte Innenverteidigung im dritten Ligaspiel auf dem Platz. Dennoch gab es keinen Bruch im Spiel. Wie ist das zu erklären?
Eberl Die Mannschaft hat sich weiterentwickelt. In den vergangenen Monaten haben wir eine Struktur und viel Qualität auf den Platz gebracht, die es den Spielern leichtmacht, die reinkommen. Die Grundordnung steht, es ist viel Selbstvertrauen im Team. Das ist die Grundlage, auf der wir jetzt Ausfälle besser kompensieren können.
Sie haben Raúl Bobadilla nach seiner Zeit in Griechenland zurückgeholt und ihm vertraut. Gegen Wolfsburg hat er ein tolles Spiel gemacht. Er mannschaftsdienlich gespielt, ein Tor geschossen und eines vorbereitet. Bestätigt Sie das?
Eberl Raúl hatte eine schwierige Phase. Er sollte in Griechenland nachdenken über das, was passiert ist. Das hat Raúl getan. Er hat gemerkt, dass man sich viel erarbeiten muss, wenn man in der Bundesliga spielen will, und dass nicht immer alles nach Wunsch läuft. Wir wissen, dass er großes Potenzial hat. Er hat ja schon gute Spiele gemacht, gegen Bremen oder in Köln. Aber er muss nachhaltiger spielen. Er hat nun offenbar gelernt, dass Fußball ein Teamsport ist, das konnte man gegen Wolfsburg, aber auch schon gegen Stuttgart sehen. Viele sagten ja, er habe das schlecht gespielt. Aber er hat viel Laufarbeit gemacht. Gegen Wolfsburg hat er dann auch seine Qualität als abgerufen. All das muss er nun bestätigen.
Wenn es gut läuft, wird der Trainer gefeiert, wenn es nicht läuft, hat der Sportdirektor falsch eingekauft. Ärgert Sie dieser branchentypische Mechanismus?
Eberl Es ist doch ein Stück weit ein Rollenspiel. Entscheidend ist, dass man in guten und schlechten Zeiten zusammensteht. Wir haben, glaube ich, in der Sommerpause die richtigen Schritte gemacht, um die Mannschaft voranzubringen. Unsere Transfers wurden stellenweise ja sehr kritisch gesehen, aber wir haben den Kader nach einer gewissen Logik zusammengestellt. Bisher funktioniert es gut. Mich freut, dass logische Entscheidungen Ergebnisse bringen und, dass wir mit einem guten Konzept Erfolg haben. Ich habe immer gesagt, dass Fußball bis zu einem gewissen Punkt planbar ist. Das zeigt sich nun.
Wo steht Borussia?
Eberl Wir haben sicherlich einen guten Schritt gemacht. Wir haben wichtige Spieler wie Dante, Reus und ter Stegen gehalten. Die neuen Spieler bringen weitere Qualität ins Team. Aber es ist erst der dritte Spieltag, da ist es unmöglich, eine echte Tendenz abzulesen. Doch wie gesagt: Wir haben die sieben Punkte, das ist eine gute Basis.
Karsten Kellermann sprach mit Sportdirektor Max Eberl
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