Borussia Mönchengladbach: Das Wett-Problem
VON O. E. SCHÜTZ - zuletzt aktualisiert: 01.09.2010 - 07:59Borussias Regionalliga-Mannschaft war indirekt Betroffene der angeblichen Wett-Mafia. Der Verein geht rigoros gegen jeden vor, der ihn in Gerüchte über Manipulationen bringen könnte. Das betrifft vor allem Jugendspiele.
Der junge Mann hat sich ganz normal eine Eintrittskarte gekauft, schlendert betont unauffällig in eine entfernte Ecke des Platzes im Borussia-Park. Doch die Ordner haben ihn längst im Blick. Als er sich ein Headset aufsetzt, den Stöpsel ins Ohr steckt und anfängt zu sprechen, sind sie ruckzuck da, bitten ihn höflich, aber bestimmt, das Gelände zu verlassen.
Es gibt keinen ernsthaften Widerspruch. Der zahlende Besucher geht. Und die Leute, die im fernen Asien in irgendwelchen Wettbüros auf seine Stimme warten, werden enttäuscht: Es gibt keine aktuellen Informationen aus dem Borussia-Park, sie müssen ihre Gelder auf den Spielausgang "ins Blaue" platzieren – oder es bleiben lassen.
Pokal am 27. Oktober
Pokal Borussias DFB-Pokalspiel gegen Bayer Leverkusen ist am Mittwoch, 27. Oktober, um 20.30 Uhr.
Training Heute ist um 9.30 und 16 Uhr Training im Borussia-Park.
"Was sollen wir machen?"
Die Szene, die sich vergangene Woche beim Spiel der B-Junioren-Bundesliga zwischen Mönchengladbach und der SG Wattenscheid abspielte, ist kein Einzelfall. "Wir schreiten immer wieder mal ein", sagt Borussias Pressesprecher Markus Aretz. Spätestens seit im November 2009 das Regionalligspiel der Gladbacher U23 gegen den SC Verl vom 31. Mai 2009 in Zusammenhang mit möglichen oder tatsächlichen Wettmanipulationen genannt wurde, sind die Borussen alarmiert. "Dabei wären wir selbst gewissermaßen die Betrogenen gewesen", sagt Sportdirektor Max Eberl.
Favorit Verl führte damals in Gladbach zur Halbzeit 3:0, ein Spieler der Gäste soll darauf eine SMS mit der Frage versandt haben "Was sollen wir machen?" Denn gewettet worden war, so der Vorwurf, auf eine Verler Niederlage. Tatsächlich glich Borussia nach der Pause zum 3:3 aus. Am Ende allerdings hatte Verl doch 4:3 gewonnen. Dumm gelaufen für die mutmaßlichen Betrüger.
Die Partie ist jetzt wieder in den Blickpunkt geraten, da die Staatsanwaltschaft Bochum vergangene Woche Anklage gegen zwei mutmaßliche Drahtzieher der so genannten Wett-Mafia wegen gewerbsmäßigen Betrugs in insgesamt 24 Fällen (zehn davon in Deutschland) erhoben hat; darunter soll auch das Verler Spiel in Gladbach sein. Einer der beiden Angeklagten ist der 55-jährige Tuna A. aus Mönchengladbach.
Die Besuche der so genannten Spotter bei Spielen der Nachwuchsteams Borussias haben mit dem "Wettskandal" wohl nichts zu tun. Abgesehen von Deutschland sind Ergebniswetten auf Sportveranstaltungen in Europa ja erlaubt und ein großes Geschäft; in Asien gibt es einen riesigen legalen Markt. Die "Spotter", angeblich meist asiatisch aussehende jungen Menschen, berichten gewissermaßen live nach Asien, wo während der laufenden Spiele Wetten auch auf Spiele der Junioren-Bundesligen platziert werden.
Das ist, wie gesagt, nicht verboten. Dennoch schreitet Borussia, rechtlich vielleicht etwas unklar, unter Berufung auf ihr Hausrecht ein, sobald sie einen "Spotter" ausmacht. "Wir wollen gar nicht erst in irgendwelche Gerüchte über angebliche Wettmanipulationen hineingezogen werden", sagt Markus Aretz. Ernsthaften Widerstand hat es gegen die Stadionverweise bisher nicht gegeben. "Notfalls bitten wir die Polizei, die Personalien der Personen zu notieren", sagt Aretz.
Übrigens: Borussias Profis haben in ihren Verträgen ein Sportwetten-verbot stehen, die Angestellten des Vereins und die anderen Spieler haben eine strikte Anweisung erhalten, sich nicht an Sportwetten zu beteiligen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum









