Borussia Mönchengladbach: De Camargo provoziert den Sieg
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 09.02.2012Borussia Mönchengladbach (RP). Nach einer vermeintlichen Tätlichkeit am Brasilianer bekam Borussia im Pokalspiel bei Hertha BSC Berlin (2:0) in der Verlängerung einen Elfmeter zugesprochen.
Die Szene war extrem strittig – doch sie sollte Gladbach auf die Siegerstraße führen.
Berlin Igor de Camargo ist ein Mann für die wichtigen Tore. Er hat das Rettungs-Tor in der Relegation in Bochum gemacht. Und die 1:0-Siege bei den Bayern und in Hamburg klar gemacht. Als es gestern nicht lief in Berlin, mag sich Borussias Trainer Lucien Favre daran erinnert haben. Er schickte den Brasilianer mit belgischem Pass auf den Rasen des kalten Olympiastadion, um den bis dahin total eingefrorenen Borussen-Angriff zu beleben.
Und das tat de Camargo – allerdings etwas anders, als es der Trainer wohl erwartet hatte. Mit einer Schauspieleinlage nach einem vermeintlichen Kopfstoß provozierte der Borussia-Stürmer einen Elfmeter – und eine Rote Karte für Gegenspieler Roman Hubnik. Am Ende sollte das Elfmetertor von Filip Daems den 2:0-Erfolg der Borussia eingeleitet haben. Und ob heldenhaft oder nicht – De Camargo war Mann des Spiels. Zumindest stand der Brasilianer im Mittelpunkt der Diskussionen.
So geht es weiter
Auslosung Das Halbfinale wird am Samstag im "Aktuellen Sportstudio" des ZDF ausgelost.
Termin Die Halbfinal-Spiele sind am 21. und 22. März.
Rückblick Borussia stand zuletzt 2001 und dann 2004 im Halbfinale des Pokals. 2001 schied sie bei Union Berlin aus, 2004 bei Alemannia Aachen.
"Oh mein Gott", entfuhr es Berlins Coach Michael Skibbe, nachdem er die Wiederholung der Szene im Fernsehen gezeigt bekam. "50 000 Menschen im Stadion haben gesehen, dass da nichts war, nur Felix Brych (der Schiedsrichter, d. Red.) hat das gepfiffen."
So weit wollten die Borussen verständlicherweise in ihrer Analyse nicht gehen. "Das war von Hubnik nicht intelligent", sagte Torhüter Marc-André ter Stegen über den Berliner Verteidiger, der reichlich ungestüm auf de Camargo zugestürmt kam. Und Elfmeterschütze Filip Daems sagte: "Wir haben die Situation halt angenommen. Da war natürlich etwas Glück dabei." Verteidiger Dante fühlte sich in der Szene sogar an die Vergangenheit erinnert. "Ich habe sofort an St. Pauli gedacht", entfuhr es dem Brasilianer. "Damals hat Igor Rot bekommen, jetzt sein Gegenspieler. So ist Fußball."
Das Gladbacher Fußball-Ensemble war sich bei aller Euphorie über den Halbfinaleinzug durchaus der Tatsache bewusst, mit einem blauen Auge aus dem eiskalten Olympiastadion davongekommen zu sein. "Wir haben kein gutes Spiel gemacht", sagte Mike Hanke. "Hertha war in der ersten Halbzeit besser", sagte Trainer Lucien Favre. "Aber der Sieg war nicht unverdient. Wir hätten schon vor dem 1:0 einen Elfmeter bekommen können."
Doch bis zur 70. Minute hatten die Borussen fast nichts zuwege gebracht im Spiel nach vorn. Die erste Chance hatte erst Igor de Camargo rund zwölf Minuten vor Schluss. Seine Einwechslung hatte das Gladbacher Spiel schon vor der Elfmeter-Entscheidung deutlich belebt. Borussia versuchte mehr, spielte auch mehr nach vorne.
Deshalb war der Treffer durch Daems, dem am Ende noch das 0:2 durch Wendt folgte, durchaus nicht unverdient. Doch die Art und Weise, wie er zustande kam, war nicht eines Pokal-Viertelfinals würdig. Der Mann, der für die Entscheidung gesorgt hatte, war nach dem Spiel abgetaucht. Igor de Camargo war in die Kabinen entschwunden. Zur entscheidenden Szene wollte er nichts mehr sagen. Verständlich.
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