Borussia Mönchengladbach: De Camargos Pech – Bobadillas Chance
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 12.10.2011Borussia Mönchengladbach (RP). Der Fußball ist zuweilen ungerecht. Aber er ist wie er ist. "Das ist das Risiko bei den Länderspielreisen, da kann immer etwas passieren. Es ist schade, dass Igor de Camargo schon wieder verletzt ist, aber es ist nicht zu ändern", sagt Borussias Sportdirektor Max Eberl.
De Camargos Pech – der Stürmer fällt wegen eines Teilabrisses des Innenbandes im linken Knie, den er sich im Training des belgischen Nationalteams zuzog, wochenlang aus – ist die große Chance für seine Konkurrenten.
Zuvorderst wohl für Raúl Bobadilla, der de Camargo zuletzt schon vertrat, als dieser eine Wirbelverletzung im Rücken hatte. Bobadilla ist am Samstag gegen Bayer Leverkusen wohl die erste Option für den vakanten Platz im Zweiersturm neben Mike Hanke. Nach de Camargos Rückkehr war Bobadilla wieder zweite Wahl. Allerdings machte er nach seinen Einwechslungen ordentlich Betrieb.
Nur eines geht dem bulligen Argentinier ab: Die Sicherheit vor dem Tor. Gegen Kaiserslautern und Nürnberg rannte er allein auf das Ziel zu, jeweils verpasste er das Hochgefühl des Torerfolgs. Jenseits der verpassten Chancen jedoch fiel Bobadilla durch großen Einsatz und viel Teamarbeit auf. So war es auch im Testspiel gegen den belgischen Erstligisten KAA Gent. "Boba" war fleißig und bereitete ein Tor vor. "Er hängt sich immer voll rein, im Training und im Spiel", lobt Verteidiger Dante.
Bobadilla habe sich gut entwickelt, sagt Trainer Lucien Favre über den Stürmer, der durch einige Disziplinlosigkeiten in der vergangenen Saison viel Kredit verspielt hatte und zum Nachdenken ins Exil nach Griechenland geschickt wurde. "Ich habe viel nachgedacht, ich weiß, worum es geht", sagt Bobadilla. Wer bei seinem Kollegen nachfragt, hört heraus, dass es ein anderer Bobadilla ist, der aus Griechenland zurückgekommen ist. Auch die Fans geben ihm viel Zuneigung, sie rufen oft seinen Namen im Stadion. "Das tut gut", gesteht "Boba".
Favre jedoch legt sich schon traditionell nicht vorzeitig fest, wenn es um Personalien geht. Für den akribischen Schweizer ist es schon ärgerlich genug, dass mit de Camargo der Stürmer mit dem wohl ausgeprägtesten Torinstinkt ausfällt. "Igor hat viel Pech. Immerhin muss er nicht operiert werden", sagte Favre.
Er weiß jedoch, dass er Alternativen im Kader hat. Bobadilla, ja, und auch Joshua King, den sich Borussia von Manchester United geliehen hat. King, der schon einen Mini-Einsatz gegen Wolfsburg hatte, hat seine Rückenprobleme überwunden und trainiert wieder. "Er hat Power, ist sehr beweglich und macht langsam Druck", sagte Favre zuletzt. Ob es aber schon für die Startelf reicht, bleibt abzuwarten.
Eine andere Variante ist immer, Marco Reus vom rechten Flügel in die Spitze zu beordern. Patrick Herrmann wäre dann eine Alternative, eher wohl als Yuki Otsu, der gegen Gent stark nach vorn war, aber defensive Schwächen offenbarte.
Wägt man alle Alternativen ab, spricht viel für Bobadilla. "Es ist zu früh, dazu etwas zu sagen", wollte sich Favre gestern aber partout nicht festlegen lassen.
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