Borussia Mönchengladbach: Der Hurrikan ist angekommen
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 31.08.201029 Spiele war Juan Arango ohne Tor. Nun zeigte er bei Borussias 6:3 in Leverkusen seine Spezialität: Er verwandelte einen Freistoß direkt. Nicht nur das Tor spricht dafür, dass sich der Venezolaner nun in Gladbach akklimatisiert hat.
Als er gezeigt hatte, warum ihn die Menschen in Venezuela "Hurrikan der Karibik" nennen, suchte Juan Arango die Nähe der Fans. Mit seinem linken Fuß, den Borussias Trainer Michael Frontzeck als "Waffe" bezeichnet, zwirbelte Arango bei Borussias furiosem 6:3-Sieg in Leverkusen einen Freistoß derart genau zum 4:1 in den Winkel, das Nationaltorhüter René Adler nichts blieb als schieres Staunen. 29 Spiele waren ohne Arango-Tor vergangen, wohl auch deshalb war er für seine Verhältnisse außer sich. Er rannte los, rutschte vor dem Borussenblock über den Rasen und lachte ausgelassen, bevor ihn die Mitspieler unter sich begruben: ein vulkanischer Gefühlsausbruch für einen, der sonst sehr verschlossen ist.
Borussias Ratzfatz-Fußball
"Ich glaube, das Tor war sehr wichtig für Juan", sagt Frontzeck. Bislang war die Schusskunst des Südamerikaners eine Phantomthese, versteckt als Werbefilm bei YouTube, vorgeführt hatte er seine Spezialdisziplin, den direkt verwandelten Freistoß, nur beim Testspiel in Venlo. Nun aber ist Arango angekommen in der Bundesliga, und "ich hätte nichts dagegen, wenn die gegnerischen Torhüter sich nicht wohl fühlen, wenn Juan beim Freistoß am Ball steht", sagt Frontzeck. Nicht nur Borussia hat sich mit dem Ratzfatz-Fußball in Leverkusen, wo sie, indes recht ungehindert, fröhlich konterte, Respekt verschafft, sondern auch Juan Arango.
Der Feintechniker traf nicht nur, sondern bereitete auch einen Treffer vor, zudem fiel er durch Laufarbeit und einige Defensivkopfbälle auf. Sein Zweikampfverhalten ist deutlich aktiver als in der vergangenen Saison. In dieser monierten nicht wenige das phlegmatische Auftreten des Künstlers, seine wenig emotionale Körpersprache irritierte die Beobachter. Frontzeck indes war stets überzeugt vom 3,5-Millionen-Einkauf der Vorsaison. "Aus meiner Sicht hat Juan auch in der letzten Saison gut gespielt. Er war an 75 Prozent unserer Tore beteiligt. Jetzt hat er zum ersten Mal eine Vorbereitung mit viel körperlicher Arbeit mitgemacht. Juan ist körperlich in einem sehr guten Zustand", sagt der Trainer.
Frontzeck hat mit seinem Star lange gesprochen über den Sinn der harten Arbeit. "Fußballerisch kann ich ihm nichts mehr beibringen. Seine Kreativität ist wichtig für das Team. Aber im mannschaftstaktischen Bereich sind noch ein paar Prozent drin", weiß der 46-Jährige. Arango muss auch defensiv denken, das bringt im Gladbacher 4-4-2-System der Job auf der linken Außenbahn mit sich. Arango nimmt seine Rolle spürbarer an als in der Vorsaison. "Marco Reus und Juan sind in Leverkusen sehr gut eingerückt, sie haben damit unsere Sechser entlastet und geholfen, die Räume eng zu machen", sagt Frontzeck.
Beim 1:1 gegen Nürnberg war Frontzeck mit dem Defensivverhalten seiner Außenbahnspieler nicht so zufrieden gewesen, "wir haben das dann trainiert. In Leverkusen hat Juan wie alle anderen eine richtige Schippe draufgelegt", sagt Frontzeck. Ein Hans-Peter Briegel, der in den 80er Jahren die Linie rauf und runter rannte, werde Arango nie werden, "aber er ist ein wichtiger Teil unserer Mannschaft", versichert Frontzeck.
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