Borussia: Der "Iceman" hat alles im Griff
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 09.05.2008Patrick Paauwe kam zu Borussia, um aufzusteigen. Das hat der Niederländer geschafft, seit dem 3:0 gegen Wehen ist die Rückkehr in die Bundesliga sicher. Nun will er "ein paar Jahre" im deutschen Oberhaus spielen.
Der neuerdings kahl rasierte Schädel, der lässige Dreitage-Bart und dazu die riesige Fliegersonnenbrille – selbst die coolsten Hollywood-Helden wären vor Neid erblasst, hätten sie gestern Borussias Mittelfeld-Chef Patrick Paauwe gesehen. "Iceman" nennen ihn seine Kameraden passenderweise. Ohne viel Aufhebens dirigiert er das Spiel seiner Mannschaft von hinten heraus und zerstört zugleich das Spiel des Gegners. So war es auch gegen den SV Wehen Wiesbaden, den Borussia 3:0 besiegte und so ihren Aufstieg in die Bundesliga perfekt machte.
"Wollte ein großes Fest feiern"
"Ich bin hierher gekommen, um aufzusteigen und ein großes Fest zu feiern", sagte Paauwe nach dem Spiel. Teil eins der Feierlichkeit gab es am Mittwoch, die ausgeweitete Variante folgt am Sonntag nach dem vorletzten Zweitligaspiel für mindestens eine Saison. Geht es nach Paauwe, sind es "viele Jahre". Und einige davon will er noch mitmachen. Sein Vertrag läuft bis 2010.
Heute kein Training
Training Heute haben die Borussen frei. Samstag um 17 Uhr ist das Abschlusstraining für das Spiel gegen Freiburg am Sonntag (14 Uhr, Borussia-Park).
Internet Berichte und Bilder vom Aufstieg Borussias und der Feier der Mannschaft gibt es im im Internet unter
In der Abstiegs-Saison war es vor allem einer wie der Niederländer, der Borussia fehlte. Ein echter Chef, der führt, lenkt, der organisiert und inspiriert – einer, der alle im Griff hat. Bernd Thijs, der rothaarige Belgier, sollte so einer sein. Dick Advocaat hatte ihn als "Sechser" vor der Abwehr geholt, damals im Kaufrausch-Winter 2005. Doch Thijs rief kaum einmal sein Vermögen ab, er wollte kein Chef sein.
Paauwe hat kein Problem mit der Führungsrolle. "Darum wurde ich geholt", sagt er. Aus Frankreich, vom AFC Valenciennes, wo er nach viele Jahren bei Feyenoord Rotterdam ein wenig gestrandet war. Dann kam die Anfrage aus Gladbach. Die Zweite deutsche Liga – nicht eben ein Schmankerl für einen, der schon in der Champions League spielte.
Doch es war kein Hinderungsgrund für den 32-Jährigen, er sah es als eine Chance. "Borussia wollte aufsteigen, ich auch. Ich freue mich auf die Bundesliga", sagte Paauwe nach dem ungefährdeten Sieg gegen Wehen, bei dem mal wieder andere im Zentrum des öffentlichen Interesses standen.
Einer wie Paauwe fällt eher auf, wenn er mal nicht dabei ist. Dann gerät das Spiel in eine Schieflage. Das passierte selbst, als Paauwe, der mit Rotterdam 2002 den Uefa-Pokal gewann, zu Beginn der Rückrunde schwächelte. "Ja, es gab schwierige Zeiten. In den ersten Spielen im Sommer und dann auch in den ersten Spielen nach der Winterpause. Aber wir sind ein gutes Team und haben das wieder hingekriegt. Jetzt sind wir verdient aufgestiegen", sagt Paauwe.
Der Erfolg, an dem er maßgeblichen Anteil hat, kostete ihn (zeitweise) seine Haare. Und während andere bei der Spontan-Party des Teams mehr oder weniger rhythmisch abrockten, legte Paauwe einen sauberen Disco-Fox hin. Der "Iceman" ist eben nicht nur auf dem Platz cool.
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