Borussia Mönchengladbach: Der Millionen-Joker
VON KARSTEN KELLERMANN UND ANDRÉ SCHAHIDI - zuletzt aktualisiert: 21.05.2011Igor de Camargo fehlte Borussia über viele Wochen und Monate. Doch durch seinen Treffer gegen Bochum hat der Stürmer seinen Verein dem Klassenerhalt ein gutes Stück näher gebracht.
Lucien Favre war ehrlich. Ein bisschen hatte sich Borussias Trainer schon mit dem 0:0 gegen den VfL Bochum abgefunden. "Wir mussten schon damit leben", sagte der Schweizer. Doch die Hoffnung war noch da. Sie wurde erfüllt. Es war 22.22 Uhr am späten Donnerstagabend, als im Gladbacher Fußballstadion ein Orkan der Freude losbrach.
Erst hatte der starke Andreas Luthe einen Kopfball von Igor de Camargo großartig gehalten. Doch der Ball kam auf Umwegen zurück zu dem Brasilianer mit belgischem Pass – und mit einer Hacken-Direktabnahme beförderte er den Ball bei Spielminute 92:16 zum 1:0 ins Tor. Ein Geniestreich.
Igor de Camargo
Vollständiger Name Igor Albert Rinck de Camargo
Geboren am 12. Mai 1983 in Porto Feliz, Brasilien
Staatsangehörigkeit Belgisch, Brasilianisch
Vereine KRC Genk, KVV Heusden-Zolder, FC Brüssel, Standard Lüttich, Borussia Mönchengladbach
Länderspiele Vier für Belgien, kein Treffe
Ausgerechnet de Camargo
Relegationsspiele sind Endspiele, und in Endspielen werden Helden geboren. De Camargo ist nun Gladbachs Liebling. Ausgerechnet de Camargo, mag man sagen, der nun wirklich keine Saison hinter sich hat, die für ihn gut gelaufen ist. Gleich zu Beginn verletzte er sich, fiel fast vier Monate aus, er kam zurück, spielte, war später drei Begegnungen rotgesperrt und dann verletzt.
Erst vor dem letzten Bundesligaspiel beim Hamburger SV war der 28-Jährige wieder bereit. Als Joker nur. "Aber Igor ist ein wichtiger Spieler für uns, er macht wichtige Tore", sagte Lucien Favre, der den Stürmer gegen Bochum in der 67. Minute für den erneut schwachen Mo Idrissou aufs Feld schickte. In der dritten Minute der Nachspielzeit adelte de Camargo Favres Entscheidung als Glücksgriff.
19 Einsätze absolvierte der Mann, für den Borussia vier Millionen Euro an Standard Lüttich überwies. Am Donnerstag zahlte er einen Teil dieses Betrags mit seinem Treffer zurück. Zuvor hatte de Camargo bereits sieben Tore erzielt, obwohl er nur 15 Mal von Beginn an spielte. Eine gute Quote. Doch den wichtigsten Treffer, den hob sich der 28-Jährige auf. Er bescherte Borussia ein Ergebnis, das zwar keine Garantie für die Rettung, aber eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel ist. Wenn Gladbach in Bochum ein Tor erzielt, muss Bochum mindestens dreimal treffen – eine schwere Aufgabe, wie auch VfL-Trainer Friedhelm Funkel klarstellte.
De Camargo, der Langzeit-Verletzte, könnte am Ende zu Gladbachs Millionen-Joker werden. Dafür trotzt er den Schmerzen, die er noch immer im Knie hat. "Das ist jetzt egal, es ist unsere letzte Chance, da muss jeder alles geben", sagt er. Gut möglich, dass de Camargo das schon am Mittwoch im Rückspiel einlösen muss. Denn Mo Idrissou kämpfte gegen Bochum erneut mehr mit sich selbst und seinen technischen Unzulänglichkeiten als mit den Gegner.
Und wenn Marco Reus mit seinem Muskelfaserriss tatsächlich ausfallen sollte, wäre de Camargo sowieso eine logische Alternative. Für ihn wäre es die große Chance, sich in Gladbach unsterblich zu machen.
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