Mönchengladbach: Der "Terrier" wird heute 65
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 30.12.2011Mönchengladbach (RP). Berti Vogts hat mit Borussia Meistertitel und Pokale gesammelt. Als Bundestrainer wurde er Europameister, heute coacht er die Auswahl Aserbaidschans. Doch der Büttgener hat seine Heimat nie vergessen: "Borussia hat mir alles gegeben, was ich bin und habe."
Es war der 20. März des Jahres 1979, als die Rheinische Post das Ende einer großen Fußballerlaufbahn ausrief: "Sein komplizierter Knöchel- und Wadenbeinbruch war das Ende seiner Karriere." Berti Vogts hatte sich im Pokalspiel gegen den Wuppertaler SV diese haarsträubende Verletzung zugezogen.
Gerade erst hatte er sich im neuen Look präsentiert, mit einem feschen Schnauzbart, und nun zeigte ihn ein Foto, wie er vor Schmerz schreiend auf dem Rasen des kleinen Stadions des Rheydter SV lag, wohin die Borussen ausgewichen waren für das Pokalspiel. "Jetzt geht Borussia schweren Zeiten entgegen", befürchtete die RP. Vogts' Fuß hatte einen Totalschaden erlitten – und fast wäre das auch den Borussen so ergangen in dieser Spielzeit. Die Gladbacher stürzten ab und wurschtelten in Abwesenheit ihres Kapitäns im Abstiegskampf herum.
Vogts, der heute seinen 65. Geburtstag feiert, wurde in jenen Monaten zum öffentlichen Patienten, allein die Erwähnung seines Namens gab Hoffnung in düsteren Zeiten. Tatsächlich kehrte der ewige Kämpfer zurück und wurde zum Retter des Vereins, für den er von 1965 bis 1979 spielte. "Wenn Borussia mich braucht, bin ich bereit", sagte er. Vogts spielte nach monatelanger Pause wieder. Und es ging bergauf.
Der Abstieg war nach einem 3:1 in Kaiserslautern kein Thema mehr, vier Tage später gewann Borussia durch ein 1:0 im zweiten Finale gegen Roter Stern Belgrad den Uefa-Cup. Danach sagte Vogts seinen legendären Satz: "Schaut euch den Pokal genau an, es wird der letzte sein, den Borussia für lange Zeit gewinnt." Er sollte Recht behalten – mit dem Abschied von Vogts ging die herrliche Zeit der Borussen zu Ende.
Am 2. Juni 1979 machte der gebürtige Büttgener, der auch als Nationaltrainer von Aserbaidschan seine Basis in Kleinenbroich hat, sein 419. und letztes Spiel für Borussia. Mit dem Beweis (wenn es diesen bedurft hätte), wie wichtig Hans-Hubert Vogts für Borussia war, endete eine wahrhaftig große Karriere. Es war eine, die nicht abzusehen war. Denn als Hennes Weisweiler Vogts 1965 aus Büttgen holte, traute dem schmächtigen, technisch limitierten Verteidiger kaum jemand wirklich viel zu. Weisweiler jedoch hatte das Gespür für die tatsächlichen Talente des blonden Burschen und wurde für Vogts eine Art Vaterfigur.
Der "Terrier", wie Vogts angesichts seiner Spielweise gerufen wurde, gewann, was es zu gewinnen gab: Fünfmal wurde er Meister mit Gladbach, holte zweimal den Uefa-Cup und ein Mal den DFB-Pokal, er machte 96 Länderspiele, war DFB-Kapitän, wurde 1972 Europameister (hat jedoch wegen einer Verletzung nicht gespielt) und 1974 Weltmeister. Zweimal war er Fußballer des Jahres. Als Trainer gewann er 1996 den kontinentalen Titel, es ist bis heute der letzte, den ein DFB-Ensemble bejubeln durfte.
Vogts versuchte sich als Entertainer, als er einen Song mit Ilja Richter aufnahm, er war Schauspieler (Nonstop Nonsens, Tatort), gehörte zum Kirchenvorstand der St.-Dionysius-Gemeinde in Kleinenbroich und wurde in zwei Songs besungen – von Norbert und den Feiglingen und vor der WM 1994 sogar von Stefan Raab. Vor allem aber ist Berti Vogts ein Fußballmensch. Er liebt seine Borussia. "Sie ist mein sportliches Zuhause. Der Verein hat mir alles gegeben, was ich bin und habe", sagt Vogts, der den Klub aber auch sehr kritisch verfolgt.
Als er noch Spieler war, war er oft auch Schlichter. Wenn es zwischen Weisweiler und seinem Star Günter Netzer mal wieder krachte, vermittelte Vogts. Nicht nur als Sportler, sondern auch als Diplomat hat der gelernte Werkzeugmacher also zu Borussias Erfolgsgeschichte in den 70ern beigetragen. Seinen 65. Geburtstag feiert Berti Vogts mit seinem Sohn Justin "und ein paar Freunden" in Dubai. Und zwar ganz in Ruhe.
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