Borussia Mönchengladbach: Die Kunst des Umschaltens
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 09.12.2011Borussia Mönchengladbach (RP). Nach den Festwochen mit drei Klassikern reisen die Borussen zum Tabellenletzten FC Augsburg. Für Hans Meyer ist das ein "neuer psychologischer Test". Das "Von-Spiel-zu-Spiel-denken" sorgt für die nötige Konzentration.
Es waren drei Festwochen für Borussia. Erst kam Werder Bremen, dann ging es zum 1. FC Köln, dann durfte sie sich mit Meister Dortmund messen. Drei Klassiker am Stück, die insgesamt sieben Punkte einbrachten. Da scheint es nun ein krasser Schnitt zu sein, wenn es zum FC Augsburg geht. Die Bundesliga-Akte des Neulings ist noch recht leer, die einzigen Treffen beider Klubs gab es in der Zweiten Liga, zweimal siegte Gladbach (4:2 und 2:0). Da es zudem das Treffen des Tabellenletzten mit dem Dritten ist, "sind wir der logische Favorit", sagt Trainer Lucien Favre.
Die Stärken des Gegners gesehen
Doch Favre wäre nicht Favre, wenn er dies einfach so stehenlassen würde. Das "logisch" schränkt er sogleich ein und verweist darauf, dass er beim Videostudium des morgigen Gegners reichlich Stärken der Mannschaft des früheren Galdbach-Trainers Jos Luhukay ausgemacht hat. Favre und Luhukay sind sich begegnet, als der Schweizer noch in Berlin und der Niederländer noch im Borussia-Park angestellt war. "Wir haben uns aber nur fünf Minuten unterhalten", erinnert sich Favre.
Vier Auswärtssiege
Bilanz: Borussia hat schon viermal auswärts gewonnen: in München (1:0), in Hamburg (1:0), in Berlin (2:1) und in Köln (3:0). Borussia ist das Team mit den wenigsten Gegentoren in der Fremde (4).
Voll: Das Stadion in Augsburg ist mit 30 660 Zuschauern ausverkauft. Es werden rund 4000 Borussen da sein.
Dass die Seinen nach den Höhepunkten der vergangenen Wochen an den Alltag in Augsburg mit gemäßigter Motivation herangehen, fürchtet der Trainer nicht. "Die Motivation ist total, die Spieler sind realistisch", sagt Favre. Er hat den Profis nicht nur auf dem Rasen die Kunst des schnellen Umschaltens beigebracht, sondern auch mental. "Es geht doch nicht um Namen. Wir haben jetzt noch drei Topspiele", sagt Vize-Präsident Rainer Bonhof und verweist erneut auf den Ansatz, von "Spiel zu Spiel" zu denken.
Das macht jeden Gegner gleich, jedes Spiel wird als Herausforderung definiert. Bonhof hat festgestellt, dass diese Denkweise "in den Köpfen der Spieler implantiert ist". Das Umschalten, das Abhaken des einen Spiels und das Konzentrieren auf das nächste sei wichtig, sagt Bonhof. "Jedes Bundesligaspiel ist wichtig, ob gegen den Ersten oder den Letzten. Wer eine Relegation gespielt hat, mit diesem Druck, der lässt sich nicht blenden. Wir wollen ein gutes Spiel machen und gewinnen", bestätigt Verteidiger Tony Jantschke Bonhofs These.
Die Gladbacher lassen sich nicht aus der Ruhe bringen, nicht von Rückschlägen, aber auch nicht von Erfolgen. "Im Grunde warte ich darauf, dass die Jungs mal mit einer Situation nicht klarkommen. Man konnte nach dem 5:0 gegen Bremen damit rechnen. Wenn man dann nach Köln fährt, macht man sich als Trainer schon Gedanken, wie die Mannschaft damit klarkommt. Und sie ist in beeindruckender Weise damit klargekommen", sagt Hans Meyer, wie Bonhof Vize-Präsident.
Für Meyer ist das Spiel in Augsburg "ein neuer psychologischer Test". Bislang hat es immer gestimmt in den Köpfen der Spieler. "Fakt ist, dass die Mannschaft schon zwei, drei komplizierte Situationen gelöst hat und die 30 Punkte nicht unverdient gesammelt hat", sagt Meyer.
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