Borussia Mönchengladbach: Die Neuen müssen warten
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 28.09.2011Borussia Mönchengladbach (RP). Oscar Wendt galt als Borussias "Königstransfer". Er ist Nationalspieler, hat Champions-League-Erfahrung, war Stammspieler in Kopenhagen. Er ist noch ohne Einsatz. Auch die anderen Zugänge spielten kaum oder gar nicht.
Oscar Wendts Gefühlslage ist zwiespältig. Als Teamspieler ist er sehr zufrieden mit dem, was bei Borussia passiert. Er selbst jedoch durfte bislang noch nichts dazu beitragen. Der Zugang, der vom FC Kopenhagen kam, hat noch keine Sekunde in der Bundesliga gespielt. "Es ist alles gut", sagt Wendt, "nur nicht, dass ich nicht spiele."
Dabei hatten viele gedacht, dass der strohblonde Schwede zu Borussias Stammteam gehören würde. Schließlich ist er Nationalspieler, hat mit Kopenhagen in der europäischen Meisterliga gespielt und ist mit seinen 25 Jahren der älteste aller neuen Borussen in dieser Saison. Wendt galt als "Königstransfer". Der Grund für Wendts Problem kommt aus Belgien, ist 32 Jahre alt und derzeit in richtig guter Form: "Filip Daems ist einfach sehr stark", sagt Trainer Lucien Favre.
Wendt sitzt im leeren VIP-Bereich des Borussia-Parks und nickt. Ja, der Kollege Linksverteidiger mache es wirklich richtig gut, zudem habe Borussia 16 Punkte gesammelt –"da gibt es keinen Grund für einen Wechsel", sagt Wendt. Was bleibt, ist: "Ich muss hart arbeiten, mich im Training anbieten", sagt er. Dass er zunächst Bankangestellter sein könnte, das hatte er einkalkuliert. "Ich bin nicht mit übertriebenen Ansprüchen hierher gekommen, aber voller Hoffnung", sagt er. "Und dafür muss ich nun extra was tun."
"Ich habe keinen vergessen"
Wendt akzeptiert sein Schicksal, das er im Übrigen mit den anderen Neulingen teilt, denn Favre baut derzeit auf ein eingespieltes Ensemble. Mathew Leckie und Joshua King durften immerhin schon aktiv teilnehmen am Höhenflug, wenn auch nur als Teilzeitarbeiter; Matthias Zimmermann und Yuki Otsu waren bis jetzt nur in der U23 am Ball.
"Sie alle brauchen aus verschiedenen Gründen noch etwas Zeit. Sie kommen langsam und ich bin froh, wenn ich bald auf so viele Spieler wie möglich bauen kann", sagt Favre. Auch die Eigengewächse Julian Korb und Amin Younes hat der Schweizer im Blick. "Ich habe keinen vergessen", sagt Favre.
Das hat er den Spielern auch persönlich gesagt. "Der Trainer hat mit mir über die Situation gesprochen", berichtet Wendt. Er hat mit seiner Frau Sandra ein Eigenheim in Krefeld gefunden, "wir fühlen uns da sehr wohl", sagt Wendt . 28 Kilometer sind es bis zum Arbeitsplatz. "Auch wenn ich nicht spiele: Ich weiß, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe, nach Gladbach zu kommen", sagt Wendt.
Dass er in Konkurrenz stehen würde zu Daems, war ihm klar. Der Kapitän indes macht seit Monaten einen ausgezeichneten Eindruck und ist als umsichtiger Defensivmann sowie als sicherer Elfmeterschütze ein wesentlicher Baustein des Favreschen Konzepts. "Konkurrenzkampf macht jeden Spieler besser", sagt Wendt. Dass er sich inzwischen die Champions-League-Spiele nur noch im Fernsehen ansehen kann, wie gestern Abend, statt selbst gegen die großen Stars zu spielen, "ist kein Problem".
Es seien schöne Spiele gewesen, ja, aber "in der Bundesliga ist jedes Spiel wie in der Champions League". Wendt weiß, dass es im Fußball sehr schnell gehen kann. Eine kleine Verletzung, eine Sperre – und schon ist die Chance da. "Dann muss ich bereit sein", sagt Wendt. Bis 2014 läuft sein Vertrag, und er ist sich sicher, dass er, wenn seine Zeit in Gladbach "irgendwann" vorbei ist, mit einem guten Gefühl zurückschauen wird.
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