Borussia Mönchengladbach: "Die Stadt lebt durch Borussia"
zuletzt aktualisiert: 23.05.2011Hermann Jansen (79), Borussias Aufsichtsratsvorsitzender, über die Bestrebungen der Oppositionsgruppe um Stefan Effenberg, den sportlichen Saisonverlauf und Präsident Rolf Königs und Sportdirektor Max Eberl
Das Wichtigste zuerst: Schafft Borussia den Klassenerhalt?
Hermann Jansen Davon bin ich zutiefst überzeugt.
Was macht Sie so zuversichtlich?
Jansen Die Trainer, die wir bislang hatten, waren charakterlich alle gut. Aber Lucien Favre hat etwas Besonderes. Er hat eine Art, mit der er die Spieler erreicht. Das schafft nicht jeder. Außerdem glaube ich, dass die Bochumer nach dem späten Tor nun verunsichert sind.
Verunsichert hätten aber auch die Borussen sein können, angesichts aller "politischen Nebengeräusche" um die Initiative Borussia.
Jansen Wenn diese Leute wirklich an den Verein dächten, würden sie da nicht mitmachen. Das geht nur, wenn diese Menschen nur an sich selbst denken.
Jansen und Reus
Hermann Jansen
Geboren am 28. Oktober 1931 in Rheydt.
Landtagsabgeordner in NRW
Der Aufsichtsrat Hermann Jansen (Vorsitzender), Stefan Krebs, Norbert Bocks, Karl-TheodorHerfs, Reiner Körfer, Dirk W. Rosenbaum, Gunter Konrad.
Das Interview führten Karsten Kellermann und André Schahidi
Reus fraglich Borussias Star nahm nicht am Training teil, wurde weiter behandelt. "Vielleicht kann ich morgen schon etwas mehr machen", sagte er gestern.
Training heute, 10 Uhr
Woraus schließen Sie das?
Jansen Es geht denen doch gar nicht um den Verein. Wir, Vorstand und Aufsichtsrat, sind ehrenamtlich tätig. Nun geht es aber darum, gut bezahlte Posten für einzelne Personen zu schaffen. In der Wirtschaft nennt man das eine "feindliche Übernahme" – da geht es um einen grundlegenden Philosophiewechsel, der meistens zu einem Identitätsverlust führt.
Wie beurteilen Sie das Verhalten der handelnden Personen?
Jansen Ich bin teilweise persönlich enttäuscht. Einige der Personen kenne ich schon seit Ewigkeiten. Dann erfährt man plötzlich aus der Zeitung, dass diese Leute bei der Initiative mitmachen. Dabei geht es doch um so viel mehr als um Posten.
Zum Beispiel?
Jansen Diese Stadt lebt durch Borussia. Und die Stadt steht, das sehen Sie doch aktuell, hinter Borussia. Diese Menschen sollen aufhören, Politik zu betreiben, sondern mitarbeiten. Durch die Handlungsweise der Beteiligten kann ich mir das jedoch nicht mehr vorstellen. Doch ich würde niemals nie sagen.
Wirklich nicht?
Jansen Wissen Sie, in meinem Alter lernt man, zu relativieren. Diejenigen, die vielleicht doch noch "sehend" werden, muss man mitnehmen. Allerdings müssten sie zeigen, dass sie wirklich Borussen sind.
Die Vorwürfe wiegen schwer. So wird dem Aufsichtsrat vorgeworfen, nur Erfüllungsgehilfen für Präsident Rolf Königs zu sein.
Jansen Wir sehen uns selbst als verlängerte Werkbank des Präsidiums. Und machen in dieser Form gemeinsame Arbeit. Personalentscheidungen trifft jedoch das Präsidium, nicht wir.
Hätte der Aufsichtsrat Michael Frontzeck denn früher entlassen?
Jansen Nein. Wie im richtigen Leben gab es natürlich auch in unserem Gremium eine lebhafte Diskussion. Am Ende standen wir aber zu der Entscheidung von Präsidium und Sportdirektor.
Eine Entscheidung, die vor allem Sportdirektor Max Eberl oft zum Vorwurf gemacht wird.
Jansen Ist Eberl ein Medizinmann?
Bitte?
Jansen Vor der Saison war doch jeder davon überzeugt, dass wir einen einstelligen Tabellenplatz erreichen würden. Doch dieses Verletzungspech konnte niemand vorhersehen. Auch Eberl nicht. Aber er alleine kann die Spieler doch nicht wieder reparieren.
Aber er steht für die Verpflichtungen.
Jansen Der Junge leistet eine gute Arbeit. Wenn ich sehe, wen er verpflichtet hat, weiß ich, da steckt Können hinter. Natürlich ist er noch ein junger Mann, und natürlich wird er aus jeder Erfahrung seine Lehren ziehen. Aber es ist kein Verdienst, alt oder jung zu sein. Das gilt auch für bestimmte Spieler. Nehmen wir Raul Bobadilla – er hat südländisches Temperament, aber er hat auch das Potenzial. Vielleicht hätte man ihm jemanden zur Seite stellen müssen. Max Eberl ist der richtige Mann. Diese Saison ist aus sportlicher Sicht nichts anderes als ein Ausrutscher.
Ein Ausrutscher, an dessen Ende immer noch der Abstieg stehen könnte.
Jansen Genau dadurch konnten Diskussionen erst entstehen. Doch ist der Vorstand für Verletzungen verantwortlich? Dafür, dass Spieler Rote Karten holen? Diese Spielzeit war einfach keine normale Saison.
Sie attestieren dem Vorstand also gute Arbeit?
Jansen Wenn wir nun den Klassenerhalt noch schaffen, sind wir sportlich auf dem richtigen Weg. Ich bin mir sicher, dass wir in der kommenden Saison besser dastehen werden. In der Verwaltung sind wir sowieso klasse aufgestellt.
Und im Präsidium?
Jansen Rolf Königs ist ein Mann, der in seinem Unternehmen Hervorragendes geleistet hat, der auch menschlich ausgezeichnet ist. Er hat Borussia nach vorne gebracht. Wir sollten froh sein, ihn als Präsidenten zu haben. Er freut sich auch richtig, Kontakt zu Fans zu haben.
Warum kommt er dann bei diesen nicht gut an?
Jansen Auch wenn er sich aus Borussias Kerngeschäft, dem Fußball, bewusst ein wenig zurückgezogen hat, ist er am Ende der Gesamtverantwortliche, der in der Kritik steht.
Was für Lehren wird Borussia aus dieser Saison ziehen?
Jansen Ich denke, dass diese ganze Situation den Verein näher zusammenbringt. Trotzdem sind wir nicht blind für die Entwicklungen.
Welche?
Jansen Wir müssen gucken, wie wir den Verein noch näher an die Fans bringen. Wir müssen uns immer weiterentwickeln. Den Antrag der Offensive, in den Ehrenrat einen Fanvertreter aufzunehmen, finden wir gut und richtig.
Wie wird die Saison ausgehen?
Jansen Wir werden den Klassenerhalt schaffen, und danach eine saubere Jahreshauptveranstaltung durchziehen. Ich habe da überhaupt keine Bedenken.
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