Analyse: Die Stärken und Schwächen des Spitzenreiters
zuletzt aktualisiert: 20.01.2012 - 09:57Der Kader des FC Bayern ist mit Stars gespickt. Sie haben die meisten Tore geschossen und die wenigsten kassiert. Trotzdem hat der Rekordmeister auch Schwächen. Nicht nur, weil Franck Ribéry gesperrt ist. André Schahidi analysiert Pro und Contra des Gegners.
DIE OFFENSIVE
43 Tore haben die Bayern in der Hinserie der Bundesliga- Saison bereits erzielt, 18 mehr als Borussia. Und das alles fast ohne ihren Star – denn Arjen Robben war oft verletzt. Jetzt ist der Niederländer wieder fi t. Und Mario Gomez in der Sturmspitze macht sowieso, was er will: er trifft und trifft und trifft. Innenverteidiger Roel Brouwers weiß schon, was auf Borussia zukommt. „Sie werden ihre Chancen bekommen“, sagt der Niederländer. „Wir müssen nun dafür sorgen, dass es nicht zu viele werden.“ Kleiner Vorteil für die Gladbacher: Bayern muss ohne Franck Ribéry antreten. Der Franzose sah im letzten Hinrundenspiel gegen Köln die Gelb-Rote Karte.
DIE MORAL
Es sollte bis zum 16. Spieltag dauern: Im Auswärtsspiel beim VfB Stuttgart gelang es den Bayern erstmals in dieser Spielzeit, einen Rückstand zum Sieg umzudrehen. Insgesamt fünfmal lag München bislang 0:1 zurück – doch außer bei den Schwaben setzte es nur Pleiten. Auffällig ist, dass sich der Rekordmeister sehr schwer tut, wenn der Gegner führt. In der Regel nämlich igelt sich der Kontrahent in der eigenen Hälfte ein. Beim 1:0-Sieg der Borussia in der Allianz-Arena gelang das ganz hervorragend. Doch immer geht so eine Taktik nicht gut. Das musste Stuttgart erfahren – und weitere Teams werden in der Rückrunde folgen.
DIE INNENVERTEIDIGER
Für viel Geld wurde Jérome Boateng vor der Saison von Manchester City losgeeist. Er sollte die beständig schwächelnde Innenverteidigung der Münchener stabilisieren. Doch auch wenn die Heynckes-Mannschaft in 17 Spielen nur zehn Gegentore kassiert hat – nicht immer wirkte die zentrale Abwehr auf Augenhöhe. Holger Badstuber ist ein starker Verteidiger, aber nicht der Schnellste. Und die Fehlerquote eines Daniel van Buyten ist beständig hoch. Er macht es allerdings durch einen ausgeprägten Offensivdrang wieder wett. Gut, dass Borussia Marco Reus hat. Der pfeilschnelle Stürmer kann die Münchener Abwehrzentrale vor Probleme stellen.
STAR-ALLÜREN
Arjen Robben ist einer der großen Bayern- Stars. Doch gleichzeitig ist er auch eines der Probleme des Rekordmeisters. Er steht sinnbildlich für die seelische Verfassung der Münchener. Läuft es gut – dann hat auch Robben Spaß. Doch wehe, es gibt Probleme. Dann können die großen Fußballer der Münchener, allen voran Arjen Robben, theatralisch lamentieren, meckern und motzen. Darunter leidet der sportliche Wert. Denn mit ihren Allüren können Stars die ganze Mannschaft herunterziehen.
MANUEL NEUER
Zugegeben – bei Borussias 1:0-Sieg in der Allianz-Arena sah der Nationalkeeper direkt zu Saisonbeginn nicht gut aus, als Igor de Camargo den Ball zum Siegtreffer ins Tor köpfte. Doch das sollte bis zum zehnten Spieltag das einzige Gegentor der Bayern bleiben. Auch – und vor allem – dank Neuer. Trotz einer ab und an schwächelnden Innenverteidigung zeigt der 25-Jährige mit teils unglaublichen Refl exen in schöner Regelmäßigkeit, warum er nicht nur in Deutschland aktuell die Nummer eins im Tor ist. Auch weltweit sind nur ganz wenige Keeper auf Augenhöhe mit dem Ex-Schalker.
DER LEITWOLF
Als Bastian Schweinsteiger mit einem Schlüsselbeinbruch ausfi el, ging es auch mit den Bayern bergab. Der Nationalspieler und Kapitän fehlte dem Rekordmeister deutlich mehr, als die Verantwortlichen wahrhaben wollten. 0:1 verlor München gegen Dortmund, 2:3 in Mainz, und selbst gegen Kellerkind Augsburg gelang nur ein mühsamer Sieg. Schweinsteiger ist Münchens Chefstratege – und nun ist er wieder fi t. Nur noch eine OP-Narbe erinnert an seine Verletzung. Mit ihm erhält das Münchener Spiel mehr Struktur.
FAZIT
Bayern ist nicht unschlagbar, das nicht. Aber wenn Borussia einen Erfolg gegen den Rekordmeister holen will, muss viel zusammenkommen: Die Abwehr muss stehen, Borussia muss die Fehler der Münchener ausnutzen – und sie braucht eine Mannschaft in Top-Form. Allen voran Marco Reus. Der 22-Jährige ist einer der wenigen, die den Bayern auf Augenhöhe Paroli bieten können.
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