Seitdem Hennes Weisweiler im Sommer 1964 den Trainerposten bei Borussia Mönchengladbach übernommen hat, gab es am Bökelberg beziehungsweise im Borussia-Park 20 Cheftrainer, zuletzt musste Michael Frontzeck gehen, Lucien Favre (Foto) übernimmt. Ihre Bilanz fällt höchst unterschiedlich aus.
Wir haben alle Fußball-Trainer von Borussia Mönchengladbach seit 1964 zusammengestellt.
Hennes Weisweiler (1964-1975)
Bundesligaspiele mit Borussia: 340
Punkteschnitt (umgerechnet auf Drei-Punkteregel): 1,741 pro Spiel
Erfolge: Uefa-Cup-Sieger 1975; Deutscher Meister 1970, 71, 75; DFB-Pokalsieger 1973; Finalist Uefa-Cup 1973; Bundesliga-Aufstieg 1965
Borussias Trainer des letzten Jahrhunderts führte die Fohlen das erste Mal in die Bundesliga und eroberte in den folgenden zehn Jahren ganz Europa mit seinem bedingungslosen Offensiv-Fußball. Wechselte 1975 zum FC Barcelona.
Udo Lattek (1975-1979)
Bundesligaspiele mit Borussia: 136
Punkteschnitt: 1,721 pro Spiel
Erfolge: Uefa-Cup-Sieger 1979; Deutscher Meister 1976, 77; Finalist Europapokal der Landesmeister 1977
Er übernahm eine fertige Mannschaft, ließ kontrollierter und nicht mehr so offensiv spielen, war aber damit nicht weniger erfolgreich. Ging wie
Weisweiler vom Bökelberg nach Barcelona.
Jupp Heynckes (1979-1987)
Bundesligaspiele mit Borussia: 272
Punkteschnitt: 1,603 pro Spiel
Erfolge: Finalist Uefa-Cup 1980; Finalist DFB-Pokal 1984
Der einstige Torjäger formte in seinen acht Jahren Spieler wie Matthäus, Kamps, Hochstätter, Mill, Rahn, Criens oder Frontzeck zu Bundesliga-Größen, einen Titel holte er mit dieser Mannschaft allerdings nicht. Deswegen heuerte Heynckes 1987 beim FC FC Bayern München an.
Wolf Werner (1987-21.11.1989)
Bundesligaspiele mit Borussia: 85
Punkteschnitt: 1,306 pro Spiel
Nach über 24 Jahren in der Bundesliga wurde am Bökelberg erstmals ein Trainer entlassen. Wolf Werner musste gehen, nachdem seine Mannschaft sieben Spiele in Folge verloren hatte und erstmals Tabellenletzter in der
Bundesliga war. In den Jahren zuvor hatte Werner die Fohlen-Elf noch zweimal ins vordere Mittelfeld (Platz sieben und sechs) geführt.
Gerd vom Bruch (22.11.1989-25.9.1991)
Bundesligaspiele mit Borussia: 61
Punkteschnitt: 1,295 pro Spiel
Er rettete Gladbach vor dem Abstieg 1990 und belegte im Jahr darauf mit jungen Leuten wie Pflipsen, Wynhoff und Max einen ordentlichen neunten Platz. Doch als im Herbst 1991 erneut der Abstiegskampf drohte und Gladbach nach einem 2:2 gegen den 1. FC Köln am 10. Spieltag auf den letzten Platz rutschte, musste vom Bruch seinen Stuhl räumen.
Jürgen Gelsdorf (3.10.1991-6.11.1992)
Bundesligaspiele mit Borussia: 38
Punkteschnitt: 1,158 pro Spiel
Erfolge: Finalist DFB-Pokal 1992
Ob seiner Defensiv-Taktik unter den Fans nie sonderlich gefeiert, hielt Gelsdorf mit Gladbach 1992 die Klasse und zog ins Endspiel des DFB-Pokals ein (um sich dort gegen den Zweitligisten Hannover 96 zu blamieren). Als
Borussia im folgenden Herbst erneut im Tabellenkeller stand, schmiss Gelsdorf nach dem 0:0 gegen den Hamburger SV selbst die Brocken hin.
Bernd Krauss (6.11.1992-7.12.1996)
Bundesligaspiele mit Borussia: 143
Punkteschnitt: 1,517 pro Spiel
Erfolge: DFB-Pokalsieger 1995
Im Herbst 1991 bereits für zwei Partien Interimstrainer, übernahm Borussias ehemaliger Außenverteidiger ein Jahr später vollends das Kommando. Mit ihm holte Gladbach seinen letzten Titel und spielte letztmals im Europapokal. Zudem führte Krauss als erster Bundesligatrainer erfolgreich die Viererkette
ein. Doch als die Vorrunde 1996/97 mit 15 Punkten und nur zwölf Toren endete, musste auch er seinen Hut nehmen.
Hannes Bongartz (19.12.1996-29.11.1997)
Bundesligaspiele mit Borussia: 34
Punkteschnitt: 1,353 pro Spiel
Unter ihm spielte Borussia 1997 eine starke Rückrunde, sammelte 28 Punkte in 17 Spielen. Doch auch Bongartz konnte die Fohlenelf langfristig nicht wieder nach oben führen. Nach einer 0:2-Heimniederlage gegen den Aufsteiger VfL Wolfsburg am 17. Spieltag 1997/98 war er seinen Posten am Bökelberg los.
Norbert Meier (30.11.1997-31.3.1998)
Bundesligaspiele mit Borussia: 11
Punkteschnitt: 0,910 pro Spiel
Der vorherige Jugend- und Amateurtrainer bei Borussia sollte das Ruder herumreißen, doch als im Frühjahr 98 der erstmalige Abstieg aus Bundesliga massiv drohte, war Meiers Mission auch schon wieder zu Ende. Er ist damit Gladbachs Trainer mit der kürzesten Verweildauer und den wenigsten Bundesligaspielen.
Friedel Rausch (1.4.1998-9.11.98)
Bundesligaspiele mit Borussia: 17
Punkteschnitt: 0,882 pro Spiel
Zunächst als Retter in höchster Not gefeiert, wenig später nach zwei Pleiten für die Geschichtsbücher gefeuert. Rausch schaffte in sechs Spielen den kaum noch für möglich gehaltenen Klassenverbleib 1998, doch in der neuen Saison wurde alles nur noch schlimmer. Nach einem 2:8 gegen Leverkusen und einem
1:7 in Wolfsburg musste Rausch (wie auch Manager Rolf Rüssmann) gehen.
Rainer Bonhof (12.11.1998-31.8.1999)
Bundesligaspiele mit Borussia: 23
Punkteschnitt: 0,696 pro Spiel
Ausgerechnet mit dem Ur-Borussen stieg Gladbach nach 34 Jahren erstmals aus der Bundesliga ab. Bonhof konnte den freien Fall der Fohlenelf, der sich länger abgezeichnet hatte, nicht mehr aufhalten. Und als auch der Start in die Zweitliga-Saison mit drei Niederlagen gründlich misslang, war Bonhof seinen Posten los.
Hans Meyer (7.9.1999-1.3.2003)
Bundesligaspiele mit Borussia: 57
Punkteschnitt: 1,088 pro Spiel
Erfolge: Bundesliga-Aufstieg 2001
Das Trainer-Urgestein aus dem Osten vitalisierte „das Häufchen Elend“ Borussia wieder, ließ konsequent ein 4-3-3 spielen und stieg im zweiten Jahr in die Bundesliga auf. Dort gelang in der ersten Saison souverän der
Klassenverbleib. Doch auch im Jahr darauf steckte Borussia wieder im Abstiegskampf. Nach einem 2:2 gegen den FC Schalke 04 trennten sich Gladbach und Meyer.
Ewald Lienen (2.3.2003-21.9.03)
Bundesligaspiele mit Borussia: 17
Punkteschnitt: 1,353 pro Spiel
Mit Lienen kehrte wieder ein ehemaliger Borussen-Spieler an den Bökelberg zurück. Und zunächst schien die Verbindung auch erfolgreich zu sein. Lienen feierte mit dem Team den Klassenerhalt. Doch der folgende Saisonstart ging mal wieder in die Hose. Nach dem 0:2 in Hannover und nur vier Punkten aus
den ersten sechs Spielen wurde Lienen entlassen.
Holger Fach (21.9.2003-27.10.2004)
Bundesligaspiele mit Borussia: 38
Punkteschnitt: 1,158 pro Spiel
Er musste zwar bis zum siebten Spiel auf einen Sieg als Cheftrainer Borussias warten, im Anschluss schaffte Fach aber mit der Mannschaft die Wende und hielt die Klasse. Doch mit dem Umzug in den Borussia-Park sollten nun auch endlich andere Ziele als der Klassenerhalt in Angriff genommen werden. Gladbach aber stand nach zehn Spieltagen und einem 0:3 in Bochum wieder auf einem Abstiegsplatz – das Aus für Fach.
Dick Advocaat (2.11.2004-18.4.2005)
Bundesligaspiele mit Borussia: 18
Punkteschnitt: 1,0 pro Spiel
Der erste Ausländer auf Gladbachs Trainerbank war auch eines der größten Missverständnisse. Der Niederländer durfte zwar in der Winterpause nach Herzenslust einkaufen, konnte aber trotzdem nicht die Wende zum Guten einleiten. Als sich Borussia nach dem 1:1 gegen Mainz 05 fünf Spieltage vor Schluss in höchster Abstiegsnot befand, war Advocaats Zeit abgelaufen.
Horst Köppel (19.4.2005-2006)
Bundesligaspiele mit Borussia: 40
Punkteschnitt: 1,275 pro Spiel
Noch ein Ur-Borusse auf Gladbachs Trainerbank. Köppel wurde nicht nur gefeiert, weil er als Interimscoach im November 2004 den FC Bayern 2:0 geschlagen hatte, sondern ihm gelang nach Advoccats Scheitern auch die fast sensationelle Rettung. Im Jahr darauf war jedoch selbst der zehnte Platz nicht gut genug. Eine schwache Rückrunde wurde Köppel zum Verhängnis, nach dem letzten Spieltag musste er seine Sachen packen.
Jupp Heynckes (2006-31.1.2007)
Bundesligaspiele mit Borussia: 19
Punkteschnitt: 0,842 pro Spiel
Erstmals kehrte ein Trainer an seine alte Wirkungsstätte zurück. An alte Erfolge konnte Heynckes jedoch nicht anknüpfen. Ganz im Gegenteil: Borussia drohte erneut sang- und klanglos abzusteigen. Nach dem 0:0 gegen Nürnberg am 19. Spieltag war seine zweite Amtszeit beendet.
Jos Luhukay (1.2.2007-5.10.2008)
Bundesligaspiele mit Borussia: 22
Punkteschnitt: 0,591 pro Spiel
Erfolge: Bundesliga-Aufstieg 2008
Trotz eines verheißungsvollen Auftakts (2:0 in Bielefeld) konnte der Niederländer Gladbachs zweiten Abstieg nicht mehr verhindern. Danach gelang ihm jedoch der schnelle Aufbau einer neuen Mannschaft, welche im vergangenen Jahr die Zweite Bundesliga dominierte. Doch sechs Niederlagen in sieben Spielen zum Start kosteten den Aufstiegstrainer schnell den Job. Er ist damit Gladbachs Bundesliga-Trainer mit der schlechtesten Punkteausbeute aller Zeiten.
Christian Ziege (7.10.2008-17.10.2008)
Bundesligaspiele mit Borussia: 1
Punkteschnitt: 1 pro Spiel
Borussia Sportdirektor sprang als Interimscoach für ein Spiel ein und holte ein 2:2 in Bochum.
Hans Meyer (18.10.2008-28.05.2009)
Er unterschrieb beim damaligen Tabellenletzten einen Vertrag bis Ende Juni 2010. Um den Abstieg zu verhindern, baute er die Mannschaft um. So strich er bereits kurz nach Amtsantritt mehrere Spieler aus dem Kader. Zur Winterpause verpflichtete er auch neue Spieler, etwa Tomáš Galásek, den er schon nach Nürnberg geholt hatte. Am Ende gelang mit Rang 15 der direkte Klassenerhalt mit nur 31 Punkten, was einen neuen Rekord bedeutet. Trotz Klassenerhalts bat Hans Meyer am 28. Mai 2009, seinen bis 30. Juni 2010 laufenden Vertrag vorzeitig aufzulösen. Diesem Wunsch entsprach der Verein.
Michael Frontzeck (01.06.2009-13.02.2011)
Vom 1. Juli 2009 war Michael Frontzeck Cheftrainer des Bundesligisten Borussia Mönchengladbach. Er schaffte in seiner ersten Saison den Klassenerhalt. Der bis zum 30. Juni 2011 datierte Vertrag wurde am 18. Juli 2010 bis Juni 2013 verlängert. Am 13. Februar 2011 wurde Frontzeck als Trainer entlassen. Der Grund waren die Niederlagen gegen die beiden direkten Konkurrenten im Abstiegskampf VfB Stuttgart und FC St. Pauli.
Lucien Favre (14.02.2011 - ?)
Lucien Favre ist neuer Trainer beim abstiegsbedrohten Bundesligisten Borussia Mönchengladbach. Das teilte das Tabellenschlusslicht einen Tag nach der Trennung von Michael Frontzeck mit. Der Schweizer Favre soll den fünfmaligen deutschen Meister vor dem dritten Bundesliga-Abstieg der Vereinsgeschichte bewahren.