Borussia: Drei Spitzen – und Ricken?
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 09.06.2007Borussia gab nun endgültig den Zukauf des Niederländers Roel Brouwers bekannt. Zudem haben sich Christian Ziege und Jos Luhukay auf ein System festgelegt: 4-3-3. Ideengeber könnte Dortmunds früheres Wunderkind sein.
Zeitplan und Polanski
Zieges Zeitplan Bis zum Trainingslager in Österreich (30. Juni bis 7. Juli) soll es „keine großen Baustellen mehr geben“, sagt Christian Ziege. In das zweite Trainingslager in der Sportschule Kaiserau (23. bis 28. Juli) will Borussia mit dem kompletten Kader gehen.
Sinneswandel „Ich habe mich trotz einiger Anfragen für Gladbach entschieden. Ich will meinen Vertrag erfüllen und nächstes Jahr mit Borussia auf dem Alten Markt den Aufstieg feiern“, sagt Eugen Polanski. Zuvor hatte er „keine Lust auf die Zweite Liga“.
Fussball Christian Zieges wichtigstes Arbeitsgerät brummt. Borussias Sportdirektor schaut auf das Display seines Mobiltelefons. Bis zu 100 Telefonate führt Ziege zurzeit am Tag. Meistens geht es um Borussias Zukunft, die Ziege mit Trainer Jos Luhukay fieberhaft plant: Spielerberater bieten ihre Klienten an, Ziege zieht Erkundigungen über mögliches neues Personal ein. Hinzu kommen stapelweise Faxe, in denen Fußballer beworben werden. „Ich könnte sofort 20 Spieler verpflichten“, sagt Ziege. Er weiß, dass es im Umfeld grummelt, immer wieder wird gefragt: Wer kommt denn nun? Doch Ziege prüft jeden Kandidaten genau. Er sucht perfekte Arbeitnehmer: fußballerisch begabt, charakterlich einwandfrei und zu einem vernünftigen Preis. Das schränkt die Möglichkeiten ein.
Daher ist die Transferbilanz bislang dünn. Torhüter Uwe Gospodark, Defensiv-Allrounder Alexander Voigt – und nun der Niederländer Roel Brouwers. Der Abwehrspieler unterschrieb für drei Jahre. Auf dem Platz ist er ein Schweiger, dennoch bescheinigt Jos Luhukay dem 25-Jährigen Führungsqualitäten. „Er ist einer der besten Abwehrspieler der Zweiten Liga“, sagt auch Ziege. Wie Gospodarek und Voigt ist Brouwers indes ein B-Promi im Fußballzirkus.
Ein anderer Name hat da schon mehr Gewicht: Lars Ricken, das einstige Dortmunder Wunderkind, das seit langem eine Schaffenskrise hat. Zehn Jahre nach seinem Treffer im Champions League-Finale gegen Juventus Turin spielt der 30-Jährige nur noch eine Nebenrolle beim BVB. „Ja, ich habe mich bei seinem Berater Kon Schramm nach Lars erkundigt. Er hat zuletzt für ein Regionalligaspiel seinen Urlaub unterbrochen. Das zeigt, dass seine Einstellung stimmt. Ich bin überzeugt, dass er uns helfen würde“, sagt Ziege. Ricken hat sich noch nicht entschieden, ob er sich einen Wechsel ins Unterhaus vorstellen kann, „aber wenn Zweite Liga, dann nur Gladbach“, sagte Schramm gestern. Ricken, der derzeit in Sardinien ist, könnte die zentrale Rolle hinter den Spitzen übernehmen. Eine Verantwortung, der Marko Marin über eine gesamte Saison noch nicht gewachsen sein dürfte. Und Federico Inusa hat keine Lust mehr auf Gladbach. Möglich, dass er erst gar nicht aus Argentinien zurückkommt.
Personell gibt es noch viele Baustellen. Zumindest aber haben sich Ziege und Luhukay festgelegt, was das Spielsystem betrifft: „Wir werden 4-3-3 spielen, in Ausnahmefällen 4-4-2“, sagt Ziege. Als er noch B-Jugend-Trainer war führte er seine Mannschaft mit dieser Strategie an die Tabellenspitze der Regionalliga. Und im 4-3-3-System schaffte Gladbach 2001 unter Hans Meyer die Rückkehr in die Bundesliga. Meyer spielte indes mit einem „Sechser“ vor der Abwehr (Peter Nielsen), Luhukay plant den „Doppelsechser“. Ziege zeichnet die taktische Ausrichtung auf einen Zettel, gibt mit Strichen die Laufwege vor. „So können wir in allen Zonen des Spielfeld Überzahl herstellen“, beschreibt er die optimale Interpretation der Taktik. „Jos Luhukay hat die gesamte Vorbereitung Zeit, das System mit der Mannschaft einzustudieren“, weiß der Sportdirektor. Wieder brummt sein Handy. Es werden noch viele Telefonate vergehen, bis Ziege das passende Personal zum System beisammen hat. „Es muss eben alles passen“, sagt er.
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