Kommentar zu Borussia Mönchengladbach: Ein Elfmeter, den man geben muss
VON ANDRE SCHALL - zuletzt aktualisiert: 19.02.2008 - 12:05Mönchengladbach (RPO). Die Aufregung nach der 0:1-Heimpleite gegen den FSV Mainz 05 war bei den Spielern von Borussia Mönchengladbach riesengroß. Die "Fohlen" umringten Schiedsrichter Knut Kircher und meckerten, was das Zeug hielt. Besonders ein nicht gegebener Elfmeter erzürnte die Gemüter.
"Der hat das ganze Spiel nur in eine Richtung gepfiffen und das Match kaum laufen lassen. Aber mehr sag ich besser nicht, schließlich will ich nicht gesperrt werden", schimpfte Gladbachs Sascha Rösler im DSF.
Sportdirektor Christian Ziege war schon während des Spiels mehrfach von der Bank aufgesprungen, hatte sich lautstark beim 4. Offiziellen beschwert und war nach nicht ganz freundlichen Zwischenrufen vom Unparteiischen schließlich auf die Tribüne verbannt worden.
Von wegen also - alle lieben Knut. Schiri Kircher war von den "Fohlen" schnell als (Teil)-Schuldiger für die Niederlage gegen spielerisch höchstens durchschnittliche, aber kämpferisch überzeugende Gäste aus Rheinhessen ausgemacht.
Es war vor allem die Szene in der 22. Minute, die Fans und Spieler der Borussia auf die Palme brachte. Steve Gohouri wurde im Mainzer Strafraum deutlich von Milorad Pekovic am Trikot gezerrt. Die Gladbacher forderten daraufhin vehement Elfmeter. Auf den ersten Blick zurecht. Auf den zweiten und dritten auch.
Kircher aber zeigte nicht auf den Punkt. Und das, obwohl er mustergültig freie Sicht auf die Szene hatte. Nicht nur das - der Referee schaute auch schnurstracks in Richtung Gohouri. Er sah die Aktion also ohne jeden Zweifel, hielt sie aber nicht elfmeterwürdig. Selbst DSF-Moderator Frank Buschmann staunte minutenlang, dass der Schiri bei dieser Sicht nicht auf Strafstoß entschieden hatte.
Es war also ein Fehler - keine Frage. Ob das Spiel nach einem Elfer nun anders gelaufen wäre - wer kann das im Nachhinein schon sagen? Doch muss man ganz klar festhalten, dass sich die Borussen den Großteil der Niederlage selbst in die Schuhe zu schieben hatten. Denn von einem Spitzenreiter muss einfach mehr kommen.
Nach einer recht flotten ersten Halbzeit fanden die Schützlinge von Jos Luhukay in Durchgang zwei kaum ein Mittel, die Gäste-Defensive mal ordentlich in Verlegenheit zu bringen. Rob Friend wirkte im Angriff wie ein Fremdkörper. Der Kanadier schaffte es im ganzen Match zudem nur zwei Mal, den Ball so zu stoppen, dass er nicht direkt wieder beim Gegner landete. Selbst Oliver Neuville, sonst über nahezu jeden Zweifel erhaben, hing völlig in der Luft.
Und auch im Defensiv-Bereich waren die "Fohlen" alles andere als sattelfest. Hätten die Gäste ihre Konter besser ausgespielt, es hätte auch schnell mal 0:2 oder 0:3 stehen können.
Klar war bei den Borussen das Bemühen deutlich zu erkennen, aber es schien stellenweise wirklich so, als würden die Mittel fehlen. Wenn man ganz ehrlich ist: Das Spiel am Ende zu verlieren, war insgesamt unglücklich. Aber mehr als einen Punkt hätten die "Fohlen" an diesem Abend auch nicht verdient gehabt.
Die Gladbacher, die den Rückrundenstart (ein Punkt aus drei Spielen) nun getrost als "Totalschaden" deklarieren können, stecken in einer kleinen Krise. Und die Konkurrenz schläft nicht. Die Niederrheiner haben nun nur noch drei Punkte Vorsprung auf einen Nicht-Aufstiegsplatz. Spätestens jetzt hat man am Borussia-Park begriffen, dass die Rückrunde sicher kein Spaziergang im Park wird.
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