Borussia: Ein Fünkchen Hoffnung
VON KURT THEUERZEIT - zuletzt aktualisiert: 16.02.2009Tolle Begrüßung für Paul Stalteri durch die Bremer Fans. Mit großem Engagement, einer ebenso großen Portion Glück und einem überragenden Logan Bailly rettete Borussia ein 1:1. Marko Marin war wieder nur Teilzeitarbeiter.
"Paul Stalteri", hallte es laut durch das Weser-Stadion. Die Werder-Fans begrüßten den Neu-Borussen, "ihren" Kanadier, der acht Jahre erfolgreich in Bremen gespielt hatte.
Es war keine Pflicht, es war wohlgemeinte Freundlichkeit, versehen mit einem Schuss Bedauern, denn für den Tabellenletzten Borussia war aus Bremer Sicht nur die Höhe dessen Niederlage noch offen.
Dieser gefühlte und erwartete Vorweg-Sieg erwies sich jedoch zum Schluss als fataler Irrtum. Die Borussen erkämpften sich mit dem 1:1 auf spielerischer Sparflamme einen Funken Hoffnung, bald wieder Land zu sehen.
Paul Stalteri
Alter 31 Jahre
Vereine Toronto Lynx, Malton Bullets, Werder Bremen, Tottenham Hotspur, FC Fulham, Borussia Mönchengladbach
Nationalmannschaft 74 Einsätze für Kanada.
Erfolge Deutscher Meister 2004, DFB-Pokalsieger 1999 und 2004 immer mit Werder Bremen.
Untergegangen sind sie an der Weser auf jeden Fall nicht. Dabei spielte Stalteri eine wichtige Rolle. Der 31-Jährige bekam reichlich Arbeit, nachdem Sebastian Boenisch häufiger den Vorwärtsgang einschaltete. "Aber ich bin ja richtig fit, das machte mir nicht viel aus", stellte Stalteri sachlich fest.
Noch wichtiger aber war der Kanadier in der neunten Minute, als er nach einer der am Ende insgesamt 17 Ecken auf der Torlinie rettete. Als Retter erwies sich aber auch zunehmend Torwart Logan Bailly, der vor allem nach der Pause fast alleine sehr erfolgreich gegen die Bremer Übermacht flog, hechtete und sich mutig anschießen ließ.
Die Überbeschäftigung Baillys macht deutlich, dass die Borussen in der Abwehr Schwerstarbeit zu leisten hatten, die sie aber sehr engagiert wahrnahmen. Paul Stalteri hatte eindringlich vor einem Führungstor der Bremer gewarnt.
Mit viel Glück und einem System, das sich ständig änderte, aber nicht immer funktionierte, wehrten sich die Gäste lange erfolgreich.
Allerdings fand ihr Spiel nach vorne selten statt. Daran änderte auch die frühe Einwechslung Oliver Neuvilles für den überraschend nominierten 18-jährigen Tony Jantschke nichts.
Trainer Hans Meyer stellte fest: "Bei eigenem Ballbesitz war das kein Fußball, was wir gespielt haben." Aber es reichte, um die Bremer zu nerven.
Von deren 34 Schussversuchen landete nur einer im Netz. Claudio Pizarros Kopfball zum 1:0 schien die Belohnung für das permanente Anrennen zu sein. Doch das war ein Irrtum, wie Paul Stalteri erkannte: "Das 1:0 kam spät, unser Ausgleich zu schnell, so dass Werder nicht nachlegen konnte."
Ausgangspunkt für Michael Bradleys 1:1 war Marco Marin, der wieder nur Teilzeitarbeit leisten durfte. Er zirkelte einen Freistoß in den Bremer Strafraum, bei dem die Platzherren geschlossene Inaktivität an den Tag legten, und Michael Bradley mit breiter Brust den Ball ins Tor beförderte.
Wäre dem verletzten Steve Gohouri, der angeschlagen in den Sturm beordert worden war, bei seinem Solo noch das 2:1 gelungen, wäre die Sache Paul Stalteri wohl peinlich geworden: "Wir haben ein bisschen Glück gehabt. Der Punkt ist für uns wertvoll. Wir brauchen jetzt einen Lauf."
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