Borussia: Ein großer Augenblick
zuletzt aktualisiert: 04.06.2009Borussias neuer Cheftrainer Michael Frontzeck spricht im Interview über sein Engagement in seiner "fußballerischen Heimat", seine Ziele und Möglichkeiten in Mönchengladbach.
Sie wirken sehr gelöst, scheinen den Rauswurf am 33. Spieltag in Bielefeld verarbeitet zu haben. Der neue Job macht Ihnen viel Freude?
Frontzeck Ich habe nie gesagt, dass ich ins Sanatorium muss. Wenn man am 33. Spieltag auf einem Relegationsplatz steht und plötzlich entlassen wird, sagt das doch alles. Und natürlich freue ich mich über das Engagement in Gladbach. Ich bin hier geboren, bin hier aufgewachsen, und es ist meine Heimat als Fußballer. Es ist emotional ein großer Augenblick für mich.
Macht es diese Emotionalität nicht sogar schwieriger?
Frontzeck Das würde ich so nicht sagen. Emotionen sind immer im Spiel. In Aachen habe ich wegen meiner Herkunft nicht nur Freunde gehabt. Trotzdem habe ich dort mit Freude gearbeitet. Wie in Bielefeld.
Die Co-Trainer
Evergreen Manfred Stefes war mit Frontzeck schon Co-Trainer bei Hans Meyers erstem Engagement in Gladbach. "Er und Torwarttrainer Uwe Kamps, der gefühlt 45 Jahre hier ist, sind feste Bestandteile des Klubs", sagt Frontzeck.
Wechsel? Jürgen Raab ist als Cheftrainer in Cottbus im Gespräch. Seine Zukunft ist offen.
Sie sprechen oft von einer Schere, die in der Bundesliga immer weiter auseinander geht – zwischen arm und reich. Bei Borussia dürften Ihre Möglichkeiten aber besser sein, als zuvor in Aachen und Bielefeld.
Frontzeck Sicherlich. In Bielefeld konnten wir nicht im Winter für fünf Millionen Euro neue Leute holen. Gladbach hat ganz andere Möglichkeiten, auch mit dem Stadion und den Trainingsbedingungen, die optimal sind. Es ist eine reizvolle Aufgabe. Ich glaube, dass der Klub durchaus die Möglichkeit hat, irgendwann die Schere nach oben etwas zu schließen.
Die Erwartungen dürften hoch sein.
Frontzeck Das ist bei Klubs wie Gladbach oder auch Köln so. Und ich verstehe das auch. Aber zwei Abstiege in zehn Jahren kosten Substanz. Das gilt es noch aufzuarbeiten. Wer mit 31 Punkten gerade so drin bleibt, der darf in der nächsten Saison nicht mit 50 Punkten rechnen. Aber auf den 20 Punkten aus der Rückrunde können wir aufbauen.
Was halten Sie von Ihrer neuen Mannschaft?
Frontzeck Lassen Sie mir doch erstmal Zeit, die Mannschaft richtig kennenzulernen. Sie hat das Potenzial, die angestrebte Stabilisierung in der Bundesliga zu erreichen. Aber wir sind sicher nicht in der Position zu sagen: Wir wollen in den Uefa-Cup. In den nächsten zwei, drei Jahren geht es darum, uns in der Bundesliga zu stabilisieren. Wir sollten es in der nächsten Saison vielleicht etwas früher schaffen. Erst in ein paar Jahren kommen wir vielleicht in die Situation, zu sagen: Mit dem Abstieg werden wir auf gar keinen Fall etwas zu tun haben.
Max Eberl sprach von der Vereins-Philosophie, die mit Ihrer übereinstimmt. Beschreiben Sie Ihre Idee vom Fußball.
Frontzeck Erstmal geht es darum, unter dem Strich die Ziele zu erreichen. Wichtig ist, dass die Zuschauer spüren, dass die Mannschaft eine Einheit ist, alles gibt und sich jeden Tag verbessern will. Dafür ist keiner gefragt, der einen Zauberstab in der Tasche hat, sondern harte Arbeit. Über die Art, wie wir spielen werden, will ich jetzt noch nichts sagen. Ich will erstmal das Team genauer kennen lernen.
Was ist mit Marko Marin? Sie schätzen seine Fähigkeiten sehr. Werden Sie nun versuchen, ihn vom geplanten Wechsel zu Werder Bremen abzubringen?
Frontzeck Ich werde jetzt sicher nicht als Erstes ins Flugzeug steigen und nach Schweden fliegen. Marko soll sich auf die U21-EM konzentrieren. Ich werde mich in Ruhe mit ihm zusammen setzen, um seine Sicht der Dinge kennenzu lernen.
Was ist mit Verstärkungen? Holen Sie jemanden aus Bielefeld? Oder wäre das unmoralisch?
Frontzeck Moral im Fußball? Ich bitte Sie! Aber Max, Steffen und ich werden in Ruhe planen. Gute Spieler gibt es überall, nicht nur in Bielefeld.
Gilt Ihr Vertrag, der bis 2011 datiert ist, auch für die Zweite Liga?
Frontzeck Er gilt für alle Ligen.
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