Borussia Mönchengladbach: "Ein Ritt auf der Rasierklinge"
zuletzt aktualisiert: 30.04.2011Thomas Ludwig, Vorsitzender des Gladbacher Fanprojekts, über Stefan Effenbergs Ambitionen, die Initiative Borussia, die Kritik am amtierenden Präsidenten Rolf Königs und seine Hoffnung im Abstiegskampf
Gegründet 1988
Fanprojekt Das Fanprojekt Mönchengladbach (FPMG) gründete sich 1988 aus der Interessengemeinschaft heraus und schloss mit Borussia einen Kooperationsvertrag. 1997 wird das FPMG als gemeinnützig im Sinne der Jugendhilfe und Jugendpflege anerkannt.
Termin "Demo zum Erhalt des Mythos Borussia", Samstag, 7. Mai, 9.30 Uhr vom Eickener Markt, vorbei am früheren Bökelberg zum Nordpark.
Das Fanprojekt hat sich trotz der Proklamation Stefan Effenbergs als Sportdirektor-Kandidat gegen die Ideen der Initiative Borussia ausgesprochen. Warum?
Ludwig Grundsätzlich ist Stefan Effenberg ein Mann, der sich um Borussia verdient gemacht hat. Ich glaube, die Initiative hat Effenberg einen Tag vor unserer Jahreshauptversammlung präsentiert, um unsere Mitglieder zu beeinflussen. Effenberg steht für den letzten großen Erfolg des Vereins, den Pokalsieg 1995. In dem Moment aber, wo Stefan Effenberg jetzt die Bühne betreten hat wird nur noch über Köpfe und nicht mehr über Strukturen diskutiert. Effenberg hat natürlich einen guten Namen und gute Kontakte. Aber man muss dann auch sehen, wie er in der Tagesarbeit funktionieren würde. Auch er wäre als Manager ein Berufsanfänger. Dass er ausgerechnet die Jugendarbeit verändern will, missfällt mir. Er hat sich offenbar nicht richtig informiert. Gerade was die Nachwuchsarbeit angeht ist Borussia gut aufgestellt.
Was stört Sie an der Initiative?
Ludwig Als die Initiative auftrat, war die Rede davon, dass ein Vorsitzender eines Fanklubs in den Aufsichtsrat soll. Das zeigte uns, dass sich da niemand mit der Struktur der Fanszene in Gladbach beschäftigt hat. Die Initiative ist in meinen Augen sehr viel Fassade. Das Hauptprogramm, so scheint es, ist jetzt Stefan Effenberg. Die Initiative sucht vor allem nach Verbündeten. Und sie haben einige gefunden, die eine offene Rechnung mit Borussia haben. Wir haben die Initiative ja zu uns eingeladen und haben sie über unsere Arbeit als Fanprojekt informiert. Als aber klar wurde, dass wir nicht eindeutig auf ihrer Seite sind, kam auch nichts mehr. Das hat mich enttäuscht. Zudem fanden viele unserer Mitglieder die Telefonaktion der Initiative, bei der alle Fanklub-Vorsitzenden angerufen wurden, befremdlich.
Allerdings gibt es auch viel Kritik am amtierenden Präsidenten Rolf Königs. Außerdem soll es vor dem letzten Heimspiel gegen Freiburg eine Demonstration zum Erhalt des Mythos Borussia geben.
Ludwig Ich habe mir sehr viel Zeit genommen um in Vorbereitung unserer Jahreshauptversammlung die Jahre seit 1999 aufzuarbeiten. Damals war der Verein tot und wir Fans haben den Mythos übernommen. Dieser Mythos ist der Gral, den wir hüten. Bei meiner Analyse habe ich festgestellt, dass wir Fans in den letzten Jahren ständig mit falschen Träumen konfrontiert wurden. Erst wurde gesagt, dass nur noch das Stadion fehle, um wieder erfolgreich zu sein. Als es dann kam, wurde gesagt, wir sind auf dem Weg zurück nach Europa. Damit hat das Präsidium um Rolf Königs die Wirklichkeit verschleiert.
Norbert Kox und seine Mitstreiter von der Initiative wollen Borussia wieder erfolgreich machen. Das müsste doch im Sinne der Fans sein.
Ludwig Klar ist es schön, wenn Borussia wieder erfolgreich ist. Aber wir wollen das nicht um jeden Preis. Wenn der ganze Verein dafür auf den Kopf gestellt wird. Das wäre ein Ritt auf der Rasierklinge. Ich habe mal überschlagen: Um den Anschluss nach oben zu schaffen müsste Borussia rund 90 Millionen Euro investieren – ohne die Garantie, dass es dann auch klappt. Die Initiative hat keinen echten Weg aufgezeigt. Diese 90 Millionen Euro kommen ja nicht von irgendwo. Außerdem soll es einen weiteren Geschäftsführer geben. Der wird sicher nicht für 2,50 Euro die Stunde arbeiten. Auch das ist Geld, was dann nicht in den Sport gehen würde.
Also plädieren Sie doch für die Politik der kleinen Schritte?
Ludwig Wenn Borussia ehrlich dazu steht und es lebt, ja. Doch die Vereinsführung hat die Richtung des Sports verklärt – und das strahlt auf die Mannschaft aus. Wir fordern darum, dass der Vorstand Konsequenzen zieht. Rolf Königs hat seinen Kredit als Präsident verspielt. Wir haben ihm viel zu verdanken, ganz sicher, aber die Lorbeeren sind verwelkt. Das ist auch der Grund, warum es Gruppierungen wie die Initiative und die Offensive überhaupt gibt. Beide sind das Resultat der Unzufriedenheit.
Gibt es eine Alternative zu Königs?
Ludwig Das ist nicht unsere Baustelle. Aber wichtig wäre, einen Mann mit Symbolkraft und Führungsstärke zu haben. Borussias Problem ist, dass es zu wenige hausgemachte Gallionsfiguren gibt. Was das angeht, ist der FC Bayern München zu beneiden.
Wie steht das Fanprojekt zur Mitgliederoffensive?
Ludwig Michael Weigand ist langjähriges Mitglied bei uns. Er ist jemand, der Borussia punktuell helfen kann. Er hat mit seinen bisherigen Anträgen einige Rechte der Fans zurückerobert, die 2000 abgegeben wurden, als die GmbH ausgelagert wurde. Darum ist das, was Weigand macht, für uns wohlwollend.
Am Samstag gibt es für Borussia in Hannover wieder mal ein Endspiel. Haben Sie noch Hoffnung auf Rettung?
Ludwig Wir können es aus eigener Kraft kaum schaffen. Ich hoffe aber, dass der 1. FC Köln noch in die Bredouille kommt, dann könnte es durchaus noch klappen. Eine berühmte Persönlichkeit sagte mal zu mir, Fußball ist ein gerechter Sport. Ich hoffe auf die Gerechtigkeit.
Karsten Kellermann sprach mit Thomas Ludwig, dem Vorsitzenden des Gladbacher Fanprojekts.
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