Borussia Mönchengladbach: "Er ist schon eine Persönlichkeit"
zuletzt aktualisiert: 09.11.2011Mönchengladbach (RP). Meister-Torwart Wolfgang Kleff über Marc-André ter Stegen: Die Reise zur U21-Nationalmannschaft hat Marc-André ter Stegen abgesagt, bevor er eingeladen wurde, seiner schmerzenden Zähne wegen.
Auf diese biss er indes in Berlin und half Borussia 2:1 bei Hertha BSC zu gewinnen. Der 19-Jährige ist, seit er im April beim Derby-Sieg gegen Köln (5:1) ins Gladbacher Tor kam, ein Garant des Aufschwungs im Borussia-Park. Karsten Kellermann sprach mit Gladbachs früherem Meister-Torwart Wolfgang Kleff, der am 16. November 65 wird, über ter Stegen.
Wie gut ist Marc-André ter Stegen?
Kleff Er hat großen Anteil daran, dass es bei Borussia im Moment so gut läuft. Er hat trotz seiner erst 19 Jahre einen ausgeprägten Charakter, ist schon eine Persönlichkeit. Das ist keine Lobhudelei, sondern das sind die Tatsachen, die ich sehe. Er strahlt viel Sicherheit aus und ist ein guter Fußballer. Das heißt, er kann Situationen besser einschätzen, als ein Torwart, der kein guter Fußballer ist.
Haben Sie früher auch mal im Feld gespielt?
Kleff Ja. Ich habe in der Jugend in der einen Mannschaft im Feld gespielt und im nächsten Spiel dann im Tor gestanden. So bekommt man ein gutes Gefühl für das Spiel. Und bei Hennes Weisweiler habe ich immer in der Elite-Gruppe beim vier gegen zwei mitgemacht. Da musste man gut am Ball sein, Pässe mit der Innenseite waren verpönt.
Wie wichtig ist ein guter Torwart für eine Mannschaft?
Kleff Er ist ganz zentral. Ich habe immer gesagt, der Torwart ist so etwas wie der Direktor in einem Team. Wenn er einen Fehler macht, ist es zu 90 Prozent ein Tor. Darum muss man immer besonders konzentriert sein und muss jede Sekunde das Spiel verfolgen. Das gibt Sicherheit, und diese Sicherheit eines Torwarts spüren auch die Stürmer, denn es signalisiert ihnen: ,Du kriegst den Ball nicht rein.' Das irritiert den Gegner und gibt dem eigenen Team die nötige Ruhe. Auf den Punkt da zu sein, gerade in Spielen, in denen man nicht so viel zu tun hat, das macht einen großen Torwart aus. Ich glaube, Marc-André ter Stegen hat das Potenzial dazu. Er ist in der Lage, auch Spiele und Punkte zu gewinnen für seine Mannschaft.
Aber er ist erst 19 – kommt da nicht auch mal ein Leistungstief?
Kleff Das kann sein und wäre normal. Er weiß ja, dass er kein Übermensch ist. Jeder macht irgendwann mal einen Fehler, aber ich glaube, er gehört zu den Torleuten, die zu ihren Fehlern stehen. Zudem hat er sich durch seine bisherigen Leistungen das Recht erarbeitet, auch mal etwas falsch zu machen. Er leistet ehrliche Arbeit, das kommt bei den Fans an. Darum wird ihm jeder verzeihen, wenn er einen Fehler macht. Wichtig ist, dass man sich dann keine großen Gedanken macht, sondern nach vorn schaut. Der nächste Angriff kommt ganz schnell, und wenn man zu lange mit sich hadert, passiert gleich der nächste Fehler. Ich habe mir immer gesagt: "Ja, das war ein Fehler, aber dabei bleibt es." Damit bin ich gut gefahren.
Ihnen stand im Nationalteam immer Sepp Maier im Weg. Kann das Marc-André ter Stegen mit Manuel Neuer auch passieren?
Kleff Es kann nun mal nur einer im Tor stehen. Ich habe immer akzeptiert, dass Sepp Maier sehr gut war und darum gespielt hat. Im Moment kommt Marc nicht an Neuer vorbei. Neuer ist der kompletteste Torwart, den ich kenne. Er hat die Ausstrahlung, die Marc in Gladbach hat, in München und im Nationalteam. Für Marc geht es darum, bereit zu sein, wenn seine Chance kommt. Er muss Geduld haben. Er hat mit seinen 19 Jahren sicher schon mehr erreicht, als er sich zu diesem Zeitpunkt erträumt hätte. Er ist Borussias unumstrittene Nummer eins.
Wolfgang Kleff machte 321 Spiele für Borussia. 1970, 1971, 1975, 1976 und 1977 war er mit Borussia Meister sowie 1973 DFB- und 1975 Uefa--Cup-Sieger.
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