Mönchengladbach: Es ist ein Gladbacher Jung'
VON ANDREAS GRUHN - zuletzt aktualisiert: 04.06.2009 - 13:36Es war so naheliegend: Borussias neuer Trainer Michael Frontzeck ist in Gladbach fast überall gern gesehen. Zwei seiner Lehrer erinnern sich an den Schüler und Fußballer. Sie erzählen, warum sie ihn an jedem Heiligabend treffen.
Skepsis machte sich Mittwoch bei Fans breit: Michael Frontzeck soll derjenige sein, der ihre Borussia, ihr Heiligtum, ans Licht führt? Aus rein pragmatischer Sicht konnte es aber keine naheliegendere Lösung geben. Frontzeck wohnt nur wenige Kilometer vom Stadion entfernt.
Der 45-Jährige Ex-Profi und Ex-Nationalspieler ist während seiner Karriere stets ein Gladbacher geblieben. Selbst während seiner letzten Amtszeit als Trainer von Arminia Bielefeld blieb er in seiner Heimatstadt wohnen. Man kann also sagen: Mehr Fohlen-Stallgeruch geht nicht.
Viele Wegbegleiter erinnern sich an einen freundlichen Mann, dem der Erfolg nie zu Kopf gestiegen ist. In dem Gladbacher Ortsteil, in dem Frontzeck lebt, lässt er sich gerne mal in der Gaststätte blicken und diskutiert mit Nachbarn über Fußball. Für einen Profitrainer sicherlich eine Ausnahme. Aber so war er nach Auskunft von Freunden immer schon.
Meister der Schulmannschaften
Frontzeck wuchs in Odenkirchen an der Kamphausener Höhe auf. Er machte sein Fach-Abitur am Gymnasium Odenkirchen. Mit einigen Leuten dort ist er noch heute befreundet. Sein erster Trainer damals war Jochen Schmidt, Trainer und Mathe-Lehrer. 1980 trainierte Schmidt die Mannschaft um Frontzeck, die im Berliner Olympiastadion Deutscher Meister der Schulmannschaften wurde. In dieser Mannschaft, wie auch bei der Spielvereinigung Odenkirchen war Frontzeck stets der auffälligste Spieler. Erst spät, als B-Jugendlicher, wechselte er zu Borussia.
Seit diesem Titelgewinn als Schüler – dem ersten in Frontzecks Vita – trifft sich diese Meistermannschaft mit ihren zwei Trainern jedes Jahr am Heilig Abend morgens in der Sporthalle des Gymnasiums Odenkirchen. Zum Fußballspielen natürlich. "Michael ist fast immer dabei gewesen", sagt Jochen Schmidt, der sein Lehrer in Sport (Note eins) und Mathe war (Note geheim).
Jedenfalls war sein Ehrgeiz als Sportler höher als in der Schule, erinnert sich Rolf Lüpertz, früher stellvertretender Schulleiter des Gymnasiums und Schmidts Trainerkollege. Lüpertz hat Frontzeck ebenfalls in guter Erinnerung: "Er erwähnt die damalige Zeit ganz gerne. Er hat sich in Odenkirchen immer wohl gefühlt."
Frontzecks Eltern (Vater Friedhelm gewann mit Borussia 1960 den DFB-Pokal) wohnen heute in Liedberg-Steinhausen und sind mit dem Stammverein Odenkirchen 05/07 immer noch eng verbunden.
All dies qualifiziert Frontzeck natürlich noch nicht dazu, ein guter Fußballtrainer zu sein. Seine Lehrer sind davon jedoch überzeugt: "Wenn man ihm Zeit gibt, etwas aufzubauen, ist er der Richtige", sagt Lüpertz, der beim DFB in der Schulsport-Kommission sitzt.
Jochen Schmidt hat sich am Mittwoch, als er von Frontzecks neuem Job erfuhr, "gefreut, aber auch erschrocken". "Er ist jetzt Trainer mitten in seinem Umfeld", sagt Schmidt. "Das ist eine ziemlich große Verantwortung."
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum









