Borussia Mönchengladbach: Favre macht Druck
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 02.07.2011Borussia Mönchengladbach (RP). Borussias Trainer wählte nach dem 1:2 im Testspiel gegen Greuther Fürth ungewöhnlich deutliche kritische Worte. Es scheint, als genüge der Kader noch nicht seinen Ansprüchen.
Lucien Favre räusperte sich. Und dachte nach. Das erste Testspiel der Vorbereitung war gerade vorüber, und Borussias Trainer wurde gefragt, was er von der Darbietung seines Teams halte. 1:2 hatte Gladbach gegen den Zweitligisten verloren. "Ich weiß nicht, was ich sagen soll", gab Favre in seinem vornehmen frankophonen Akzent bekannt. Und sagte dann etwas, was recht harsch anmutete nach einem Spiel wie diesem: "Zu wenig Technik, zu viele Ballverluste. Das gefällt mir nicht. Wir sind müde, klar. Aber wir hatten nur eine halbe Torchance. Das ist zu wenig."
Favre ist kein Mann markiger Sätze. Er verpackt seine Kritik in leisen, präzisen Worten. Nett halt, aber fordernd. Wie die Konditionsarbeit. "Wir werden ein Maximum mit dem Ball machen", hatte er vor dem Trainingslager angekündigt, und dann seine Spieler, immer mit dem Ball, hart ran genommen. Natürlich sei viel gearbeitet worden, natürlich sei der Gegner weiter in der Vorbereitung, natürlich habe er viele junge Spieler aufgeboten, natürlich habe das Team so noch nie zusammengespielt. Aber Favre ließ all das nicht gelten. Er war unzufrieden.
Und meinte wohl nicht nur das Spiel. Favre will sein Team offensiv besser machen, will technisch hochwertigen Kombinationsfußball spielen lassen. Und er will Erfolg haben. Dafür braucht er das geeignete Spielermaterial. Das, was er bislang beisammen hat, scheint noch nicht seinen Ansprüchen zu genügen. Mit seinen Worten macht er nicht nur dem Team Druck, sondern auch Sportdirektor Max Eberl. Dieser wirkte in den Tagen in Bad Wörishofen angespannt und sehr beschäftigt.
Fragen nach dem Kader mag Favre nicht beantworten, er sagt nur: "Mit dem Trainingslager bin ich zufrieden." Alle, die da waren, haben gut und fleißig gearbeitet. "Aber wir haben nicht alle Spieler hier", sagte Favre immer wieder. Dabei fehlt eigentlich nur noch Juan Arango, der bei der Copa America spielt mit Venezuela. "Wenn wir uns noch verstärken, dann in der Offensive", sagte Favre. Er scheint transferwillig zu sein. Ob der (noch nicht realisierte) Verkauf Michael Bradleys Geld für Einkäufe bringen würde, "weiß ich nicht", sagte Favre. Dass die Ausleihe von Joshua King fraglich ist (noch gibt es keine Ergebnisse von dessen Adduktoren-Operation in Manchester), "ist ärgerlich".
Arangos Abwesenheit schafft ein Problem im linken offensiven Mittelfeld. Oscar Wendt könnte dort spielen. "Aber ich habe ihn in dieser Position noch nicht gesehen", sagt Favre. Dennis Dowidat ist talentiert, aber unerfahren. Der Testspieler Asmir Kajevic ist offenbar keine Option. "Wir brauchen eine bessere Lösung. Er kann uns nicht sofort helfen", sagt Favre. Er will nichts dem Zufall überlassen. Borussias Kader hat sicherlich Potenzial, aber es gibt auch reichlich Fragezeichen. Gladbach ist eine Wundertüte. Aber Favre, der akribische Arbeiter, mag keine Überraschungen. Und schon gar keine bösen.
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