Borussia: Favre nimmt es ganz genau
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 26.06.2011 - 17:05Lucien Favre ist Schweizer. Und die sind nun mal für ihre Genauigkeit bekannt. Was dem Mann, der in Bad Wörishofen für die Pflege der städtischen Fußballplätze verantwortlich ist, am Sonntag einige Arbeit bereitete. Beim ersten Training der Borussen stellte Favre fest, dass die Bälle nicht so rollten wie gewünscht.
Steffen Korell, der Teammanager, rief flugs in Mönchengladbach an und erkundigte sich bei Borussias Platzwart Schorsch Vievers, wie lang die Halme im Borussia-Park sind. 25 Millimeter sind es, und damit vier weniger als in Bad Wörishofen. Sogleich kam die Order, den Rasen, auf dem die Gladbacher derzeit üben, auf Heim-Länge zu stutzen. Im Stadion hatte Favre schon längst die Rasenkürzung von 28 auf 25 Millimeter angeordnet. Präsident Rolf Königs, der am Sonnt wie auch die Vize-Präsidenten Rainer Bonhof und Siegfried Söllner in Bad Wörishofen ankam, gefällt Favres Genauigkeit: "Top", sagte der Vereins-Boss.
Favre will das Passspiel der Seinen schulen, und das unter optimalen Bedingungen. Der Ball rollt nach der „Rasur“ wie gewünscht. Allerdings stiegen die Temperaturen, und um ein Austrocknen des Trainingsfeldes zu verhindern, musste der Platzwart nochmal ran und wässerte Sonntagmittag nochmal den Rasen. "Dafür musste allerdings die Sprenger-Anlage vom Hauptplatz verlegt werden. Wir tun alles, damit die Borussen beste Bedingungen haben. Wenn wir den Rasen rot färben sollten, würden wir es machen", sagte Axel Morel. Der Krefelder betreut die Borussen in Bad Wörishofen. Nun, der Rasen bleibt grün.
Dafür wurde das Nebenspielfeld, auf dem Torwarttrainer Uwe Kamps mit den Ballfängern trainiert – bis Sonntag war es Christofer Heimeroth und Janis Blaswich, Montag kommt die neue Nummer eins, Marc-André ter Stegen, dazu – mit weißen Linien versehen. Kamps will mit den Torhütern unter realistischen Bedingungen trainieren, darum wurde ein Strafraum "aufgemalt". Die ersten, die sich darin tummelten, waren vor dem Nachmittagstraining,das um 16.30 Uhr begann, Sportdirektor Max Eberl und Steffen Korell. Der eine flankte, der andere trat den Ball gekonnt ins Tor, dann ging es anders herum. Beim Training wurden die Borussen verkabelt, um ihre Belastungswerte zu ermitteln.
Bevor sich die Borussen, mit deren Lakat-Werten Lucien Favre zufrieden ist, am zweiten Tag des Trainingslagers dem Ballsport widmeten, stand ein Lauf an. Um 7.15 Uhr versammelten sich die Spieler, wurden von Busfahrer Marcus Breuer zum nahen Wald chauffiert und machten sich auf den Weg. 3,9 Kilometer ist der Rundkurs lang. Athletik-Trainer Chris Weigl gefällt er so gut, dass er die erste Laufarbeit des Trainingslager um eine halbe Runde verlängerte. Die Fußballer machten ohne zu Murren mit. Immerhin ist ihnen ein reines Lauf-Trainingslager erspart geblieben. Ein solches war zunächst geplant, wurde dann aber verworfen. "Wir wollen viel mit dem Ball arbeiten, das macht den Spielern natürlich mehr Spaß. Aber ganz ohne Läufe geht es nicht", sagte Favre. "Darum haben wir uns für eine Mischung aus allem entschieden."
Axel Morel fuhr beim Lauf mit dem Fahrrad vor, damit sich keiner im Wald verirrte. "Wenn man auf der Laufstrecke falsch abbiegt, ist man plötzlich in Kaufbeuren", sagte der 72-Jährige grinsend. Aber keiner der Borussen kam vom rechten Weg ab und alle waren pünktlich beim Frühstück. Gut gestärkt ging es dann um 10 Uhr zum ersten Training, das um 10.15 begann.
Rund um den Trainingsplatz war da schon viel Betrieb. Allerdings nicht wegen der Borussen. In der nahen Eishalle und drumherum war ein Flohmarkt. Für einen Bummel jedoch war kein Zeitfenster eingeplant in Favres Plan. Natürlich nicht. "Wir haben zwar vier Wochen Zeit bis zum Saisonstart. Aber es geht alles sehr schnell", sagte der Trainer. Und: "Die Bedingungen sind sehr gut hier in Bad Wörishofen." Das gilt nun auch für die Rasenlänge.
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