Gladbach siegt beim HSV: Feierstunde mit den Fans
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 01.11.2009 - 09:13Hamburg (RPO). Borussias Fans wollten die Mannschaft sehen. Der 3:2-Sieg beim Hamburger SV war schon mehr als eine Stunde Fakt, doch die Gladbach-Freunde harrten noch aus, ganz rechts in der Südkurve der imposanten Hamburger Arena. Die Geduld wurde belohnt. Trainer Michael Frontzeck beorderte die Seinen nach dem Duschen nochmal auf den Rasen.
"Wir haben mit den Fans die Humba gemacht", berichtete später Marco Reus. Der 20-Jährige hatte die Führung der Hambuger durch Piotr Trochowski (13.) in der 39. Minute ausgeglichen. Nach dem schockierenden 2:1 des HSV durch den präzisen Freistoß von Ze Roberto zwei Minuten nach der Pause drehten Dante (76.) und der eingewechselte Rob Friend (82.) die Partie noch zu Gunsten der Gladbacher. Es war der erste Sieg nach zuvor fünf Niederlagen in Folge und dem 0:0 gegen Köln.
"Wir haben nicht aufgesteckt, haben konsequent nach vorn gespielt und verdient gewonnen", sagte Kapitän Tobias Levels. Der Blondschopf hatte sich als kämpferisches Vorbild hervorgetan. Doch "alle haben bis zum Ende alles gegeben", so Levels, der sich wunderte, warum David Jarolim, der ihn am Strafraum umgerissen hatte, einen Freistoß statt einer Roten Karte bekam.
Levels war nicht zimperlich in seinen Zweikämpfen und aktiv nach vorn. Der Venezolaner Juan Arango war mit zwei Assists maßgeblich am Erfolg beteiligt, Reus und Friend behielten kühlen Kopf, als sich ihnen die Chance bot. Und Dante, der beim 0:1 nicht gut aussah, weil er und Roel Brouwers Jonathan Pitroipa Trochowski den Ball vorlegen ließen, rammte die Kugel mit großer Entschlossenheit mit dem Kopf ims Netz. Damit setzten sie die Zeichen, die Vize-Präsident Rainer Bonhof vor dem Spiel gefordert hatte. Das gesamte Team war sehr engagiert, stand kompakt und entwickelte eine geordnete Initiative nach vorn.
"Endlich eine schöne Heimfahrt"
"Ob dieses 3:2 der Durchbruch ist, wird sich zeigen. Aber es ist der Sieg, den wir dringeng gebraucht haben", sagte Mittelfeldspieler Michael Bradley. "Endlich ist es mal wieder eine schöne Heimfahrt", freute sich Verteidiger Roel Brouwers über die vorteilhaften Begleiterscheinungen des ersten Auswärtssieges der Saison. Nach dem 3:3 in Bochum hatte Gladbach in der Fremde lauter Niederlagen kassiert. Beim HSV hatte es zuletzt vor 15 Jahren einen Sieg gegeben.
Zunächst hatte es nicht so ausgesehen, als sollte sich das ändern. Gleich der erste HSV-Torschuss saß, und Borussias Angriffe entbehrten wie zuletzt der letzten Genauigkeit. Dann aber spielte Roberto Colautti perfekt in den Lauf von Marco Reus, der cool einschoss. Nach der Pause war es eine offenes Spiel, in das Borussia am Ende das entscheidende Etwas mehr investierte.
"Auswärtssieg" sangen die Fans, ein Begriff, den sie fast schon aus ihrem Wortschatz gestrichen hatten. "Vielleicht haben uns die Hamburger auch etwas unterschätzt", vermutete Michael Bradley. Der Ex-Gladbacher Marcell Jansen, der erst in der Schlussphase des flotten Spiels eingewechselt wurde, glaubt jedenfalls, dass "Borussia so nichts mit dem Abstieg zu tun haben wird".
Schon in Wolfsburg, beim Meister, hatte sich das Team von Michael Frontzeck gut verkauft, aber 1:2 verloren. "Dieses Mal haben wir uns auch belohnt", sagte Brouwers. Weswegen dann auch die Extra-Schicht vor dem Fanblock nötig wurde.
Nun kommt Stuttgart. "Wir müssen das Selbstvertrauen mitnehem. Jetzt freuen wir ins auf den nächsten Dreier" sagte Michael Bradley.
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