Borussia Mönchengladbach: Festtage im November
VON THOMAS GRULKE - zuletzt aktualisiert: 25.11.2011Borussia Mönchengladbach (RP). 5:1, zweimal 4:0, 5:2, 3:0, 3:1, 2:1 und 1:0 – sämtliche acht Bundesliga-Derbys in Köln, die bislang in diesem Monat ausgetragen wurden, hat Borussia gewonnen. Fast immer stecken besondere Triumphe hinter den nackten Zahlen.
Es waren nur noch knapp drei Minuten zu spielen, als Ulrik le Fevre sein Glück versuchte. Aus spitzem Winkel zog Gladbachs Außenstürmer ab – und sicherte der Borussia am 29. November 1969 nicht nur den 1:0-Derbysieg beim 1. FC Köln, sondern luchste damit auch dem rheinischen Rivalen die Tabellenführung ab.
Borussia war nach einem intensiven Schlagerspiel am 14. Spieltag auf dem Weg zur ersten Deutschen Meisterschaft 1970. Einen ähnlichen Saisonverlauf werden wohl selbst die kühneren Optimisten nicht prognostizieren, sollte Gladbach heute, fast auf den Tag 42 Jahre später und erneut am 14. Spieltag, in Köln (zumindest für einen Tag) mit einem Erfolg wieder die Tabellenführung erringen.
Bis 2014 mit Brouwers
Verlängert Borussia verlängerte gestern vorzeitig mit Roel Brouwers um zwei Jahre bis 2014. Brouwers ist seit 2007 Borusse.
Lob "Roel ist ein wichtiger Mosaikstein in unserem Defensivverbund, ein Musterprofi, auf den immer Verlass ist", sagte Sportdirektor Max Eberl.
Doch zumindest gibt es keinen besseren Monat als den November, um einen Sieg beim 1. FC zu feiern. Schließlich hat Gladbach sämtliche acht Bundesliga-Derbys in Köln gewonnen, die bislang in diesem Zeitraum ausgetragen wurden. Und es waren zumeist Festtage mit außergewöhnlichen Leistungen. Auch den allerersten ihrer heute bereits 21 Auswärtssiege in Köln feierte Borussia im November.
Herbert Laumen und Günter Netzer drehten am 26. November 1966 den 0:1-Rückstand aus der ersten Minute in einen 2:1-Erfolg. Ein Jahr später, am 25. November 1967, gewann Borussia nach Rückstand gar 5:2. Dabei erzielte Peter Meyer am 15. Spieltag seine Saisontore 18 und 19 - bis heute der Bestwert zu diesem Saisonzeitpunkt in der Bundesliga. Einen noch heute gültigen Rekord stellte auch Uli Sude in einem November-Derby auf. 1984 parierte Gladbachs Torwart binnen neun Minuten zwei Elfmeter (in der 13. Minute gegen Stephan Engels und in der 22. Minute gegen Klaus Allofs) und trug damit seinen Teil zum 5:1, dem höchsten Auswärtssieg in Köln, bei.
"Köln – da stellen sich einem die Nackenhaare auf, da muss kein Trainer mehr was sagen", sagte Sude jüngst dem "Kicker". Ähnlich klar gingen die beiden Derbys an einem 13. November aus. 2010 gab Borussia in einer Wasserschlacht die Rote Laterne durch das 4:0 (zwei Tore durch Raúl Bobadilla) an die Kölner weiter. Und auf den Tag genau 17 Jahre zuvor entzauberten die Fohlen um ihren dreifachen Torschützen Martin Max den Erzrivalen mit dem gleichen Ergebnis. Den vierten Treffer erzielte damals Köln-Schreck Peter Wynhoff nach einem herrlichem Alleingang.
"Klar habe ich gern gegen Köln gespielt. Der FC hatte immer Angst vor uns", erinnerte sich einmal der Derby-Experte, dem ein ähnliches Tor auch 1994 beim 3:1-Sieg der Gladbacher glückte. Fehlt in der Liste noch der 3:0-Sieg 1976, der eine pikante Randnotiz enthält: Auf der Kölner Trainerbank saß erstmals Hennes Weisweiler, der die Premiere gegen seine ehemaligen Schützlinge klar verlor. Jupp Henyckes (2) und Rainer Bonhof schossen das deutliche 3:0 heraus, womit Borussia auch nach dem 12. Spieltag ungeschlagen blieb – und einen weiteren Schritt Richtung fünfter Deutscher Meisterschaft tat.
Seit jener Zeit sind sie rar geworden, die Tage an der Spitze der Liga. Heute Abend bietet sich die Gelegenheit, in Köln den ersten Platz zu erobern. Und an einem Novembertag sollte das doch für die Borussen auch möglich sein. Marco Reus und Co. müssen ihre Chance beim Schopfe packen. So wie Ulrik le Fevre beim 1:0 vor 42 Jahren.
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