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  Foto: dapd, dapd
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Borussia Mönchengladbach: Freiburg beendet Gladbacher Höhenflug

VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 01.10.2011 - 17:28

Freiburg (RPO). Perfektes Wetter mit praller Sonne und fast 28 Grad, der Schwarzwald als malerische Kulisse: Borussias Ausflug in den Breisgau zum SC Freiburg hatte beste Rahmenbedingungen. Allerdings begann die Geschichte mit einer schlechten Nachricht. Kapitän Filip Daems, zuletzt Siegtorschütze gegen den 1. FC Nürnberg und in ausgezeichneter Form, konnte nicht spielen.

Eine nicht verheilte Wunde am Schienbein stoppte den Belgier – und machte den Weg frei für Oscar Wendt. Der Schwede kam somit zu seinem Debüt im Gladbach-Trikot. Wendts Anwesenheit auf dem Rasen war die einzige Änderung im Vergleich zum 1:0 gegen Nürnberg.

Martin Stranzl, der gegen den „Club“ zurückgekehrt war, weil Roel Brouwers verletzt war, blieb er im Team, Brouwers saß auf der Bank. Auch Thorben Marx hat aktuell Havard Nordveit auf der „Sechser“-Position verdrängt, er spielte zum dritten Mal in Folge von Beginn an. Mit dem vierten Sieg in Serie wurde es für die Mannschaft von Trainer Lucien Favre aber nichts, im Gegenteil.

Wie schon in den beiden Spielzeiten zuvor, als es jeweils ein böses 0:3 gab, verlor Borussia beim Sport-Club , dieses Mal 0:1. Für Oscar Wendt war es also ein misslungener Einstand beim neuen Arbeitgeber. Daran konnte auch der herrliche Sonnenschein im touristenüberfluteten Freiburg (es gab für dieses Wochenende kaum noch freie Hotelzimmer) nichts ändern.

Wendt, der vor einigen Tagen mit diesem Fortschritt noch nicht gerechnet hatte, hatte sich indes gut vorbereitet auf seine Chance. „Ich arbeite im Training hart und wenn die Chance kommt, will ich sie nutzen“, hatte der 25-Jährige noch am Dienstag gesagt. Nun war die Gelegenheit da – und er wollte helfen, den Höhenflug seines Teams fortzusetzen.

„Wir haben eine Mannschaft mit viel Potenzial“, weiß Wendt, und nun wollte er seine Qualitäten beisteuern: Defensiv hinten links dicht machen und nach vorn Flanken produzieren. Die erste gab es nach fünf Minuten: Wendt kam an der Grundlinie durch, seine Hereingabe wurde aber abgeblockt. Die Sicherheit, die Filip Daems ausstrahlt, hatte er jedoch über die 90 Minuten nicht, was sich zeitweise auf die gesamte Viererkette auswirkte.

Borussia ging die Sache mit Bedacht an. Um das Freiburger Kombinationsspiel im Keim zu ersticken, schob sich die defensive Viererkette weit nach vorn, um die Räume zu verdichten. Auf dem ohnehin schon kurzen Platz in Freiburg (nur 100,5 Meter lang) wurde somit der Spielfeld nochmal „verkleinert“. Favre hatte den Platz um 14.45 Uhr noch schrittweise ausgemetert, wurde an der Mittellinie aber von der Sprenkleranlage gestoppt, den fehlenden Rest schätzte der Schweizer.

„Wir wollen aber auch nach vorn etwas machen“, hatte Favre angekündigt. Den Nachweis erbrachte Marco Reus nach 12 Minuten. Sein Schuss nach Juan Arangos Steilpass wurde aber abgefälscht. Freiburges Defensive, die der Bilanz nach schlechsteste der Liga, offenbarte in dieser Szene aber jene Schwächen, die Borussia zu ihren Gunsten nutzen wollte: Reus hatte nach Arangos Zuspiel sehr viel Freiraum. Den hatte in der 19. Minute auch der Freiburger Johannes Flum. 

Als der Sport-Club mit seinem Kurzpassspiel nicht wirklich etwas zu Wege brachte, nutzte Flum das Stilmittel des brachialen Distanzschusses zur 1:0-Führung. Thorben Marx hatte den Ball allerdings unhaltbar für Marc-André ter Stegen abgefälscht. Ein Tor, das ein wenig überraschend fiel, denn Borussia war zuvor durchaus spielbestimmend.

Für Freiburg war es der erste Torschuss des Spiels und für Gladbach war es das erste Gegentor nach 315 Minuten. Nun war Borussias in den vergangenen Wochen erworbenes Selbstvertrauen gefordert. Zunächst jedoch war da die Verwirrung, sogar ter Stegen ließ sich anstecken, als er einen Ball prallen ließ. Freiburg durfte noch kecker aufspielen, Gladbach verlor minutenlang den Faden, es lief nicht mehr so rund wie zuletzt. Borussia war gezwungen, sich wieder ins Spiel reinzukämpfen. In der 31. Minute setzte Igor de Camargo dann aber wieder ein positives Zeichen – sein Linksschuss flog jedoch klar am Tor vorbei.

Borussia fehlte die Ballsicherheit, mit der sie in den vergangenen Wochen geglänzt hatte. Einige Aktionen waren zu hektisch, die entscheidenden Pässe zu ungenau, einige Bälle gingen daher verloren. So gab es auch zu wenig klare Aktionen in Richtung Freiburger Tor. Marx versuchte es in der 40. Minute aus der Ferne, doch Oliver Baumann hielt glänzend. Insgesamt war Borussia zu wenig zwingend vor der Pause, um den Rückstand ausgleichen zu können. So gesehen führte Freiburg verdient.

Das wollten die Gladbacher nach dem Seitenwechsel ändern. Marco Reus kam in der 47. Minute zum Schuss, verzog den Ball aber. Mit Ballstafetten versuchten die Gäste das Spiel, das kein sonderlich hohes Niveau hatte, in den Griff zu bekommen. Roman Neustädter, der zuletzt so umsichtig dirigiert hatte, konnte jedoch nicht entscheidend Sinn stiften.

Auch Thorben Marx war darum bemüht, doch in letzter Konsequenz fehlten die zündenden Ideen aus der Tiefe des Raumes. Da zudem Juan Arango ein kreatives Loch hatte, taten sich die Borussen schwer, Freiburg entscheidend auszuspielen. Freiburg verlagerte sich mehr und mehr aufs Konterspiel, wohl auch hoffend auf den ausgeprägten Torinstinkt von Papiss Cissé, von dem auch Lucien Favre sagt: „Er ist unglaublich.“ Einen ersten Kopfball konnte Cissé in der 50. Minuten setzen, den Marc-André ter Stegen stark parierte – doch Schiedsrichter Markus Schmidt hatte ohnehin eine Abseitsposition gesehen.

Dass es nicht so recht lief bei den Borussen, wurde in der 62. Minute deutlich. Mike Hanke saß nach seiner misslungenen Aktion auf dem Hosenboden und warf entnervt die Arme in die Luft. Sekunden später kam Raúl Bobadilla für ihn. Der „Büffel“ aus Argentinien hatte zuletzt stets für neuen Elan gesorgt nach seinen Einwechslungen, darauf setzte Favre auch dieses Mal.

Bobadilla brachte sich gewohnt engagiert ein, schoss in der 71. Minute auch erstmals aufs Tor, doch dies zu schwach, um den sicheren Oliver Baumann zu bezwingen. „Boba“ holte fortan einige Freistöße am linken Flügel heraus, war den Freiburger Fans nicht gefiel. Einen davon beförderte der aufgerückte Dante gefährlich auf des Gegners Tor, doch wieder war Baumann da (75.).

Freiburg kommte sich am Ende bei dem Torhüter bedanken, dass es beim 1:0 blieb. Die Borussen wurden erst mal gestoppt. Nun ist Länderspielpause, das gibt Favre genug Zeit, seine Mannschaft wieder aufzubauen, bis am 15. Oktober Bayer Leverkusen in den Borussia-Park kommt. 


Statistik

Freiburg: Baumann - Mujdza, Barth (46. Butscher), Krmas, Bastians (81. Nicu) - Flum, Schuster - Putsila, Makiadi, Abdessadki (90.+2 Daniel Caligiuri) - Cisse. - Trainer: Sorg

Mönchengladbach: ter Stegen - Jantschke (82. Herrmann), Stranzl, Dante, Wendt - Marx (69. Nordtveit), Neustädter - Reus, Arango - Hanke (62. Bobadilla), de Camargo. - Trainer: Favre

Schiedsrichter: Markus Schmidt (Stuttgart)

Tor: 1:0 Flum (19.)

Zuschauer: 24.000 (ausverkauft)

Beste Spieler: Flum, Baumann, Schuster - Dante, Arango

Gelbe Karten: Krmas (2), Flum (3) - Marx, Bobadilla (4)

Erweiterte Statistik:

Torschüsse: 7:19

Ecken: 4:7

Ballbesitz: 43:57 Prozent

Fouls: 21:17

Quelle: RP

 
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