Borussia Mönchengladbach: "Frontzeck ist ein guter Trainer"
zuletzt aktualisiert: 22.01.2011Borussias Flügelmann Marco Reus spricht mit unserer Redaktion über das Spiel gegen Bayer Leverkusen, die Qualitäten eines Trainer und der Mannschaft und seine Überzeugung, dass das Gladbacher Team auch in der nächsten Saison in der Bundesliga spielt.
Hat Sie Ihr Dortmunder Kumpel Kevin Großkreutz angerufen und geärgert, weil er mit dem BVB Erster ist, und Sie mit Borussia Letzter?
Reus Nein. Wir kennen uns gut und da gibt es keinen Grund, sich gegenseitig zu ärgern. Ich gönne Kevin die Erfolge. Aber für mich ist der Abstiegskampf eine wichtige Erfahrung und ich bin nach wie vor stolz, ein Teil dieses Teams zu sein.
Sie sind sogar einer der Stars in Gladbach. Als Sie aus Ahlen kamen, ging alles sehr schnell – sind Sie froh, dass es etwas ruhiger um Sie geworden ist.
Reus Nein, ich kann schon damit umgehen, was letzte Saison passiert ist. Ich bin Realist und habe genug Leute, die mich auf dem Boden halten. Ich weiß genau, was ich kann und was nicht. Vor allem aber weiß ich, dass ich mich überall noch verbessern kann. Daran arbeite ich jeden Tag.
Auffällig war, dass Sie gleich auch sauber nach hinten gearbeitet haben. Für einen jungen Offensivmann ist das nicht selbstverständlich.
Reus Vor drei Jahren waren wir mit Ahlen im Abstiegskampf. Das war meine erste Saison als Profi. Damals haben mir meine Kollegen, zum Beispiel Marcel Busch, sehr geholfen. Es macht mir nichts aus, nach hinten zu arbeiten.
Sind Sie lieber zweite Spitze oder Außenbahnspieler?
Reus Das ist mir egal. Ich will spielen und auf jeder Position meine beste Leistung bringen.
Auch, wenn Trainer Michael Frontzeck Sie zum rechten Verteidiger machen würde?
Reus Wenn der Trainer das sagt, dann werde ich da spielen. Auch auf der Position kann man was bewegen. Früher in der Jugend, aber ganz am Anfang, in der F-Jugend, war ich Innenverteidiger.
Das ist auch Roel Brouwers. Er war der erste in Gladbach, den Sie aus ihrem neuen Team getroffen haben...
Reus (grinst) Ja, richtig. Ich war ja noch angeschlagen, als ich kam. Wir hatten montags das erste Training, ich war Sonntag da zur Behandlung. Da kam Roel rein und fragte: ,Spielt ihr heute?' ,Wie?', fragte ich. ,Spielt die A-Jugend heute?', fragte Roel. Ich dachte mir: ,Das geht ja gut los!'
Gut los ging auch diese Saison. Am zweiten Spieltag gab es ein 6:3 in Leverkusen, das morgen nun zum Rückspiel in den Borussia-Park kommt. Das Spiel bei Bayer dürfte eine der wenigen schönen Erinnerungen an die Hinrunde sein?
Reus Ja, mit dem DFB-Pokalspiel, das wir im Elfmeterschießen gegen Leverkusen gewonnen haben.
Zwei Spiele, zwei Siege gegen Leverkusen – ist Borussia gegen Bayer morgen Favorit?
Reus Das denke ich nicht. Leverkusen hat eine tolle Mannschaft. Aber wir haben in Nürnberg gewonnen und Selbstvertrauen getankt. Wenn wir so aggressiv spielen wie dort, kann was gehen. Wir haben in Nürnberg gut gespielt, vor allem in der ersten Halbzeit, und darum war der Sieg verdient, trotz des gehaltenen Elfmeters und des Schiedsrichters, der wohl nicht seinen besten Tag hatte.
Es war ein wichtiger Sieg für ganz Borussia, aber auch für Trainer Michael Frontzeck. Ist Frontzeck ein guter Trainer?
Reus Ja. Er bringt die Leidenschaft mit, die wir auf dem Platz brauchen. Er ist genau der richtige Trainer für Gladbach, nicht nur wegen seiner Vergangenheit hier. Und ich finde, wir haben uns im Vergleich zur Vorsaison sogar in einigen Bereichen verbessert?
Tatsächlich?
Reus Spielerisch, ja, das kann man deutlich erkennen.
Wie kann es dann sein, dass Borussia als abgeschlagener Letzter in die Winterpause gegangen ist?
Reus Durch die vielen Verletzungen konnten wir keine drei, vier Spiele am Stück in der gleichen Aufstellung machen. Es ist für unser Team wichtig, dass alle fit sind. Außerdem haben wir einige Spiele verloren, weil wir nicht clever genug waren.
Ist es nicht zum verrückt werden, wenn wochenlang nichts geht?
Reus Klar, das war nicht einfach für uns alle. Dennoch hat es im Team immer gestimmt. Wir haben uns neu aufgestellt und sind alle davon überzeugt, dass wir die Klasse halten werden. Wir haben die Qualität.
Dennoch: Haben Sie sich schon die Landkarte der Zweiten Liga angeschaut?
Reus Nein.
Sie haben bis 2015 verlängert. Was musste Borussia dafür tun?
Reus Nichts. Wir haben uns schnell geeinigt.
Gibt es eine Ausstiegsklausel?
Reus Nein. Ich werde alles tun, dass ich meinen Vertrag erfülle. Das ist meine Mentalität.
In Interviews wirken Sie sehr ruhig, privat sollen Sie ein Spaßvogel sein.
Reus Ich bin wie ich bin. Lustig, gut drauf, immer für einen Scherz zu haben. Fabian Bäcker, Roman Neustädter und ich haben uns Spitznamen für das ganze Team ausgedacht. Das war eine Riesengaudi. Das gehört doch dazu, auch wenn es nicht so gut läuft wie in der Hinrunde. Wir haben eben eine gesunde Mannschaft.
Gibt es auch einen Spitznamen für den Trainer?
Reus Nein. Das gehört sich nicht. Dem Trainer sollte man mit Respekt begegnen.
Welcher Spitzname hat Ihnen am meisten Freude bereitet?
Reus Der von Tony Jantschke. Aber ehrlich gesagt fällt er mit gerade nicht mehr ein.
Tony Jantschke war Anfangs Ihr Fahrer...
Reus Ja, das war echt klasse von Tony. Aber jetzt habe ich einen Führerschein. Vorher bin ich halt viel Zug gefahren. Zum Beispiel von Ahlen nach Dortmund, zusammen mit Kevin Großkreutz. Er hatte da auch noch keinen Führerschein. Wir haben den fast zeitgleich gemacht.
Und am Ende der Saison wollen Sie beide was zu feiern haben: Er die Meisterschaft, Sie den Klassenverbleib.
Reus Ja.
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