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Die Säulen der Borussia: Fünf starke Argumente gegen Bayern

zuletzt aktualisiert: 20.01.2012 - 00:01

Mönchengladbach (RPO). Borussia Mönchengladbach ist gegen Bayern München auf dem Papier Außenseiter. Es gibt aber Gründe, die für einen Sieg der "Fohlen" sprechen.

Marc-Andre ter Stegen

Gladbach gegen Bayern ist das Duell der besten Torhüter der Hinrunde. Borussias Marc-Andre ter Stegen hat in den ersten 17 Spielen dieser Saison nur elf Gegentore bekommen, Bayerns Manuel Neuer zehn. Doch das erste direkte Duell der beiden Schlussleute endete 1:0 für ter Stegen, es war das Hinspiel in der Allianz-Arena, das Gladbach mit eben diesem Ergebnis gewann – auch wegen ter Stegen. Bei seinem Debüt als Borussias Nummer 1 machte ter Stegen, gerade 19 Jahre alt, ein ausgezeichnetes Spiel. Er strahlte viel Ruhe aus und hielt sicher. Ter Stegen liebt die großen Herausforderungen.

Ein Spiel gegen den Rekordmeister ist für einen Torwart immer eine große Herausforderung. Ter Stegen hat das Zeug, Punkte ganz allein festzuhalten. Das hat er bewiesen. Noch sechsmal blieb er nach dem Triumph in München ohne Gegentor, im Borussia- Park ließ er bisher nur sechs Treffer zu. Ter Stegen wird alles dafür tun, dass das verflixte siebte Gegentor im „Park“, wie er zu sagen pfl egt, heute nicht fällt. Wenn die Experten richtig liegen, ist das Treffen von ter Stegen und Neuer auch ein Vorgeschmack auf den künftigen Zweikampf um die Nummer 1 im DFB-Team. Das jedoch ist heute kein Thema. Es geht um eine perfekte Rückkehr in die Saison. Die will ter Stegen seiner Mannschaft ermöglichen, indem er die Bayern ärgert, indem er wieder die Null festhält.

Marco Reus

Marco Reus hat gute Gründe, die Bayern zu ärgern. Erstens, weil er in der neuen Saison für Dortmund spielt und im Juli gern zum amtierenden Meister wechseln würde. Ein Sieg mit seiner aktuellen Borussia könnte seiner künftigen Borussia helfen. Zweitens haben die Bayern gesagt, dass Reus nicht zu ihnen gekommen sei, weil er Angst vor der Konkurrenz habe. Reus lassen solche Dinge kalt, er antwortet auf seine Art – wie beim bösartigen Tritt des Schalkers Jermaine Jones auf seinen verletzten Zeh: Reus schoss zwei Tore. Drittens will Reus den Fans zeigen, dass er noch alles geben will, bevor er ein Schwarz- Gelber wird. Und wie kann man das besser beweisen als mit Toren gegen Köln und den FC Bayern?

So würde Reus den Bayern zeigen, was sie nicht bekommen haben – wobei sie es eigentlich ganz genau wissen. Dass Reus viertens Gladbach als Europa-Klarmacher verlassen will, versteht sich von selbst. Denn irgendwie muss er sein Bekenntnis zum BVB ab nächstem Sommer ja wieder gut machen. Zumal er, wenn er hilft, den FC Bayern zu besiegen, über jeden „Judas-Verdacht“ erhaben wäre. Fünftens hat Reus Spaß am Spiel. Und Spaß macht vor allem der Erfolg. Den hatte Borussia in der Hinrunde auch und vor allem dank ihres Geschwindigkeitsfußballers. Das hat neben allen reichen Klubs der Welt auch Joachim Löw, der Bundestrainer, gesehen. Bei dem will sich Reus für die Europameisterschaft im Sommer empfehlen. Das kann er ganz sicher nicht beim BVB, denn wenn er seinen Job dort anfängt, ist die EM vorüber. Ergo muss er sechstens in Gladbach weiter super sein. Löw wird sich ansehen, wie er sich gegen die Bayern schlägt. Und wird viele Pluspunkte notieren, wenn Borussia dank Reus siegt.

Roel Brouwers

Eigentlich ist Roel Brouwers ein gehorsamer Fußballprofi . Seine Stärke ist, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, dazu kommt seine taktische Intelligenz. Beim Hinspiel in München jedoch, da tat Brouwers etwas, was seinem Trainer Lucien Favre gar nicht gefällt: Er trat einen Ball weit und lang nach vorn, obwohl die Borussen eigentlich das flach gehaltene Aufbauspiel pfl egen. Der Ball flog weit und weiter, traf später den Kopf von Igor de Camargo, bevor Manuel Neuers Fäuste ihn wegboxen konnten, und hoppelte dann ins Münchener Tor zum 1:0-Sieg. Einen einzigen Assist hat Brouwers – eben diesen langen Ball, den er in München spielte.

Doch Brouwers bereitete nicht nur das Siegtor vor, sondern machte auch, wie die Verteidiger-Kollegen Dante, Filip Daems und Tony Jantschke, hinten dicht. Brouwers weiß also, wie man die Bayern schlägt – und irgendwie könnte es ein gutes Omen sein, dass Dante sich ausgerechnet im letzten Hinrundenspiel die fünfte Gelbe Karte einhandelte und nun gesperrt ist. Sonst wäre Brouwers nur der dritte Mann. So aber ist er mittendrin und will helfen, die Bayern zu besiegen. Da Brouwers kurz vor Weihnachten Vater geworden ist, ist er ganz sicher erpicht darauf, seinem Sohn Finn möglichst bald ein Tor zu widmen. In der Vor-Vor-Saison hat er acht Tore geschossen, manch einer spekulierte, er würde Stürmer werden. Brouwers tat es nicht. Er wird auch heute vor allem defensiv denken und arbeiten. Tut er das ähnlich gut wie beim Hinspiel in München, wäre das ein Ärgernis für die Bayern.

Juan Arango

Er ist ein Phänomen, dieser Juan Arango. Vier Tore hat er in dieser Saison in der Liga und im Pokal geschossen, drei davon wurden von Borussias Fans zum Tor des Monats gewählt. Bemerkenswert: Juan Arango traf meist in Topspielen: gegen Bremen und Schalke sowie in Köln. Und nun ist wieder eins – gegen die Bayern. Der richtige Zeitpunkt also für den nächsten Arango-Zauber. Beide Teams haben Super-Vorbereiter, doch einen direkten Vergleich gibt es heute nicht: Acht Tore hat der Münchener Franck Ribery eingeleitet, ist aber heute gesperrt; sechs Treffer hat Juan Arango vorbereitet. Tatsächlich ist der Venezolaner ein Mann für die genialen Momente.

Seine Pässe können eine Abwehrreihe zerteilen wie ein scharfes Messer ein Stück weiche Butter. Juan Arango hat ein Gespür für die Laufwege seiner Kollegen, vor allem für die von Marco Reus, dem er fünf seiner zehn Tore aufl egte. Juan Arango hat also definitiv Heldenpotenzial am heutigen Abend. Das Gefühl, als Underdog ins Spiel zu gehen, kennt er von seinem Nationalteam: Venezuela ist gegen die Giganten des südamerikanischen Fußballs immer der "Kleine“, trumpfte aber zuletzt bei der Copa America auf und besiegte in der WM-Qualifikation Argentinien. Auch das 1:0 von München wird er nicht vergessen haben. Da hat Juan Arango vor allem gut nach hinten gearbeitet. Das ist eine Gabe, die sich der Künstler unter Lucien Favre angeeignet hat. Auch heute wird es auf sein defensives Mittun ankommen, um die eigene Abwehr zu entlasten. Gelingt erneut ein Sieg gegen die Bayern, wäre es ein guter Zeitpunkt für ein Debüt: Denn die Humba vor der Nordkurve hat Arango noch nie intoniert. Er ist eher ein stiller Genießer.

Die Fans

Mönchengladbachs Fans sind heiß auf das Team, das ihnen in den vergangenen zwölf Monaten so viel Freude gemacht hat. Die Borussen-Freunde haben auch gemerkt, was man gemeinsam bewegen kann, der Erweckungsmoment war das erste Relegationsspiel gegen den VfL Bochum, von dem jeder sagt, dass da die beste St immung im Borussia- Park seit dem Umzug vom Bökelberg ins neue Eigenheim herrschte. Nun will Borussias zwölfter Mann gemeinsam mit den Herren in den kurzen Hosen die Bayern ärgern. Für die Fans war das 1:0 im Hinspiel ein wundervolles Erlebnis.

Der zweite Sieg bei den Bayern – davon werden die, die dabei waren, noch ihren Ur-Enkeln erzählen. Und gern würden sie die Geschichte beschließen mit der Anmerkung, dass es die zweite Saison nach 1995/96 war, in der Gladbach sechs Punkte gegen die Bayern holte. Die Profis rühmen nach jedem Heimspiel das herrliche Gefühl, das ihnen die Stimmung im Gladbacher Stadion beschert. Und tatsächlich: Wenn die Nordkurve den Geräuschpegel in Himalaya-Höhe anhebt, dann kommt unweigerlich die Gänsehaut. Was auch ein Grund ist dafür, dass Lucien Favres Ensemble wieder eine Macht ist im eigenen Heim.

Sechs von neun Spielen wurden gewonnen, keines ging verloren. In der Heimtabelle stehen nur Schalke und, ganz oben, die Bayern, vor Borussia. Beide haben wie Gladbach 21 Punkte gesammelt und sind nur ob der besseren Tordifferenz besser platziert. Zudem wäre es an der Zeit, mal wieder daheim gegen die Bayern zu gewinnen. Das passierte zuletzt am 30. Oktober 2004. Noch länger ist es her, dass Gladbach gegen Bayern ein echtes Topspiel war. Auch das statistische 70er-Jahre-Revival macht Borussias Fans stolz. Der Kurven-Klassiker für die Nordkurve: „Zieht den Bayern die Lederhosen aus!“

Quelle: seeg/csi

 
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