Borussia Mönchengladbach: Gladbach will Revanche fürs 0:7
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 05.02.2011 - 11:53Es ist einer dieser Tage, an dem sich die Zukunft entscheiden kann. Der VfB Stuttgart kommt nach Mönchengladbach, der Vorletzte der Tabelle besucht den Letzten Borussia. Zwei Klubs, die nicht damit gerechnet hatten, nach 20 Spielen nur 16 Punkte zu haben.
Nach dem ersten Vergleich beider Vereine in dieser Saison hätte niemand damit geglaubt, dass die Partie, die das Bezahlfernsehen "Sky" zum Topspiel erkoren hat und darum um 18.30 Uhr überträgt, eine der schicksalhaften Art sein würde, zumindest nicht für die VfB Stuttgart.
7:0 siegten die Schwaben. Danach schien klar: Der VfB hat das Potenzial für eine tolle Saison. Borussia hingegen, die war, inklusive des vorangegangen 0:4 gegen Frankfurt, blamiert bis auf die Knochen. 0:7 – so hoch hatte noch nie eine Gladbacher Mannschaft in der Fremde verloren.
Michael Frontzeck räuspert sich. Nein, er mag nicht über dieses 0:7 reden. So eine Schmach, die würde ein Fußballmensch gern aus dem Gedächtnis streichen, doch das geht nicht so einfach. Darum redet Borussias Trainer doch darüber. "Das hat jeder im Hinterkopf, die Spieler, der Trainer, die Zuschauer", sagt Frontzeck. Für die Borussen war die Reise nach Stuttgart ein wesentlicher Baustein des Absturzes in der ersten Saisonhälfte. Frontzecks System wurde pulverisiert, zudem verletzte sich Dante, der Abwehrchef, der danach nur noch einmal spielen konnte. Dante sei ein Spieler, der den Unterschied ausmacht, sagt Sportdirektor Max Eberl.
Im Rückspiel gegen Stuttgart ist Dante dabei. Gegen Leverkusen feierte er sein Comeback beim 1:3. Doch erst beim 1:0 in Frankfurt war es der richtige Dante, der da zusammen mit Martin Stranzl dicht machte. Auch Stranzl ist ein Alphatier, Borussia hat nun hinten zwei Chefs. "Die beiden machen uns von hinten raus stark", sagt Roman Neustädter, der mit dem Norweger Havard Nordtveit derzeit Borussias defensives Mittelfeld (Doppelsechs) bildet. In Frankfurt und beim 1:0 in Nürnberg blieben die Borussen ohne Gegentor: mit Glück und Geschick. "Wir waren in Frankfurt nach der ersten Halbzeit, in der es nicht so lief, in der Lage eine Antwort zu geben", sagt Frontzeck. Er will das noch nicht als "neue Qualität" definieren, dafür brauche es weitere Beweise. Zumindest aber "sind wir stabiler und haben Selbstvertrauen getankt".
Nun steht die neue Stabilität gegen Stuttgart auf dem Prüfstand. Mit einem Sieg kann Borussia einen großen Schritt nach vorn machen. Das Gladbacher Fanprojekt appelliert an die Fans, bedingungslos hinter Frontzecks Team zu stehen. Ein Aufruf, der nötig scheint, auch, weil es zuletzt gegen Leverkusen bedenklich leer war im Borussia-Park.
"In dieser Phase der Saison muss man gute Nerven haben. Jeder weiß, was in Stuttgart passiert ist, aber das sollte keine Auswirkungen auf das Spiel am Samstag haben", sagt Frontzeck. Er weiß: Punkte sind das einzige nachhaltige Argument im Abstiegskampf, und die will Borussia holen – mit dem ersten Heimsieg.
Das ist noch so etwas, was in den Köpfen der Gladbacher herumgeistert: die Sieglosserie im Borussia-Park. Gewinnt Borussia gegen Stuttgart, wäre es in vielerlei Hinsicht gut fürs Gemüt: Gladbach käme weg von Platz 18, der Heimkomplex wäre besiegt und man hätte sich für das 0:7 revanchiert. Gelingt all das nicht, wäre es ein herber Rückschlag.
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