Borussia Mönchengladbach: Gladbach zufrieden machen
VON KARSTEN KELLERMANN UND ANDRÉ SCHAHIDI - zuletzt aktualisiert: 16.05.2011Borussias Verteidiger Dante konnte Hamburgs Ruud van Nistelrooy vor dem Ausgleichstor des Hamburger SV nicht stoppen. In den beiden Relegationsspielen gegen Bochum sind keine Fehler erlaubt.
Die Weisheit des Tages ist kurz und prägnant. "Wenn ich da stehe, muss ich ihn auch haben." Sie stammt von Dante, Borussias Innenverteidiger, nach dem 1:1 in Hamburg. Gemeint war Ruud van Nistelrooy, das niederländische Torphänomen.
Irgendwas am Ruf des Stürmers in Diensten des HSV war nicht zu Dante durchgedrungen, sonst hätte der Brasilianer nicht so viel Platz im eigenen Strafraum gelassen. Am Ende bereitete van Nistelrooy den Hamburger Ausgleich vor - und Dante sah nicht gut aus. Die Szene war am Ende aufgrund der anderen Ergebnisse im Abstiegskampf zwar ein Muster ohne Wert - Borussia wäre sowieso auf dem Relegationsplatz gelandet - dennoch verdeutlicht sie, welches Risiko Trainer Lucien Favre eingeht: Mehr Kreativität – dafür weniger Sicherheit. Denn Sicherheit, die bekam Favre in Roel Brouwers.
Favres gute Bilanz
Aufgeholt Nach dem 22. Spieltag betrug der Rückstand auf den Relegationsplatz sieben Zähler. Eintracht Frankfurt und der FC St. Pauli, die Borussia nun hinter sich ließ, waren sogar auf elf beziehungsweise zwölf Punkte enteilt.
Favres Bilanz Sechs Siege, zwei Unentschieden, vier Niederlagen Schlussspurts mit zehn Punkten aus den letzten vier Spielen.
Der Niederländer stand bei den beiden 1:0-Siegen gegen Dortmund und Hannover in der Startelf, weil Dante mit einer Muskelverhärtung fehlte. Borussia stand hinten gut. Auch – und vor allem – weil Brouwers und Martin Stranzl hinten kompromisslos aufräumten. Normalerweise lautet die Devise, siegreiche Mannschaften nicht zu ändern. Favre tat es vor dem Spiel gegen Freiburg trotzdem. Er brachte Dante wieder für Brouwers.
Die Gründe sind durchaus nachvollziehbar. Dante hat das unbestritten größere Potenzial: Er ist technisch stark, kreativ, seine Qualitäten im Spielaufbau sind offensichtlich. Und er ergänzte sich gut mit Stranzl, dem Abräumer. Doch Dante ist immer auch mal für einen Bock gut. Für einen Fehlpass oder ein leichtsinniges Dribbling, vorzugsweise am eigenen Strafraum. Er wirkt mitunter wie einer, der sich ablenken lässt "Es ist nicht so einfach, hier zu spielen, wenn du ständig nach oben schaust", sagte Dante nach dem Spiel lächelnd.
Dante meinte die ständigen Ergebniseinblendungen in der Hamburger Arena – sogar die Blitztabelle erschien immer wieder auf den LED-Schirmen. Nun geht Borussia mit Dante in die beiden Abstiegsendspiele gegen den VfL Bochum. Zwei Spiele, in denen ein Fehler über Abstieg oder Klassenerhalt entscheiden kann. Zwei Spiele aber auch, in denen ein Geistesblitz den Vorsprung bringen kann. "Wir haben jetzt zwei Spiele vor uns, in denen wir Mönchengladbach wieder zufrieden machen können", sagt Dante, der seine Haarpracht im Fall des Klassenerhalts opfern will, dazu.
Auch das ist Dante: der Liebling der Gladbacher Fans. Weil er ein Typ ist, und daran mangelt es im heutigen Profi-Fußball ganz besonders. Es ist ein schmaler Grat, auf dem Trainer Favre nun wandelt. Er muss sich entscheiden. Sicherheit oder Kreativität. Bislang war der Schweizer in Gladbach der Meister der richtigen Entscheidungen. Gut möglich, dass er es auch in Sachen Dante ist.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum









