Borussia: Gladbacher Durchhalteparolen
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 05.03.2007 - 14:59Nach dem 0:1 in Wolfsburg rückt der Abstieg für die Borussia näher. Sie war die bessere Mannschaft, wurde aber nicht belohnt. Ihre Verantwortlichen finden nicht mal in den üblichen Sprüchen Trost.
Wolfsburg Jos Luhukay wirkte angeschlagen. Er hockte auf dem Podium im Presseraum des Wolfsburger Fußballstadions und schaute mit müden Augen hinunter zu den Journalisten. Das hatte sicherlich mit dem grippalen Infekt zu tun, der Borussia Mönchengladbachs Trainer seit Tagen plagt. Vor allem das 0:1 in der Autostadt dürfte jedoch dazu beigetragen haben, dass der Optimismus, den der Niederlädern sonst ausstrahlt, keinen Platz in seiner Miene hatte.
„Mönchengladbach hat nicht so gespielt wie eine Mannschaft, die auf dem 18. Platz steht“, sagte Klaus Augenthaler, Trainer des VfL Wolfsburg. Komplimente wie diese sind nett gemeint, spenden jedoch keinen Trost. Borussia war über weite Strecken die bessere Mannschaft. Das Tor des Tages schoss aber der Wolfsburger Cedric Makiadi. Der bis dahin recht gute Steve Gohouri ließ Diego Klimowicz flanken, Marcell Jansen kam gegen den Torschützen zu spät.
„Ich finde es bedauerlich, dass die Mannschaft nicht belohnt wurde. Aber was zählt, ist das nackte Ergebnis“, weiß Peter Pander. Die Kritik, die auf den Sportdirektor einprasselt, hat bei ihm Spuren hinterlassen. „Noch sind wir nicht abgestiegen. Es sind noch zehn Spiele und 30 Punkte zu vergeben“, sagte Pander dennoch.
Flugs schickte er hinterher: „Ich weiß, das sind Durchhalteparolen. Aber mehr können wir im Moment nicht tun.“ Ein Satz, der die Hilflosigkeit eines Mannes ausdrückt, der angetreten war, Borussia nach vorn zu bringen und nun den Abstieg vor Augen hat.
Auch Nationalspieler Marcell Jansen suchte nach den richtigen Worten. „Was soll ich sagen? Wenn wir jetzt den Kopf in den Sand stecken würden, wären wir fehl am Platz. Aber wenn wir kein Tor schießen, können wir auch nicht gewinnen“, sagte er. 18 Treffer in 24 Spielen, das ist eine peinliche, nicht erstligataugliche Bilanz. Natürlich fehlt Oliver Neuville, der Nationalangreifer hat sich noch nicht von seiner Leistenoperation erholt. „Vielleicht kann er diese Woche wieder ins Mannschaftstraining einsteigen“, erklärte Jos Luhukay.
Borussias Geschichte hat traurigen Seriencharakter: entscheidende Fehler hinten, vorne werden die Chancen kläglich vertan. So knallte der wenig effektive David Degen nach einer Ablage Nando Rafaels den Ball aus 16 Metern ins Netz - jedoch in das hinter dem Tor . Rafael selbst traf nur das Lattenkreuz. Unvermögen und Pech - in der Summe endet das oft im Abstieg. „Das hat wohl auch was mit Qualität zu tun“, vermutete Jansen, der aber darauf verwies, dass „damit nicht nur die Stürmer, sondern die gesamte Mannschaft“ gemeint sei.
Da im Fußball gern mit Symbolen operiert wird, wirkten die schwarzen Trikots, in denen Borussia in Wolfsburg spielte, am Ende wie Trauerkleidung. Tatsächlich gibt die Gesamtsituation zu trübster Stimmung Anlass: die Konkurrenten punkten, der Abstand zur Position „über dem Strich“ (Luhukay) ist gewachsen; der Sportdirektor ist in der Kritik, der Vertrag des Trainers und auch die wichtiger Spieler (u.a. Keller, Kluge, Delura) laufen aus, bei den Gesprächen mit diesen und möglichen neuen Männern „sind Abschlüsse in unserer Situation illusorisch“, wie Pander erklärte.
Borussias Zukunft ist derzeit kaum planbar. Schlimmer noch: Eine relative Planungssicherheit gibt es nur für die Zweite Liga. Was bleibt, ist allein das Prinzip Hoffnung: „So lange es rechnerisch möglich ist, werden wir uns nicht aufgeben“, sagte Jos Luhukay.
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