Borussia: Gladbacher Schmach: MSV setzt sich durch
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 23.09.2009 - 07:12Im Juli 2004 ist Borussia feierlich umgezogen ins neue Eigenheim, 89 Bundesligaspiele und 17 Zweitliga-Spiele gab es im Borussia-Park seither. Doch im DFB-Pokal, da durfte Gladbach nicht antreten in der schmucken Arena. Bis gestern: Das Derby gegen den Zweitligisten MSV Duisburg war die Premiere.
45.397 Zuschauer waren Augenzeugen eines vor allem am Ende intensiven Spiels, das Duisburg 1:0 gewann durch das Tor von Kristoffer Andersen in der Nachspielzeit. Andersen spielte zuvor für Borussias U23. "Das war ein ganz bitterer Abend", stellte Borussias Trainer Michael Frontzeck fest, "der Duisburger Sieg ist nicht unverdient. Es war heute eine fantastische Atmosphäre, aber wir müssen jetzt ganz schnell aus unseren Fehlern lernen."
Kollege Peter Neururer sagte: "Ich bin sehr, sehr glücklich. Unser Sieg war keineswegs unverdient. Dieses Spiel zeigt, was in der Mannschaft steckt. Wir haben in zwei Spielen zuletzt kollektiv versagt, heute waren wir kollektiv stark."
Es war ein Pokalspiel, das auch zur Verarbeitung von Negativerlebnissen beitragen sollte. Beide, Borussia und der MSV, hatten zuletzt in der Liga zweimal verloren. Der Einzug ins Achtelfinale als Balsam für die geschundenen Gemüter, das war der Plan. Zudem wollten beide Klubs einen weiteren Schritt in Richtung internationales Geschäft tun.
"Der Pokal ist der kürzeste Weg in den Europapokal", pflegt Borussias Sportdirektor Max Eberl zu sagen. Dazu ist zumindest die Teilnahme am Finale nötig: "Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin", sangen Duisburgs Fans gestern. Sieger dürfen solche Träume haben. Für Borussia sind sie definitiv beendet.
Borussia ging die Sache mit mehr Elan an: Juan Arango passte zu Raúl Bobadilla, doch der Argentinier scheiterte an Tom Starke im MSV-Tor (5.). Sieben Minuten später parierte Starke einen Schrägschuss Bobadillas, der wieder von Arango auf die Reise geschickt worden war. Duisburg, von Neururer recht offensiv aufgestellt, spielte geordneter als beim 0:3 gegen Bielefeld und pirschte sich ab und an gefährlich heran ans Gladbacher Tor. Als Änis Ben-Hatira nach 32 Minuten frei durch war, warf sich ihm Logan Bailly waghalsig vor die Füße.
Michael Frontzecks Mannschaft zog durchaus hübsch anzusehende Angriffe auf, denen jedoch oft die letzte Genauigkeit fehlte. Nur Karim Matmour (41.) und Juan Arango (44.) durften es ungestört versuchen, brachten den Ball aber nicht im Tor unter. Der MSV blieb im Spiel und lauerte auf die eine, vielleicht entscheidende Lücke im Gladbacher Defensiv-Verbund. Die bot sich wieder Ben-Hatira nach 50 Minuten, doch Bailly wehrte seinen Kopfball glänzend ab – und auch drei Minuten danach, als der Duisburger wieder frei war, entschied der geschmeidige Belgier das Duell für sich.
Hinten nicht zu sehr aufmachen, zugleich aber vorne resolut die Entscheidung suchen, das war das Dilemma der qua Ligazugehörigkeit favorisierten Mönchengladbacher. Duisburg zog Kraft aus der Konstellation und spielte immer kecker. Je länger es 0:0 stand, desto mehr wurde es ein pokaltypischer Schlagabtausch, ein umkämpftes Hin und Her, das Resultat an sich war die Spannung.
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