Unterwegs mit Borussia: Gute Erfahrungen in Spanien
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 08.01.2010 - 13:52Borussias spanische Woche ist vorbei. Sieben Tage lang (exklusive des freien Nachmitttags am Donnerstag) war die Welt der Borussen nichts als das La Cala Resort: die Zimmer, der Wellnessbereich, der Speisesaal, die Lobby, der Trainingsplatz.
Die Aussicht hinüber auf die Berge von Mijas war hübsch, doch auf Dauer eintönig, immerhin konnten die Freunde des Golfsports im Team die hübsch angelegten Grüns der Anlage bestaunen. Ein Trainingslager ist für die Fußballer ein Abtauchen aus dem Alltag. Es hat etwas Heimeliges: In der kalten Jahreszeit rücken die Kicker im vergleichsweise sonnigen und wärmeren Süden näher zusammen, sie konzentrieren sich auf nichts als sich selbst und ihren Job.
Das System Fußball ist in diesen Tagen noch geschlossener und selbstbezogener als sonst, sogar was die Kleidung angeht. Kaum einmal gibt es andere Outfits als Trainingskluften oder -Anzüge zu sehen. Das Leben reduziert auf die Mannschaft, keine Familien und Freunde, die ablenken, (fast) kein unkontrollierbares Drumherum. "Das kann auch ein gutes Einschwören sein", sagt Sportdirektor Max Eberl.
Allein in Interviews öffnet sich das System ein wenig, wenn die Profis über Fortschritte plaudern, Wasserstandsmeldungen geben über das persönliche Befinden und Ausblicke in die nähere Zukunft, die laut Michael Bradley eine ist, die sich "von Spiel zu Spiel" entfaltet und im Falle der Gladbacher gemäß den Worten Trainer Michael Frontzeck zunächst "nur Bochum" heißt.
Bochum ist auch der Maßstab des Trainingslagers. Am 16. Januar wird sich zeigen, wie gut die Vorbereitung wirklich gewesen ist. Dann gibt es, angelehnt an ein Wort von Max Frisch, die Geschichte zu den Erfahrungen, die Michael Frontzeck und die Seinen gemacht haben.
Gute Bedingungen
Die Woche in Spanien war, Stand jetzt, gut, mal abgesehen von den Verletzungen Paul Stalteris (Innenband-Dehnung) und Christian Dorda Patellasehnen-Abriss), dem eine monatelange Pause bevorsteht, eine gute. Die Bedingungen waren gut, während daheim Eis und Schnee ein sinnvolles Üben erschwert hätten, war der Regen, der ab und an kam, das geringere Übel.
Die 0:1-Niederlage gegen den Zweitligisten Energie Cottbus war eine gute Erfahrung dahin gehend, dass sich die Borussen schwer taten gegen einen Gegner, der defensiv und kompakt und kämpferisch spielt, gegen einen also, der etwas hat von Bochum. "Es wird kein leichtes Spiel", weiß Michael Frontzeck, doch hat seine Mannschaft gegen die Lausitzer gesehen, wo sie ansetzen muss, um damit umzugehen.
Das 2:0 gegen Borussia Dortmund zeigte vor allem, dass die, die sonst weniger spielen, bereit sind, wenn es darauf ankommt: Marcel Meeuwis, Tony Jantschke, Fabian Bäcker, Roberto Colautti, Christofer Heimeroth und Thomas Kleine. Die letzten drei haben sich passable Argumente verschafft für die anstehenden Vertragsverhandlungen, so sie Borussen bleiben wollen über den Sommer hinaus. Auch die Bubis Patrick Herrmann (19) und Bernhard Janeczek (17) haben sich gut präsentiert, sie haben gezeigt, dass sie ein Stück Zukunft sein können.
Auch die Botschaft von Präsident Rolf Königs, der mitteilte, das genügend Geld da sei für Zukäufe, ist eine gute Nachricht. Wenn bis zum Ende der winterlichen Wechselperiode einer zu haben ist, der das Team aber richtig verstärken könnte, ein Angreifer mit gefühlter Torgarantie möglicherweise, dann könnte Borussia handeln. Könnte.
Denn Frontzeck und Eberl vertrauen dem vorhandenen Personal, dass mit diesem das Ziel, eine möglichst sorgenfreie Rückrunde, erreicht werden kann. So ist der finanzielle Handlungsspielraum eine Option für die neue Saison, wenn es darum geht, das in sich funktionierende Team punktuell aufzurüsten.
Ob es nun die kolportierten sieben Millionen Euro sind, oder eine andere Summe, das sei dahin gestellt: Borussia kann sich etwas leisten, das erleichtert die Arbeit von Sportdirektor Max Eberl, wenn es darum geht, geeignete Verstärkungen zu finden.
Wintercup steht bevor
"Wir haben eine gute Basis für die Rückrunde geschaffen", sagt Michael Frontzeck. Er meint zum einen die 21 Punkte, die Gladbach in der Hinrunde eingesammelt hat, und auch das spielerische Niveau, das es darbot. Er meint auch die (kurze) Vorbereitung auf den Rest der Saison. Nun ist noch der Düsseldorfer Wintercup, dann einige Trainingstage daheim im Alltag.
Der Weg zum Flughafen in Malaga führt am Mittelmeer entlang. Ein letztes Wellenrauschen, ein letzter Blick in die Weite des Horizonts – ein Stück Trainingslager-Romantik. Zudem ein gutes Gefühl im Gepäck. Die spanische Woche hat sich für Borussia gelohnt. "Es kann ein guter Mosaikstein sein, um unsere Ziele in der Rückrunde zu erreichen", hofft Max Eberl.
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