Borussia Mönchengladbach: Hanke und das Warten auf das Tor
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 18.10.2011In 22 Spielen für Borussia hat der Angreifer nur einmal getroffen. Beim 2:2 gegen Leverkusen traf er nur die Querlatte. Damit passt er sich der generellen Problematik der Gladbacher an. Nur 19,3 Prozent der Tormöglichkeiten wurden bisher genutzt.
Mike Hanke ist Stürmer. Und Stürmer müssen Tore machen. Hanke hat es versucht gegen Bayer Leverkusen. In der 37. Minute fehlten wenige Zentimeter, in der 57. die Genauigkeit. Einmal traf er die Querlatte, dann rollte der Ball, von Leverkusens Torwart Bernd Leno noch abgefälscht, am Ziel vorbei.
Bewertet man Hanke nach seiner Ausbeute, kommt eine Minusbilanz dabei heraus. Nur ein Tor schoss der blonde Westfale in 22 Spielen für Borussia, in dieser Saison wartet er noch immer auf seinen ersten Einschuss der Saison.
"Den Torabschluss trainieren"
Hanke passt sich damit der generellen Problematik der Borussen an. Es fehlt die Effektivität vor dem Tor. Nur 19,3 Prozent der Chancen wurden genutzt, kein Bundesligist ist schlechter in dieser Statistik. Gegen Leverkusen rächte sich das, und auch schon zuvor in Freiburg: Im Breisgau gab es ein 0:1, nun gegen Bayer gab es trotz großer Überlegenheit nur ein 2:2. "Ich kann auch nicht sagen, warum wir diese Möglichkeiten nicht rein machen", sagte der frühere Nationalspieler und zuckte mit den Achseln. Zumindest können sich Hanke und seine Kollegen ausmalen, was in dieser Woche auf dem Trainingsplan stehen wird: Die Arbeit vor dem Tor.
Drei Jahre Max Eberl
Jubiläum Borussias Sportdirektor Max Eberl ist morgen auf den Tag genau drei Jahre im Amt. "Es ist in dieser Zeit sehr viel passiert. Der Job macht nach wie vor große Freude, denn wir sind dabei, etwas auf den Weg zu bringen. Letzte Saison hatten wir einen Ausschlag nach unten, aber wir sind wieder im richtigen Fahrwasser."
Absage Martin Stranzl wird nicht mehr für Österreich spielen. Es gab ein Gespräch mit dem neuen Trainer Marcel Koller, in dem Stranzl bei seinem Rücktritt blieb.
"Wir müssen weiter den Torabschluss trainieren", kündigte Lucien Favre an. Heute um 10 und 16 Uhr üben die Gladbacher. Der Trainer wird sich dem Problem gewohnt akribisch widmen. "Das geht aber nicht von heute auf morgen, das braucht Zeit. Wir müssen arbeiten, arbeiten, arbeiten", weiß Favre.
Da Igor de Camargo und Raúl Bobadilla (Muskelfaserriss) erst mal ausfallen und daher wohl Marco Reus in den kommenden Wochen sein Partner im Zweiersturm sein wird, ist Hanke wie schon gegen Leverkusen der vorderste Stürmer. Zuvor war er in Favres System mit einer hängenden Spitze die "Neuneinhalb", wie der Trainer sagt, also mehr Ballverteiler und Verbindungsspieler als direkter Tormacher. Gegen Leverkusen ließ sich Hanke etwas zu oft in den Raum fallen, weswegen er zu wenig Präsenz im Strafraum hatte. Er schaffte damit aber auch Räume für Reus, dem er zwei, drei Bälle direkt in den Lauf weiterleitete. "Marco hat auch so viele Chancen, weil Mike das gut macht. Er macht seine fehlende Endschnelligkeit durch seinen geschickten Körpereinsatz wett", sagt Sportdirektor Max Eberl.
In zwei Wochen kommt Hankes "Ex" Hannover 96. Das wäre natürlich ein guter Zeitpunkt für das erste Tor dieser Saison. Wobei der richtige Zeitpunkt für ein Tor eigentlich immer da ist, auch am Samstag, wenn Borussia bei 1899 Hoffenheim antritt. Dorthin fahren die Borussen als Tabellenzweiter. "Wenn man auf die Tabelle schaut, kann man doch ein bisschen lächeln, auch wenn wir gegen Leverkusen nicht gewonnen haben", so Hanke.
Dass er ein sonniges Gemüt hat, war für die Borussen gerade im Abstiegskampf der vergangenen Saison sehr wichtig. "Er ist sehr positiv, das ist, was wir brauchen", sagt Eberl. Aber auch Tore. Die will Hanke nachreichen. "Bei all der Arbeit hätte er sich sein Tor auch mal wieder verdient", findet Eberl. Hanke jedenfalls glaubt, dass sich Borussias (und sein) Problem bald lösen wird: "Unsere Qualität ist gut, wir haben die Chancen. Die Tore werden schon kommen."
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