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Borussia Mönchengladbach: "Herrlich und verrückt"

zuletzt aktualisiert: 02.04.2011

Ex-Borusse Karlheinz Pflipsen (40) erinnert sich im Gespräch mit Karsten Kellermann an den ersten und einzigen Sieg der Borussen beim FC Bayern am 14. Oktober 1995. Der frühere Feintechniker erzählt von der Last-Minute-Rettung in der Saison 1997/98.

Karlheinz "Kalla" Pflipsen (l.) bestritt in seiner Karriere unzählige Spiele gegen den FC Bayern. Am 14. Oktober 1995 (hier gegen Ciriaco Sforza) gewann Borussia das einzige Spiel beim Rekordmeister.  Foto: RPO
Karlheinz "Kalla" Pflipsen (l.) bestritt in seiner Karriere unzählige Spiele gegen den FC Bayern. Am 14. Oktober 1995 (hier gegen Ciriaco Sforza) gewann Borussia das einzige Spiel beim Rekordmeister. Foto: RPO

Borussia spielt am Samstag beim FC Bayern München. 46-mal war Gladbach bislang beim Rekordmeister zu Gast, nur einmal gab es einen Sieg. Sie waren an jenem 14. Oktober 1995 dabei. Wie haben Sie sich gefühlt, als das Spiel vorbei war?

Pflipsen Es war eine riesengroße Freude und auch eine Portion Stolz, es nach unzähligen Versuchen endlich geschafft zu haben, beim großen FC Bayern zu gewinnen. Es waren zwar nur drei Punkte, wie bei jedem anderen Sieg auch, aber es fühlte sich nach deutlich mehr an.

Warum hat Borussia dieses Spiel gewonnen? Es gab einen Stürmernotstand, die Vorzeichen waren also alles andere als günstig.

Pflipsen Das stimmt. Wir haben in der Spitze mit Sternkopf und Effenberg gespielt, weil Dahlin ausfiel. Frühzeitig gingen wir durch ein schönes Tor von Effe in Führung. Bayern fiel an diesem Tag nicht genug ein, um uns ernsthaft in Bedrängnis zu bringen, und so war es symptomatisch, dass auf Vorarbeit von Peter Wynhoff Andreas Herzog per Eigentor auf 0:2 erhöhte. Der Anschlusstreffer durch Papin kam dann zu spät.

Info

"Kalla" Pflipsen

Geboren am 31. Oktober 1970 in Mönchengladbach

Erster Verein SC Rheindahlen

Vereine 1989 - 1999 Borussia Mönchengladbach (197 Spiele / 37 Tore), 1999 - 2001 Panathinaikos Athen (19/8), 2001 - 2004 Alemannia Aachen (68/10), 2002/2005 1860 München (9/1)

Länderspiele eins

Station als Trainer 2008 - 2009 Rot-Weiss Essen II

Borussia war damals erst am Spieltag nach München gereist. Brachte das die nötige Lockerheit für das Spiel?

Pflipsen Unser Trainer Bernd Krauss wollte einfach mal was verändern, schließlich waren alle anderen Versuche vorher ebenfalls nicht von Erfolg gekrönt. Deshalb entschied er kurzerhand, dass wir erst am Spieltag anreisen: Morgens in den Flieger, kurz ins Hotel, mit dem Bus ins Stadion, Spiel gewinnen und dann feiern. Es war herrlich und verrückt zugleich.

Stefan Effenberg hatte versprochen, Liegestütze zu machen, wenn Gladbach gewinnt. Haben sie mitgezählt, ob er auch alle gemacht hat?

Pflipsen Natürlich hat er seine angekündigten Liegestütze gemacht, aber da war er nicht alleine. Am Ende durfte die ganze Mannschaft auf Aufforderung der Fans mitmachen – und die komplette Kurve hat mitgezählt.

Wie muss man in München auftreten, um zu siegen?

Pflipsen Dafür gibt es natürlich kein Patentrezept. In erster Linie bestimmt Bayern, aufgrund der enormen Qualität, wie sich ein Spiel entwickelt. Auf jeden Fall muss man an dem Tag, an dem Bayern keine 100 Prozent erreicht, voll da sein, dem Gegner wenig bis gar nichts anbieten, und dann gnadenlos zuschlagen. In dieser Saison haben sie des Öfteren gezeigt, dass sie es nicht geschafft haben, 100 Prozent abzurufen.

Hat die aktuelle Mannschaft das Zeug, beim FC Bayern etwas zu holen?

Pflipsen Ich traue der Mannschaft grundsätzlich zu, für eine Überraschung zu sorgen. Aber das wird nur gelingen, wenn man es schafft, ihnen, und vor allem Ribery und Robben, den Spaß am Fußball an diesem Tag zu nehmen. Die Erwartungshaltung wird nicht besonders hoch sein, vielleicht hilft das. Beim letzten Mal gegen Lautern hatte man das Gefühl, dass der Druck die Mannschaft gelähmt hatte.

Ganz abgesehen vom Bayern-Spiel: Borussia steht mit einem Bein in der Zweiten Liga. So war es auch in der Saison 1997/98, als es am 30. Spieltag ein 0:3 gegen Duisburg gab. Stefan Effenberg beweinte damals schon den Abstieg. Mit drei Siegen aus den letzten vier Spielen hat sich die Mannschaft aber noch gerettet. Was ist im Team passiert, dass das möglich wurde?

Pflipsen Wenn ich ganz ehrlich bin, dann war schon eine gehörige Portion Glück mit im Spiel, schließlich hatten wir es nicht mehr selbst in der Hand. Und am Ende sind wir dafür belohnt worden, dass wir uns nicht hängengelassen haben und unsere Pflichtaufgaben erledigt haben, was die vor uns stehenden Mannschaften eben nicht getan haben.

Die Last-Minute-Rettung in Wolfsburg war sehr emotional. Hatten Sie persönlich damit gerechnet, dass das klappen würde?

Pflipsen Je enger es zum Schluss wurde, desto größer wurde die Hoffnung, aber selbst bei einem Sieg im letzten Spiel in Wolfsburg mussten die anderen Mannschaften Punkte lassen. Wie gesagt: wir hatten eine gehörige Portion Glück in dem Jahr, aber umso größer war die Freude, es doch noch geschafft zu haben.

Glauben Sie, dass die aktuelle Gladbacher Mannschaft eine Chance hat, das Wunder zu wiederholen, auch angesichts des schweren Restprogramms?

Pflipsen Solange es rechnerisch möglich ist, hat sie auch eine Chance, das hat die Saison 97/98 gezeigt. Jeder sieht aber auch den Tabellenstand und das Restprogramm – und ausgehend davon, dass die Mannschaft es in dieser Saison noch nicht geschafft hat, zwei oder drei Siege in Serie zu schaffen, wird es verdammt eng.

Wie erklären Sie sich, dass es die Borussen nicht schaffen, sportliche Konstanz hinzukriegen? Wenn er passiert, wäre es der dritte Abstieg seit 1999.

Pflipsen Diese Frage kann ich in zwei, drei Sätzen nicht beantworten. Wenn es so kommen sollte, ist dieser Abstieg genauso wie die beiden zuvor ein Desaster. Erneut bricht alles zusammen, was man anschließend wieder mühsam aufbauen muss. Überdurchschnittliche Spieler wie Reus, Dante und de Camargo verlassen den Verein wohl. Damals waren es Jansen und Marin. So kann natürlich keine sportliche Konstanz entstehen.

Glauben Sie, dass Lucien Favre der richtige Trainer ist, um etwas aufzubauen in Gladbach?

Pflipsen Dafür kenne ich ihn und seine Arbeit viel zu wenig, um das beurteilen zu können. In seinen vorherigen Stationen hat er gute Arbeit geleistet, aber am Ende wird ein Trainer immer am Erfolg gemessen. Was ihn in meinen Augen sympathisch macht, ist die Tatsache, dass er nicht versucht, schlechte Spiele schön zu reden, wie es zum Teil in der Vergangenheit zu oft der Fall war.

Quelle: RP

 
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