65. Geburtstag: Heynckes: Immer volle Pulle
VON O. E. SCHÜTZ - zuletzt aktualisiert: 09.05.2010 - 11:30Bayer Leverkusens Trainer feiert am Sonntag seinen 65.Geburtstag. In seiner Laufbahn als Spieler und Coach hat er sich fast alle Lebensträume erfüllen können. Groß wurde er bei Borussia Mönchengladbach.
Aufgeben hat er nie gekannt. Nicht als kleiner Junge, der in den Nachkriegsjahren auf der Straße hinter einer ausgestopften Schweinsblase herjagte, die als Fußball herhalten musste. Nicht als Bundesligaprofi und Nationalspieler. Und auch nicht als Trainer. Immer volle Pulle: Das war und ist das Lebensmotto von Jupp Heynckes. Eines Mannes, der immer große Ziele hat, aber nie die Realität aus den Augen verliert.
"Ich war besessen von meinen Träumen", sagt er über sich selbst. "Als ich ein Junge war, hatte ich nur Fußball im Kopf. Ich wollte nur eins: Profi werden. Als ich Profi war, wollte ich Deutscher Meister werden. Und Nationalspieler. Ich wollte Tore schießen. Immer. In jedem Spiel." Er hat fast alle seine Träume verwirklicht. Auch mit Borussia, mit der er als Spieler seine größten Erfolge gefeiert hat und über die der gebürtige Gladbacher sagt: "Sie ist und bleibt mein Verein."
Aufgeben kennt Jupp Heynckes halt nicht. Nicht als Sportler jedenfalls. Dass er es vor drei Jahren doch einmal getan hat, als Trainer Borussias im Kampf gegen den Abstieg zurücktrat, das hatte andere Gründe: Morddrohungen gegen ihren Mann setzten seiner Frau Iris so zu, dass Heynckes diese extreme Belastung ihr nicht länger zumuten wollte.
Nun wird er 65 Jahre. Und kann auf ein Fußballerleben voller Erfolge blicken: als Spieler viermal Deutscher Meister, je einmal Uefa-Cup- und DFB-Pokalgewinner mit Borussia, mit Deutschland Europameister 1972 und Weltmeister 1974. Zweimal war er Bundesliga-Torschützenkönig und ist bis heute der Mann, der in 47 Jahren Bundesliga die drittmeisten Tore erzielt hat.
Die "Torfabrik" vom Bökelberg der 60er- und 70er Jahre: Keiner hat sie neben Regisseur Günter Netzer mehr geprägt als Jupp Heynckes. 195 seiner 220 Treffer hat der Junge, der es im Gladbacher Stadtteil Holt gegen neun Brüder sehr früh lernte sich durchzusetzen und seine Stukkateur-Lehre als Innungsbester abschloss, für Borussia erzielt. Dazu 14 in seinen 39 Länderspielen für Deutschland. "Jupp war neben Gerd Müller vom FC Bayern und Uwe Seeler vom HSV der beste deutsche Stürmer", sagt der ehemalige Bundestrainer Berti Vogts, Heynckes' langjähriger Weggefährte in Mönchengladbach.
Er ist nicht unbedingt sein bester Freund, respektierte ihn aber auch in den kontroversen Diskussionen der "Fohlen" um Taktik und Wertschätzung von Stürmern und Verteidigern. "Der ständige Wettbewerb hat uns als Mannschaft geholfen und uns weitergebracht. Und richtige Torjäger müssen ein Stück Egoisten sein, sonst sind sie nicht wirklich klasse", sagt Vogts. "Wenn wir 5:1 gewonnen hatten und ich hatte kein Tor gemacht, dann war ich sauer", hat Heynckes dann auch mal gestanden.
Spiele, in denen er mehr als einmal traf, hat es aber oft genug gegeben. In Erinnerung sind vor allem seine drei Treffer 1975 beim Gladbacher 5:1-Sieg im Uefa-Cup-Endspiel bei Twente Enschede. In der Nacht danach kam raus, dass Meistertrainer Hennes Weisweiler zum FC Barcelona gehen würde. Zu früh, als dass Manager Helmut Grashoff seinen Plan umsetzten konnte, Heynckes zum Trainer zu machen.
Das wurde er 1978, zunächst für ein Lehrjahr als Assistent von Udo Lattek. Der lädierte Körper erzwang das Ende der Spie-lerlaufbahn. Bei seinem letzten Auftritt setzte Heynckes noch einmal eine Bestmarke: Fünf Tore zum 12:0-Sieg (das ist bis heute Bundesligarekord) gegen Dortmund.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum









