Borussia Mönchengladbach: Ibisevic tat ter Stegen doppelt weh
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 23.10.2011 - 14:38Sinsheim (RP). Es war Marc-André ter Stegen anzusehen, dass es ein schmerzhafter Tag für ihn war. Der junge Torhüter der Borussen humpelte in die Mixed-Zone des Sinsheimer Stadions, als alles vorbei war, und er schaute nicht eben glücklich.
Zentimeter hatten gefehlt, und er hätte einen guten Tag gehabt, Zentimeter, die vielleicht zwischen einem torlosen Unentschieden und der Niederlage lagen, die sich die Borussen bei 1899 Hoffenheim letztlich verdient einhandelten.
Nach der Hereingabe von Edson Braafheid, der allzu ungestört flanken durfte, hatte Fabian Johnson den Ball so geschickt ungeschickt verstolpert, dass dieser Vedad Ibisevic vor die Füße hoppelte. "Wir sind dann beide mit vollem Risiko zum Ball gegangen, er hatte Glück, dass der Ball an meinem Fuß vorbei geht", berichtete ter Stegen. Vorbei an seinem Fuß bedeutete hinein ins Tor, zum ersten und einzigen Mal an diesem Tag, weil ter Stegen zuvor stets die Versuche des Bosniers entschärft hatte. In dieser 56. Minute aber kam ter Stegen eben zu spät – und wurde dafür nicht nur mit dem Gegentor, sondern auch mit einer acht Zentimeter langen Fleischwunde unterhalb des Knies bestraft, weil Ibisevic' Stollen ihn traf. Kurzzeitig konnte ter Stegen kaum auftreten, so dass sich Ersatzmann Christofer Heimeroth schon aufwärmte. Umsonst, denn ter Stegen wurde kurz behandelt und konnte weiterspielen. Am Sonntag trainierte ter Stegen mit den Kollegen.
"Ich bin fit", sagte der 19-Jährige nachher. Wer den ehrgeizigen ter Stegen kennt, weiß, dass ihn das Gegentor fast mehr schmerzte als die Verletzung. Die wird ihn nicht daran hindern, am Dienstag beim Zweitrunden-Pokalspiel beim Drittligisten Heidenheim im Tor zu stehen – es sei denn, Lucien Favre gibt Heimeroth im Pokal eine Bewährungschance. Wie üblich wollte sich der Schweizer zu derlei Themen vorab aber nicht äußern.
"Wir haben nicht gut gespielt, wir haben es als Mannschaft nicht geschafft, Akzente nach vorn zu setzen", sagte ter Stegen zum Auftritt in Sindheim. Martin Stranzl machte die fehlende Ruhe am Ball als einen der Gründe für das bislang schlechteste Saisonspiel der Borussen aus. "Vielleicht wollten wir in manchen Szenen zu viel, wir haben dann zu viele Fehler gemacht", sagte der Verteidiger. "Wir hatten zu wenig Tempo, es fehlten die Läufe aus der Tiefe", monierte Trainer Lucien Favre.
Weswegen das Umschalten von der Defensive in die Offensive nicht so recht funktionierte. "Uns hat die Power gefehlt", gestand Mike Hanke, der ebenso wie sein Sturmpartner Marco Reus nichts Nennenswertes zu Wege brachte. Hanke kam als Ballverteiler nicht wie sonst zum Zug, auf das Tor schoss er auch nicht; Reus verhaspelte sich ungewöhnlich oft, einmal war er sogar schneller als der Ball – dummerweise, als Juan Arango seines besten Pass des Tages auf ihn gespielt hatte.
Auf der anderen Seite wäre Vedad Ibisevic fast zum Chancenauslasser des Tages geworden. Eben weil er das Privatduell gegen Marc-André ter Stegen zunächst ständig verlor. "Ich habe mich natürlich geärgert, dass er so viele Bälle gehalten hat", sagte Ibisevic. Dann aber traf Ibisevic in seinem zweiten Saisonspiel doch noch entscheidend – und tat damit Borussias Nummer eins doppelt weh. "Wir müssen jetzt schauen, dass wir in den beiden Spielen in dieser Woche wieder Selbstvertrauen tanken", sagte ter Stegen.
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