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Borussia Mönchengladbach: "Ich fühle mich hier sehr wohl"

zuletzt aktualisiert: 13.04.2011

Martin Stranzl (30), Innenverteidiger bei Borussia, spricht über die Chancen auf den Klassenerhalt – und warum er bei einem möglichen Abstieg durchaus bleiben würde.

Optimistisch: Martin Stranzl, hier im Duell mit michael Ballack.  Foto: AFP, AFP
Optimistisch: Martin Stranzl, hier im Duell mit michael Ballack. Foto: AFP, AFP

Fünf Spieltage verbleiben noch, das Restprogramm hat es in sich. Sind Sie noch vom Klassenerhalt überzeugt?

Martin Stranzl Natürlich bin ich das. Ich gehe fest davon aus, dass wir die Liga halten können. Ich persönlich finde das Restprogramm auch gar nicht so schlimm: Wir haben immer die Möglichkeit, Punkte zu holen.

Aber Dortmund, Mainz und Hannover sind Teams aus der Spitzengruppe der Liga.

Stranzl Schalke steht mit einem Bein im Champions-League-Halbfinale. Die haben wir auch geschlagen. In unserer Liga kann jeder jeden besiegen – und ich denke, wir haben gute Chancen, etwas zu holen. Zumal unsere direkten Konkurrenten gegeneinander Punkte lassen werden.

Info

Martin Stranzl

Geboren am 16. Juni 1980 in Güssing (Österreich).

Stationen als Spieler 1998 bis 2004 1860 München, 2004 bis 2006 VfB Stuttgart, 2006 bis 2011 Spartak Moskau, seit Januar 2011 Borussia Mönchengladbach

Bundesliga 152 Spiele (6 Tore)

Länderspiele 56 (3 Tore)

Vertrag bis Juni 2013

Der Druck war vor dem Spiel gegen den 1. FC Köln immens. Hat man das in der Mannschaft gespürt?

Stranzl Druck kann auch ein Anreiz sein. Vielleicht brauchen wir diesen. Wir haben in dieser Saison immer, wenn wir wirklich mit dem Rücken zur Wand standen, gute Leistungen abgeliefert.

Man hat den Eindruck, dass sich die Hintermannschaft Borussias nach Ihrer Verpflichtung stabilisiert hat.

Stranzl Eine gute Defensive hängt nicht von der letzten Linie ab. Die ganze Mannschaft ist gefragt. So mussten wir dringend die Standards verbessern. Da waren wir zu anfällig – und sind es manchmal, aber schon deutlich weniger, immer noch. Das habe ich schon im Trainingslager in Spanien angesprochen.

Sie wurden als Führungsspieler geholt. Wie viel reden Sie denn?

Stranzl Du musst auf dem Platz immer sprechen, musst dirigieren, um entstandene Lücken zu schließen. Das ist wichtig. Denn auf dem Platz hat der Trainer kaum noch Einfluss – da sind wir Spieler verantwortlich.

Spieler wie Sie also. Für den Fall, dass Borussia doch absteigen sollte – würden Sie als Führungsspieler mit in die Zweite Liga gehen?

Stranzl Meine Familie und ich, wir fühlen uns in Gladbach unheimlich wohl. Das Umfeld hier ist sensationell. Ich will – wie jeder meiner Teamkollegen – in der Ersten Liga spielen. Und ich bin überzeugt, dass wir es packen. Wenn es aber nun doch so sein sollte, dass wir runter gehen – dann bin ich der Letzte, der sagt: "Auf keinen Fall." Dann können wir reden. Wie gesagt: ich fühle mich sehr wohl.

Wie beurteilen Sie den Trainerwechsel von Michael Frontzeck zu Lucien Favre?

Stranzl Jeder Trainer hat seine Art, eine Mannschaft zu führen. Favre hat seine eigenen Vorstellungen, hat zum Beispiel unsere Abwehr von Mann- auf Raumdeckung umgestellt. Er redet viel mit uns. Ich versuche allerdings, mir von jedem Trainer etwas Positives abzuschauen. Wenn ich selber einmal Trainer werden möchte, kann ich ein paar gute Aspekte mitnehmen.

Was haben Favre oder Frontzeck denn richtig gemacht?

Stranzl An Frontzeck gefiel mir seine gradlinige, ehrliche Art. Du wusstest immer, wo du dran warst. Wir haben sehr konzentriert gearbeitet. Für Lucien Favre ist hingegen wichtig, dass Fußball spielen auch Spaß machen muss – gleichzeitig ist er ein taktisch akribischer Arbeiter, der immer versucht, uns besser zu machen. Das sind alles Dinge, die ich mitnehmen möchte. Früher habe ich mir immer gesagt, ich will auf keinen Fall Trainer werden. Heute sehe ich das anders.

Gegen Köln versuchte Favre es – erfolgreich – mit einer offensiveren Variante. Ist das Borussias Spielweise?

Stranzl Das ist immer eine zweischneidige Sache. Wenn es gut geht, war alles richtig, wenn nicht, gibt's Ärger. So ist es immer. Gegen Köln ging es gut, also haben wir alles richtig gemacht. Wie gesagt: Am Ende sind die Spieler auf dem Platz verantwortlich. Köln hat mit vier Spielern in vorderster Linie auf unsere Fehler gewartet, also haben wir versucht, ein Übergewicht im Angriff herzustellen. Das kannst du aber nicht vorher planen, da musst du reagieren.

Was muss passieren, damit Borussia nicht absteigt?

Stranzl Wir haben eine gute Mannschaft. Wenn wir alle 100 Prozent abrufen können, erreichen wir das Ziel. Zu oft hat Angst bei uns eine große Rolle gespielt, vielleicht auch aufgrund der katastrophalen Hinserie. Aber auf uns ist in dieser Saison doch schon alles Negative hereingeprasselt. Wir müssen den Schwung aus dem erfolgreichen Köln-Spiel jetzt nutzen.

Und dann?

Stranzl Brauchen wir noch drei Siege. Die wir bestenfalls in den kommenden drei Spielen einfahren.

Das Interview führten Karsten Kellermann und André Schahidi.

Quelle: RP

 
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