Borussia: Igor de Camargo – der Held
VON KARSTEN KELLERMANN UND ANDRÉ SCHAHIDI - zuletzt aktualisiert: 20.05.2011Borussias Pechvogel erzielte in allerletzter Sekunde das Tor zum 1:0-Sieg, das für das Relegations-Rückspiel am Mittwoch in Bochum eine gute Basis schafft. Gladbachs Glück, dass der Schiedsrichter so lange nachspielen ließ.
Bis zur Explosion der Freude dauerte es sehr, sehr lange. Für die knapp 50 000 Fans der Borussia - aber auch für Igor de Camargo. 92 Minuten waren gespielt im ersten Relegationsspiel der Gladbacher gegen den VfL Bochum, die angezeigte Nachspielzeit war vorbei. Doch Schiedsrichter Günter Perl ließ noch einen Einwurf ausführen - und de Camargo, der so lange verletzt ausgefallen war und erst in den letzten Minuten eingewechselt werden konnte, wurde zum Helden. Er köpfte einen Ball aufs Tor, Bochums Keeper Andreas Luthe hielt den Ball mit den Fingerspitzen. Irgendwie kam der Ball über Umwege wieder vor die Füße des Brasilianers - und er bugsierte ihn aus der Luft unter die Latte. Sofort war de Camargo nicht mehr zu sehen. Er wurde von einem Berg aus Mönchengladbachern begraben.
Drei Abgänge klar
Michael Fink (kam im Winter für eine Leihgebühr von 700 000 Euro von Besiktas Istanbul, seither sechs Einsätze), Fabian Bäcker (zu Alemannia Aachen) und Jean-Sebastién Jaurès (seit 2008 20 Bundesligaspiele für Gladbach, in dieser Saison keinen Einsatz) verlassen Borussia. Der Vertrag von Sebastian Schachten läuft aus, Gespräche gab es noch nicht.
Gespielt wird, bis der Schiri pfeift
Belagert wurde auch Schiedsrichter Günter Perl. Er hatte ein paar Sekunden mehr als die angezeigten zwei Minuten nachspielen lassen, die Bochumer fühlten sich verschaukelt. "Zwei Minuten Nachspielzeit waren angezeigt", maulte Bochum-Trainer Friedhelm Funkel, "bei 2:16 Minuten wurde der Einwurf ausgeführt. Die Zeit war abgelaufen." Borussia-Keeper Marc-André ter Stegen konnte die Aufregung nicht nachvollziehen. "Gespielt wird, bis der Schiri pfeift", sagte der 19-Jährige. Und weil der Pfiff ausblieb, spielte Borussia weiter. So wie in den acht, neun Minuten zuvor, in denen die Mannschaft von Lucien Favre endlich so was wie Druck aufbaute.
Was Borussia in den gut 80 Minuten zuvor ablieferte, war überhaupt nicht gut. Sie wirkte gelähmt vor Angst, vielleicht vor der Bürde, als Erstligist Favorit in der Relegation zu sein. Die Mannschaft leistete sich einfache Ballverluste und viele Fehlpässe. "Es ist ganz anders als die Meisterschaft", sagte Favre.
Vor allem Marco Reus haderte mit vielem. Borussias Blondschopf, in so vielen Spielen so wichtig für die Mannschaft, wurde schon früh nach einem Zweikampf mit Matthias Ostrzolek an der Leiste behandelt. Reus entfaltete danach kaum noch seine Explosivität, seine Schnelligkeit. Er stand beispielhaft für die Mannschaft, die nervös und fahrig wirkte und in der nur wenige Spieler, wie Marc-André ter Stegen, Mike Hanke oder Martin Stranzl, Normalform erreichten.
Bezeichnend, dass in solch einem Spiel einer zum Helden wurde, der in den Wochen zuvor kaum Anteil an der Wiederauferstehung hatte. Igor de Camargo war lange verletzt, verpasste fast die komplette Schlussphase der Saison. In Hamburg hatte er endlich einen Kurzeinsatz, am Donnerstag reichte es für 23 Minuten. Plus diese zwei Minuten Nachspielzeit ...
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum









