Borussia: Im Gegenwind
VON THOMAS GRULKE - zuletzt aktualisiert: 18.04.2008Borussias schlapper Auftritt der ersten Halbzeit in Jena hatte seine Ursache im Unterbewusstsein – sagte Sascha Rösler. Sein Kampfgeist riss die Mannschaft dann aber mit. So wurde noch ein Punkt gerettet.
Seine gute Laune hatte Sascha Rösler nicht verloren. Nach dem 2:2 beim FC Carl Zeiss Jena schnappte er sich in der Interview-Zone spontan ein Mikrofon und hat seinen Mannschaftskollegen Oliver Neuville um eine Stellungnahme. Die gelöste Stimmung bei Gladbachs Mittelfeldmotor war durchaus verständlich, hatte der Tabellenführer doch mit jeder Menge Glück noch einen Zähler beim Vorletzten der Zweiten Liga mitgenommen.
„Ich war froh, als das Spiel vorbei war. Wir haben auf jeden Fall einen Punkt gewonnen und keine zwei verloren“, sagte Rösler erleichtert, wurde dann aber deutlich: „Es war sicher keine Absicht, aber wir haben in der ersten Halbzeit schwerfällig und überheblich gespielt.“
Joker und Vorbereiter
Joker Seine drei Saisontore erzielte Roberto Colautti alle als Joker. Damit ist er gemeinsam mit Sturmkollege Nando Rafael Gladbachs erfolgreichster Einwechselspieler.
Vorlagen Mit seinen zwei Torvorlagen auf Colautti schloss Marko Marin bei den Assists zu Marcel Ndjeng auf (beide elf Assists).
Zu wenig Druck über außen
Sich selbst schloss der 30-Jährige dabei nicht aus, obwohl er noch als einziger Gladbacher im ersten Durchgang wenigstens ein wenig Torgefahr heraufbeschwor „Wir haben uns nie zurecht gefunden und zu wenig Druck über außen erzeugt“, war Trainer Jos Luhukay mit der Darbietung seiner Elf überhaupt nicht einverstanden und schickte sie nach nur fünf Minuten Ansprache aus der Kabine zurück aufs Feld.
„Er ist ein Trainer, der in solchen Situationen die Ruhe behält und nicht unnötig rumbrüllt. Wir wussten ja selber, dass das nichts war“, sagte Rösler. Borussia spielte auch danach nicht gut, kämpfte sich aber dann doch in die Partie: mit drei Stürmern sowie offensiven Außenverteidigern (Marcel Ndjeng und Soumaila Coulibaly an Stelle von Tobias Levels und Alexander Voigt) – und mit dem Kämpfer Rösler.
Gerade Typen wie ihn, die in den entscheidenden Situationen die Ärmel hochkrempeln, hatten Luhukay und Sportdirektor Christian Ziege vor der Saison gesucht. Rösler wehrte sich auch diesmal gegen die drohende Niederlage, scheute keinen Zweikampf und diskutierte mal wieder mit Gegner und Schiedsrichter (was ihm seine achte Gelbe Karte einbrachte). Im modernen Fußball werden solche Spieler gerne „Aggressiv Leader“ genannt. „Wir sind zurückgekommen, wenn auch glücklich“, erklärte der Blondschopf.
Denn während Gladbach durch Roberto Colauttis Doppelpack eiskalt zuschlug, scheiterten die Jenaer an ihrer Abschluss-Schwäche – und einem glänzenden Christofer Heimeroth im Tor. Luhukay hatte dies ebenfalls registriert, lobte aber auch die Moral seines Teams: „Wie es zurückgekommen ist, war schon große Klasse.“
Doch auch wenn Borussias Vorsprung auf die Nichtaufstiegsplätze mit sieben Punkten und fünf ausstehenden Spieltagen noch komfortabel ist, genügen solche Leistungen auf Dauer nicht. „Vielleicht waren wir uns heute wie schon zu Beginn der Rückrunde zu sicher. Das geschieht einfach im Unterbewusstsein. Aber möglicherweise war das noch mal ein guter Denkzettel. Unsere Einstellung muss wieder besser werden“, erklärte Rösler. Erfüllt Gladbach diese Forderung, wird die Stimmung in der Interviewzone sicher noch ausgelassener sein.
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