Borussia Mönchengladbach: "Kein Grund, das Ziel zu verändern"
zuletzt aktualisiert: 22.11.2011Mönchengladbach (RP). Borussias Vize-Präsident Rainer Bonhof über den Höhenflug der Mannschaft, die Fehlersuche Lucien Favres nach dem Bremen-Spiel, Europapokal-Träume, das Interesse der Bayern an Marco Reus, einen Knipser und das Derby beim 1. FC Köln.
Vergangene Saison verlor Borussia am 13. Spieltag 2:3 gegen Mainz und war Letzter. Jetzt gab es am 13. Spieltag ein 5:0 gegen Bremen und das Team ist Dritter. Was hat sich verändert?
Bonhof Wir haben gehofft, dass, nachdem wir die Relegation geschafft haben, der Schreckmoment und die Freude eine positive Reaktion hervorrufen. Das ist passiert. Das Team hat sich im Wesentlichen nicht verändert im Vergleich zur vergangenen Saison, aber es hat sich entwickelt. Wir haben im Winter mit Stranzl, Hanke und Nordtveit die richtigen Leute geholt und haben mit den Topspielern Reus, Dante und ter Stegen verlängert – mit einem gewissen finanziellen Aufwand. Im Sommer haben wir den Kader schlau ergänzt. Wir sind gut aufgestellt und stabil.
Stranzl fällt aus
Beide Seiten Rainer Bonhof spielte von 1970 bis 78 für Borussia und von 1980 bis 83 für den 1. FC Köln.
Ausfall Borussia muss beim 1. FC Köln am Freitag auf Innenverteidiger Martin Stranzl verzichten. Der 31-Jährige zog sich im Spiel gegen Werder Bremen eine Verdrehung der Gelenkkapsel im Knie zu.
Training Heute 10 und 16 Uhr
Was macht Ihnen besonders Freude?
Bonhof Als Spieler macht es vor allem Spaß, fröhlich nach vorn zu spielen. Aber wichtig ist auch, wenn die Null hinten steht. Ein Trainer der San Francisco 49ers sagte mal: Die Verteidigung ist für das Ergebnis zuständig, die Offensive für den Ticketverkauf. Die Balance muss stimmen. Wie im Moment alle defensiv und offensiv denken, sind wir auf einem guten Weg.
Das Selbstvertrauen ist gigantisch.
Bonhof Der Grat zwischen Selbstvertrauen und Überheblichkeit ist schmal. Selbstvertrauen muss man immer neu beweisen. Damit sind wir bisher gut gefahren.
Das Spiel gegen Bremen war ein Höhepunkt in der Ära von Trainer Favre.
Bonhof Es war sicherlich eines der besten Spiele der vergangenen Jahre. Anfangs hatten wir aber zu viel Respekt – man könnte jedoch auch sagen, wir haben den Gegner erst mal studiert und haben uns dann erfolgreich auf ihn eingestellt. Das Tor von Patrick Herrmann war der Knackpunkt – aber auch die Parade von Marc beim Freistoß von Ekici. Dann hat das Team toll gespielt und sich mit schönen Toren belohnt.
Lucien Favre wirkt gerade nach guten Spielen etwas kleinkrämerisch. Er sucht nach Fehlern im Detail.
Bonhof Es geht um die Vorstellung des Trainers vom Fußball. Und wenn die Spiele dieser phasenweise nicht entsprechen, muss man darüber reden. Ziel ist es, es im nächsten Spiel besser zu machen.
Dennoch: Phasenweise war es Fohlen-Fußball in Reinkultur. Oder sehen Sie das anders?
Bonhof Diese Vergangenheit gehört nun mal zu Borussia, und es gibt sicherlich Parallelen. Aber das Ganze liegt 40, 50 Jahre zurück. Der Fußball hat sich verändert. Es ist schön zu sehen, mit welcher Leichtigkeit die Mannschaft spielt, wenn es läuft. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass es vor sechs, sieben Monaten ganz anders war. Es ist gut, dass die Spieler das verinnerlicht haben. Sie genießen den Moment, wie der ganze Klub und die Fans.
Borussia hat im Schnitt zwei Punkte pro Spiel geholt. Wenn es so weitergeht, ist das Europapokal-Kurs.
Bonhof Ich rufe mal Heribert Bruchhagen in Frankfurt an. Die Eintracht hatte nach der Hinserie 26 Punkte und spielt jetzt in der Zweiten Liga. Es gibt keinen Grund für uns, neue Ziele auszugeben. Wir schauen weiter von Spiel zu Spiel, und wenn wir 40 Punkte haben, ist unser Ziel erreicht. Dann wollen wir natürlich weitermachen – aber alles, was dann kommt, ist ein Bonus.
Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge ging in Sachen Marco Reus erneut in die Offensive. Adelt er so Borussia als direkter Konkurrent?
Bonhof Dass die Bayern nach guten Spielern schauen, ist doch normal, das tut jeder Verein, wir auch. Das gehört zum Geschäft. Untypisch ist, dass es nicht eine Woche vor dem Spiel gegen uns kommt. Aber für uns gilt: Reus fühlt sich bei uns wohl. Mehr werde ich zu dem Thema nicht mehr sagen.
Reus ist bester Torjäger, andere Stürmer treffen selten. Fehlt ein Knipser?
Bonhof Ein Knipser? Das ist einer, der jede Saison 20 Tore macht. Den haben alle Klubs auf der Liste. Wir sind mit dem Ist-Zustand zufrieden.
Freitag ist das Derby in Köln. Angesichts der Tabellensituation kann Borussia das Spiel entspannt angehen. Sie ist Favorit.
Bonhof Ein Derby kann man nie entspannt angehen, sondern immer mit großer Vorfreude. Derbys spielt man immer gern, egal in welcher Situation. Und Favoriten gibt es in solchen Spielen nicht, auch nicht wenn man zuvor 4:0 und 5:1 gewonnen hat. Das interessiert keinen Menschen mehr. Man muss im Derby über den Kampf ins Spiel finden. Das wollen wir tun und an die Leistungen der letzten Spiele anknüpfen. Und ich hoffe, dass es auf den Rängen friedlich bleibt.
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