Borussia: "Kette": Großes Lob für Reus
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 20.09.2011Borussia (RP). Ex-Borusse Marcel Ketelaer findet, dass der rotblonde Offensivmann der "beste Borusse der letzten 20 Jahre ist". Bei ihm selbst ist wieder mal alles offen: Die Karriere scheint vorbei, er denkt darüber nach, was nun kommen kann.
Privat stehen schöne Dinge an. Marcel Ketelaer wird im Januar zum ersten Mal Vater. Und auch seine Borussia, der Klub seines Herzens, macht ihm derzeit Freude. "Es ist sensationell, was in Gladbach passiert. Marco Reus ist der beste Spieler, den Borussia in den letzten 20 Jahren hatte.
Und es zeigt sich, dass sich ehrliche und kontinuierliche Arbeit auszahlt. Das freut mich", sagt Ketelaer. Beim Hamburger SV hingegen, bei dem er einst ein Teil einer großen Zukunft sein sollte, zeige sich, dass ständige Kurskorrekturen nichts bringen. "Da soll es einen Neuaufbau geben und man hat nur sechs Wochen Zeit", sagt Ketelaer. Michael Oenning hat keine Zeit mehr, er wurde gestern entlassen.
Training Die Borussen üben Dienstag um 10 und um 16 Uhr.
Wenn "Kette" nach Gladbach schaut, wird er indes auch etwas wehmütig. "Früher haben wir jungen Spieler nicht so schnell die Chance bekommen, Stammspieler zu sein", sagt Ketelaer. Damals war man ewig Talent, heute darf man es früh zeigen. Wer weiß, wie Ketelaers Karriere gelaufen wäre, wenn die Trainer zu seiner Zeit den Jugendstil propagiert hätten. Eine offene Frage, wie so oft in der Karriere des Marcel Ketealer. Noch ist nicht ganz klar, ob alles vorbei ist. Doch es deutet vieles darauf hin.
Es gab Vereine, die Interesse signalisierten, teilweise durfte Ketelaer auch vorspielen. "Die Trainer waren durchaus angetan, aber es hat sich nichts ergeben", sagt der 32-Jährige. So sitzt er nun daheim in Linz, wo er mit seiner Lebensgefährtin Timea wohnt, und denkt über seine Zukunft nach.
Mit der Karriere ist es wohl vorbei, "in einem halben Jahr wird es noch schwieriger, wieder reinzukommen", sagt Ketelaer, der gebürtige Mönchengladbacher. Er kann sich vorstellen, Berater zu werden für junge Spieler, er denkt auch darüber nach, Trainerscheine zu machen. Es ist wie so oft, seit "Kette" im Sommer 2000 auszog, eine große Laufbahn als Fußballer hinzulegen: Alles ist offen und irgendwie unbefriedigend.
Damals, als der Hamburger SV 5,5 Millionen Mark für den wuseligen Linksaußen zahlte, der bei Borussia in der Zweiten Liga im Jahr zuvor gewirbelt hatte, "war ich fast ganz oben". Was folgte, war ein ständiges Auf und Ab, eine Mixtur aus Träumen und Enttäuschungen, aus falschen Entscheidungen und ständigen Verletzungen. Heraus kam eine Karriere, über die Ketelaer heute sagt: "Manchmal ist es zum Kotzen wie alles gelaufen ist. Die Fakten sind sehr ernüchternd."
"16, 17 Trainer" hat er gehabt, er hat für neun Vereine gespielt, zuletzt für den österreichischen Zweitligisten Pasching, insgesamt kommen 130 Profispiele in 15 Jahren zusammen. Das ist wenig für einen, der vor einem Jahrzehnt zu den größten Talenten im Lande zählte. Zuletzt tauchte sein Name in einer Liste jener Spieler auf, deren vielversprechende Karriere versandete. "Aber es ist wie es ist, ich kann es nicht ändern", sagt Ketelaer.
Manchmal würde er sich wünschen, dass einer klipp und klar sagen würde: "Kette, das war es." Aber das tut niemand. Wie so oft, muss er mit sich selbst die Dinge ausmachen. "Ich würde gern meine Erfahrungen an junge Spieler weitergeben und würde ihnen gern helfen, sie vor solchen Erfahrungen zu bewahren. Ich selbst habe genug Fehler gemacht", sagt "Kette".
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