Borussia Mönchengladbach: Klassiker ist ein Abstiegsduell
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 01.04.2011Samstag spielt Borussia beim FC Bayern München. In den 1970er Jahre spielten beide Klubs die Titel unter sich aus. Nun haben beide ihre Saisonziele klar verfehlt. Borussia steht mit einem Bein in Liga zwei, die Bayern kämpfen um einen Platz in der Champions League.
Personalien
Karim Matmour fehlte auch Donnerstag wegen einer Grippe, er ist für das Spiel in München sehr fraglich.
Tony Jantschke ist zurück im Training, hat aber in dieser Woche zwei Tage gefehlt. Er wird im München-Kader sein, möglich aber, dass Tobias Levels an seiner Stelle rechts verteidigt. Igor de Camargo (soll nächste Woche voll einsteigen) und Marc-André ter Stegen sind sicher nicht dabei.
Es gibt Fußballspiele, die anders sind als andere. Bayern gegen Gladbach ist so eines. Ein Klassiker ist es mithin, der Vergangenheit wegen. 1965 sind beide Klubs gemeinsam in die Bundesliga aufgestiegen, haben in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts um die Meistertitel gerangelt und mit Beckenbauer und Netzer zwei der imposantesten Fußballer aller Zeiten hervorgebracht. All das ist vergangen.
Wenn sich die Bayern und die Borussen nun treffen, ist es ein Vergleich zweier Welten und das Spiel zweier Abstiegskandidaten. Die Bayern laufen Gefahr, aus der Champions League abzustürzen in die europäische Zweitklassigkeit der Euro League, deren Vorgänger, den UEFA-Cup, Franz Beckenbauer einst als Cup der Verlierer titulierte. Für die Borussen sind das indes Luxusprobleme. Sie sind fast angekommen in der dritten nationalen Zweitklassigkeit der Vereinsgeschichte seit 1999.
Katastrophenjahr
Wird das Realität, wäre aus dem fünfmaligen Meister eine Fahrstuhlmannschaft geworden, ein Klub, der zwischen Erst- und Zweitklassigkeit pendelt. Für die Bayern, ansonsten Branchenführer, ist es dennoch ein Katastrophenjahr, wie für den früheren Konkurrenten. Die hohen Millioneneinnahmen aus der Meisterliga würden arg fehlen, vom ramponierten Renommee ganz zu schweigen.
Zwar liegen Welten zwischen beiden Klubs sportlich und finanziell, doch gibt es derzeit durchaus Parallelen. In beiden Fällen entpuppte sich die laufende Saison als großes Missverständnis. Im Spieljahr zuvor hatten beide richtig gute Arbeit abgeliefert: Die Bayern wurden mit bezauberndem Fußball Meister, Pokalsieger und europäischer Vize-Champion, die Trainer Louis van Gaal und Michael Frontzeck wurden gerühmt, etwas auf den Weg gebracht zu haben: Borussia wurde, ohne große Abstiegssorgen Zwölfter und spielte durchaus ansehnlich-erfolgreichen Fußball.
Als in der Hinrunde sich jedoch zentrale Figuren verletzten – Robben und Ribery bei den Bayern, Dante, Brouwers und de Camargo in Gladbach – wurde offenbar, dass in beiden Fällen die Kaderzusammenstellung das nicht auffangen konnte. Die Defensivreihen waren sowohl in München als auch in Mönchengladbach zu instabil, einige Personalentscheidungen der Trainer in der Folge unglücklich. Beide Teams stürzten in ihrer Welt ab: Bayern liegt weit hinter dem enteilten Tabellenführer Dortmund zurück, die Borussen sind seit Monaten Letzter.
Beide Trainer waren auf ihre Art zu stur, von ihrem Kurs abzuweichen. Van Gaal wurde auf Raten gefeuert, Frontzeck nach dem 1:3 beim FC St. Pauli durch Lucien Favre ersetzt. Die Saisonziele wurden im Süden und im Westen korrigiert. Die Bayern können nicht mehr alles gewinnen, sie wollen sich "nur" noch irgendwie in die Meisterliga retten.
Und die Borussen, die nicht vom Abstieg reden wollten, würden noch wenigstens die Relegation schaffen. Darum gilt im Klassiker, der morgen um 15.30 Uhr in der ausverkauften Allianz-Arena angepfiffen wird, wie in jedem Abstiegsduell: Verlieren verboten. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies gelingt und das neu definierte Saisonziel erreicht werden kann, ist bei den Bayern hoch, bei Borussia nur noch minimal. Verfehlen beide ihre Ziele, müssen die Gladbacher in der nächsten Saison auf den Klassiker verzichten und die Bayern auf die Vergleich mit der europäischen Spitzenklasse.
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