Borussia: Königs unter Beschuss
VON KARSTEN KELLERMANN UND O.E. SCHÜTZ - zuletzt aktualisiert: 05.06.2009 - 12:34Borussias Präsident Rolf Königs stand am Donnerstagabend bei der Mitgliederversammlung im Zentrum der Kritik. Bei der Entlastung des Präsidiums gab es 422 Gegenstimmen. Wirtschaftlich stimmt wieder alles. Ein neuer Hauptsponsor kommt, Stürmer Bobadilla wohl auch.
Der Zwischenrufer war ein Zweifler. Doch Michael Frontzeck, Borussias Trainer, gerade „30 Stunden im Amt“, wich der verbalen Grätsche gekonnt aus: „Die Mannschaft wird schon gut sein, da mach dir keine Gedanken“, konterte der 45-Jährige. Er weiß, dass nicht wenige seine Verpflichtung kritisch sehen, und das weckt seinen „Ehrgeiz, es denen zu zeigen, die nicht so erfreut sind über meine Nominierung.“
"Sportlich ein Desaster"
Der Trainer gab die Richtung vor: Die Borussen gingen bei der Mitgliederversammlung in der Südkurve des Stadions in die Offensive. Allerdings auch die Fans. Bei der obligatorischen Fragerunde nach Abhandlung der Tagesordnungspunkte gab es vor allem Kritik an Präsident Rolf Königs. Einige Mitglieder forderten sogar offen seinen Rückritt: „Die fünf Jahre ihrer Präsidentschaft waren sportlich ein Desaster. Denken Sie nicht langsam darüber nach, ihren Stuhl zu räumen?“, fragte einer.
Borussia im Jahr 2008
Erträge 59 502 922 Millionen Euro, darunter Spieleinnahmen 12,4 Mio., Werbung 16,8 Mio., Fernsehen/Hörfunk 11,7 Mio, Fanartikel und Gastronomie 12,8 Millionen
Aufwand 59 735 220 Euro, darunter Spielausgaben 4,1 Mio., Sachausgaben 7,5 Mio., Personalaufwand 26,9 Mio. (nicht nur Lizenzbereich), Abschreibungen 9,9 Mio., Wareneinkauf 7,5 Mio., Zinsen 3 Millionen Euro
Steuern 246.060 Euro
Überschuss 13.762 Euro
Königs fiel eine Entgegnung schwer. Rainer Bonhof, sein Vize, half aus: „Wenn im nächsten Jahr keine Besserung eingetreten ist, können Sie mir diese Frage stellen. Sie werden aber sehen, dass wir in der neuen Saison eine wesentlich bessere Mannschaft auf dem Platz haben werden, als in der letzten Saison.“
Die Mitglieder gaben dennoch einen deutlichen Dämpfer: 822 Stimmen für die Entlastung des Präsidiums, 422 dagegen und 96 Enthaltungen.
Max Eberl hatte zuvor Unmutsäußerungen beschwichtigt. „Wir sind nicht naiv und sind nicht dumm, wir wissen, dass wir auch drin geblieben sind, weil wir Glück gehabt haben, weil die Konkurrenz mitgespielt hat.“
Eberl fasste die Saison „voller Stimmungsschwankungen und Debatten" (Aufsichtsrats-Chef Hermann Jansen) in ehrlichen Worten zusammen. „Nach dem Aufstieg ging die sportliche Entwicklung in die falsche Richtung.“ Darum die Trennung von Jos Luhukay und die Verpflichtung von Hans Meyer. „Es war die richtige Entscheidung.“
Dann blickte der Sportdirektor nach vorn. „Wir wollen keine Fahrstuhlmannschaft sein. Wir wollen ein Team mit Gesicht“, bat Eberl um Unterstützung auf seinem Weg.
Einer, der dieses Gesicht prägen könnte, ist der Argentinier Raul Bobadilla. Der 21-Jährige hat in der Schweiz für Grasshopper Zürich in 47 Spielen 26 Tore erzielt. „Er ist ein kräftiger Stürmer, der nachgewiesen hat, dass er torgeil ist“, beschreibt Max Eberl. "Wir hätten ihn gerne heute vorgestellt, sind aber noch nicht ganz am Ziel." Bobadilla soll gut vier Millionen Euro kosten.
Borussia kann es sich leisten, weil Geschäftsführer Stephan Schippers zum siebten Mal in Folge ein positives Jahresergebnis präsentierte: "Eine schwarze Null, auf die bin ich stolz."
Den neuen Hauptsponsor konnte das Präsidium den zu Beginn 2324 anwesenden Mitgliedern noch nicht nennen. „Wir werden zu Saisonbeginn einen Hauptsponsor haben. Das ist eine Zusage“, versprach Rolf Königs.
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